Unternehmens-Forum zum Gemeindeentwicklungs-Konzept
Sorgen um den Ortskern

Everswinkel -

Geht es nach den Gewerbetreibenden – zumindest nach der Mehrheit jener drei Dutzend, die sich am Mittwochabend am Unternehmens-Forum zum Gemeindeentwicklungs-Konzept (GEK) beteiligt haben – dann bleibt die Vitus-Straße weiterhin für den Pkw durchgängig befahrbar. Und der Magnusplatz sollte eine Mischung aus Einzelhandel und Gastronomie aufweisen, aufgewertet werden und auch künftig Platz für den Wochenmarkt sein. Ergebnis einer kleinen „Volksabstimmung“ am Ende der zweieinhalbstündigen Veranstaltung.

Freitag, 15.11.2019, 08:34 Uhr aktualisiert: 15.11.2019, 08:50 Uhr
Brainstorming in Sachen Handel und Gewerbe: Drei Dutzend Gewerbetreibende waren am Mittwochabend der Einladung der Gemeinde zum Unternehmens-Forum gefolgt, um über die Zukunft der Gemeinde zu diskutieren.
Brainstorming in Sachen Handel und Gewerbe: Drei Dutzend Gewerbetreibende waren am Mittwochabend der Einladung der Gemeinde zum Unternehmens-Forum gefolgt, um über die Zukunft der Gemeinde zu diskutieren. Foto: Klaus Meyer

Bürgermeister Sebastian Seidel freute sich auch über diese Beteiligung beim mittlerweile dritten Forum – das vierte soll am 30. November die Jugend ansprechen. Carolin Dietrich und David Sommer vom prozessbegleitenden Büro „Energielenker“ stellten eingangs Ziele und Marschrichtung des GEK sowie einige Ergebnisse aus der Online-Haushaltsbefragung vor, bei der 177 Fragebögen retourniert worden waren. Und dann ging‘s ein bisschen weiter wie im Schulunterricht: Fünf verschiedene Themen bzw. Fragestellungen hatten sich die „Energielenker“ überlegt. „Sie haben nun zehn Minuten Zeit, sich Gedanken zum Thema zu machen, dann sammeln wir“, ermunterte Dietrich die Gewerbetreibenden, sich in Gesprächsgruppen auszutauschen. Das lief zunächst etwas zähflüssig, später – als es darum ging, Ideen und Wünsche zu Gewerbeflächen-Träumen per Edding auf Karten zu skizzieren – lebhafter. Zum Schluss, als es darum ging, mit Klebepunkten über die Zukunft von Vitusstraße und Magnusplatz Farbe zu bekennen, hielt es niemanden mehr auf den Sesseln des Ratssaals.

Wo könnten Gewerbeflächen in Everswinkel entstehen? Frank Holzmüller und Reinhard Schulze Tertilt diskutieren an der Karte.

Wo könnten Gewerbeflächen in Everswinkel entstehen? Frank Holzmüller und Reinhard Schulze Tertilt diskutieren an der Karte. Foto: Klaus Meyer

Das GEK als „Wunschkonzert“. Dieses Konzept zieht sich durch die Foren und Ortsspaziergänge. Jeder darf sich äußern, alles wird notiert, gesammelt und für die Projektbörse am 19. März 2020 verarbeitet. Die Wünsche der Gewerbetreibenden sind durchaus vielschichtig. „Ich würde mir eine aktivere Wirtschaftsförderung der Gemeinde wünschen. Im Moment wirkt das eher wie hinten angehängt“, gab BTA-Sprecher Peter Kretschmer zu Protokoll. Bier-Brauer Jan Kemker würde sich dafür eine feste Personalstelle im Rathaus wünschen – und einen „Gemeinwohl-Berater“, der eine langfristigere Entwicklung anstoße. Apotheker Dr. Oliver Röttger plädiert für mehr Parkraum im Zentrum und würde eine Öffnung des Magnusplatzes wochentags für Kurzparker begrüßen. Landschaftsgärtner Edgar Theilmeier hofft auf die Ausweisung neuer Gewerbeflächen in Alverskirchen, Berufskollege Reinhard Schulze Tertilt hofft auf mehr Flexibilität der Gemeindeverwaltung „bei der Umwandlung von Gewerberäumen in Wohnraum und umgekehrt – da tut man sich hier etwas schwer mit“. Die Fantasie-Malereien hinsichtlich neuer Gewerbeflächen umfassten die Dreiecks-Fläche zwischen Freckenhorster Straße und L793, eine Verlängerung des Grothues-Bereichs in Richtung Wald und auch den Sprung über die K3 sowie in Alverskirchen Erweiterungen rund um den Kleikamp sowie – man staune – eine Brauerei-Fläche (Kemker) an der Telgter Straße, gegenüber von „Fun Automobile“.

Den Bürgern fehlt auch das Flair, das gewisse Etwas, das Schöne.

Birgit Leiers

Intensiver wurde die Debatte darüber geführt, ob man im Kerngebiet (Vitusstraße, Warendorfer Straße, Magnusplatz) die Regelungen lockern und die Umwandlung von Geschäftsflächen in Wohnraum ermöglichen sollte. „Wenn man es komplett öffnet, dann dauert es ein Jahr, dann ist das Gewerbe komplett weg“, orakelte Kretschmer. „Das wird sicher nicht von heute auf morgen passieren“, meinte Hubertus Diepenbrock, aber wenn das eine oder andere Geschäft schließen würde, wäre das schon schlecht. „Wir sehen schon, dass die Vitusstraße recht tot ist“, das spüre man auch an den Umsätzen dort, bilanzierte der Bäckermeister, der gleichzeitig ein klares Bekenntnis zu dem Standort abgab. Für Frank Holzmüller ist klar: Je mehr Wohnraum dort geschaffen werde, umso weniger würden die Leute in den Ort gehen, die Attraktivität des Ortskerns sinke, die Frequenz breche weg. „Jedes Geschäft, das in Wohnraum umgewandelt wird, ist fürs Gewerbe verloren.“ Michael Perdun sah das in der Warendorfer Straße schon bestätigt. „Für die Zukunft sehe ich nicht die Chance, da noch Gewerbe hinzubringen.“

Was ist in Alverskirchen gewerblich noch möglich? Erweiterungswünsche auf der Karte – inklusive Brauerei-Fläche.

Was ist in Alverskirchen gewerblich noch möglich? Erweiterungswünsche auf der Karte – inklusive Brauerei-Fläche. Foto: Klaus Meyer

Das Kerngebiet als solches erhalten, aber dennoch für Veränderungen sorgen, lautete der Tenor. Stichwort Attraktivität: Holzmüller brachte die schon oft diskutierte Kirchplatz-Mauer ins Gespräch. Wäre die weg, könnte eine Platzsituation geschaffen werden, auf der auch Außen-Gastronomie möglich wäre. „Davon würde die ganze Vitusstraße profitieren.“ Geschäftsfrau Birgit Leiers diagnostizierte, „den Bürgern fehlt auch das Flair, das gewisse Etwas, das Schöne.“ Es sei wichtig, dass Geschäfte nahe zusammenliegen, Treffpunkte müsse es geben, „schöne Bänke, vielleicht auch ein Tisch“, und es müsse für die Ladenbetreiber die Möglichkeit geben, auch etwas vors Geschäft zu stellen. Geschäfte wahrzunehmen „muss auch vor der Tür passieren“. Im Moment sei es dagegen so auf der Vitusstraße: „Man steht auf der Straße und sieht nur Autos und Bäume.“

Was soll aus Vitusstraße und Magnusplatz werden? Abstimmung per Klebepunkte.

Was soll aus Vitusstraße und Magnusplatz werden? Abstimmung per Klebepunkte. Foto: Klaus Meyer

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7065889?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F106%2F128%2F
Preußen-Sportchef Metzelder stellt sich vor Interimstrio
Sportchef Malte Metzelder war nach dem 1:3 in Meppen ebenfalls schwer enttäuscht.
Nachrichten-Ticker