Uhrmachermeister restauriert altes Schätzchen
Turmuhr aus Bauschutt gerettet

Everswinkel/Alverskirchen -

In den Jahren von 1890 bis 1978 hat die mechanische Turmuhr in der St. Agatha-Kirche in Alverskirchen brav ihren Dienst verrichtet. Mit der Turmrenovierung kam dann das Aus für das gute Stück, denn es wurde durch ein elektrisches Uhrwerk ersetzt. Das Relikt aus der Zeit des mechanischen Baus von Kirchturmuhren wäre vermutlich bei einem Schrotthändler gelandet, wenn nicht der Everswinkeler Lutz Hegemann es davor bewahrt hätte.

Samstag, 19.10.2019, 05:18 Uhr aktualisiert: 19.10.2019, 14:42 Uhr
Die von Lutz Hegemann restaurierte fast 130 Jahre alte Turmuhr steht schon auf ihrem endgültigen Platz und soll noch in diesem Jahr den Betrieb aufnehmen. Dann wird auch das 25 Kilogramm schwere Pendel seinen Platz gefunden haben. – Auch das Zifferblatt und die Zeiger rettete Hegemann 1978 vor der Verschrottung.
Die von Lutz Hegemann restaurierte fast 130 Jahre alte Turmuhr steht schon auf ihrem endgültigen Platz und soll noch in diesem Jahr den Betrieb aufnehmen. Dann wird auch das 25 Kilogramm schwere Pendel seinen Platz gefunden haben. – Auch das Zifferblatt und die Zeiger rettete Hegemann 1978 vor der Verschrottung. Foto: Günther Wehmeyer

Hegemann ist Uhrmachermeister und hatte sich schon während seiner aktiven Berufszeit auf die Instantsetzung und Wartung von größeren antiquarischen Uhrwerken, wie beispielsweise Pendel-Standuhren, spezialisiert. „In meiner Zeit als Rentner habe ich meinen Beruf zum Hobby gemacht“, bekundet der aktive Ruheständler seine immer noch währende Leidenschaft für Uhren. „Für einen Uhrensammler in Münster habe ich noch vor einigen Jahren eine Turmuhr repariert.“

Schon als noch junger Uhrmacher hatte Hegemann „Kontakt“ mit der Alverskirchener Uhr. „Der Küster ist manchmal an mich herangetreten, und ich habe sie repariert, wenn es nötig war.“

Als er davon gehört habe, dass die Uhr ersetzt werden soll, sei er mit der Bitte die Uhr zu erwerben, an den damaligen Pfarrer herangetreten. „Wir sind uns schnell handelseinig geworden und ich habe die Uhr, die schon im Bauschutt gestanden hatte, in ihre Einzelteile zerlegt und bei mir im Keller gelagert.“ Nach einer umfassenden Restaurierung der Einzelteile baute Lutz Hegemann die Uhr wieder zusammen und brachte sie auch wieder zum Laufen. „Wenn wir Gäste hatten, war die Uhr immer ein interessantes Anschauungsobjekt“, erzählt er von dieser Zeit.

Als Ausstellungsstück in den Kirchturm

Vor etwa zwei Jahren sei die Idee herangereift, das Uhrwerk in der St. Agatha-Kirche als Erinnerung an vergangene Zeiten zu deponieren. Nach Rücksprache mit Pfarrer Hagedorn hat er mit Josef Starp, Sprecher des Bau- und Gebäudeausschusses des Kirchenvorstandes St. Magnus/St. Agatha, Kontakt aufgenommen. „Herr Starp hatte dann vorgeschlagen, das Uhrwerk der historischen Turmuhr nicht nur als Ausstellungsstück in den Kirchturm zu stellen, sondern sie wieder der ursprünglichen Funktion als Turmuhr zuzuführen“, lobt Hegemann dessen Initiative. Bei einem Termin mit Vertretern des Bischöflichen Generalvikariats und dem Kirchenvorstand wurde dem Vorhaben zugestimmt, und als Standort der Platz neben der Schatzkammer gefunden, ein Stockwerk tiefer als früher.

Transport in Einzelteilen

Und so zerlegte Lutz Hegemann erneut das Uhrwerk in seine Einzelteile, um so den Transport nach Alverskirchen zu ermöglichen. Inzwischen steht die 130 Jahre alte Uhr an ihrem endgültigen Platz und sieht aus wie neu. Statt des früheren Antriebs durch Gewichte, die mit einer Handkurbel hochgezogen wurden, wird das mechanische Werk demnächst mit einem Elektromotor angetrieben. Der Zeittakt für die vielen Zahnräder wird nach wie von dem 25 Kilogramm schweren Pendel vorgegeben.

Das historische Zifferblatt und die passenden Zeiger werden ihren angestammten Platz am Kirchturm wieder einnehmen. Eine Fachfirma, die die Verbindung von der Uhr zum Zifferblatt herstellt, wurde auch gefunden. Nach Planung der Firma soll bis Weihnachten das Uhrwerk nach mehr als 40-jähriger Abwesenheit wieder zu neuem Leben erweckt werden und die Zeit am Kirchenturm anzeigen. Und die St. Agatha-Kirche ist damit um einen „Schatz“ reicher.

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