WN-Serie über gelungene Integration in Everswinkel
„Integration braucht ein ganzes Dorf“

Everswinkel -

In dieser Serie sind in den vergangenen Wochen und Monaten verschiedene Aspekte der Integration von geflüchteten Menschen in der Vitus-Gemeinde beleuchtet worden. Zum Abschluss der Reihe zieht Bürgermeister Sebastian Seidel in einem Gespräch mit WN-Mitarbeiterin Susanne Müller eine Zwischenbilanz nach vier Jahren.

Samstag, 16.11.2019, 10:30 Uhr aktualisiert: 17.11.2019, 13:26 Uhr
Im Gespräch mit WN-Mitarbeiterin Susanne Müller blickte Bürgermeister Sebastian Seidel auf die aktuelle Situation der nach Everswinkel geflüchteten Menschen und zog ein Fazit der bisherigen Integrationsarbeit.
Im Gespräch mit WN-Mitarbeiterin Susanne Müller blickte Bürgermeister Sebastian Seidel auf die aktuelle Situation der nach Everswinkel geflüchteten Menschen und zog ein Fazit der bisherigen Integrationsarbeit.

Beschrieben wurde in der WN-Serie die Situation aus Sicht der Arbeitgeber und der Auszubildenden respektive Arbeitnehmer mit Migrationshintergrund. Es ging um Patenschaften – sei es zwischen Einzelpersonen und Flüchtlingen oder sogar um die Begleitung von Familien durch Familien. Gleichermaßen wurden die Tätigkeit des „Integration Point“ und die soziale Betreuung durch weitere Mitarbeiter im Rathaus sowie im „Haus der Generationen“ vorgestellt. Im Gespräch zieht Bürgermeister Seidel ein Fazit der bisherigen Integrationsarbeit.

Wie ist die aktuelle Situation der in Everswinkel Schutz suchenden Menschen?

Seidel: Aktuell sind 264 Personen in unserer Gemeinde, davon 74 Einzelpersonen. Die mit Abstand größte Gruppe sind Personen aus Syrien, gefolgt von Personen aus dem Irak und Afghanistan. Die Gruppe der unter Zehnjährigen beträgt 70, und die Gruppe der Elf- bis 24-Jährigen 68 Personen. Viele Menschen haben durch die gute Arbeit unseres ,Integration Point‘ Arbeit gefunden. 40 Personen gehen einer beruflichen Tätigkeit nach, und zwölf befinden sich in einer Berufsausbildung.

Angekommen – aber auch wirklich mehrheitlich angenommen? Wie ist die heutige Situation im Vergleich zu der vor vier Jahren?

Seidel: Durch die vielen Ehrenamtler, die Vereine und die offene Bürgerschaft ist es uns gelungen, Menschen hier Fuß fassen zu lassen. Aber auch alle Mitarbeiter der Gemeinde, ob im Bauhof, im HdG oder im Rathaus, greifen hier richtig ins Rad, damit Integration gelingt. Ich bin allen, die sich in der Integrationsarbeit engagieren, sehr dankbar. Denn Integration braucht ein ganzes Dorf. Das wird in unseren beiden Ortsteilen wunderbar gelebt und ist ja im vergangenen Jahr mit dem Integrationspreis des Bundesministeriums des Innern, für Bau und Heimat ausgezeichnet worden.

Fühlen Sie sich vom Bund und vom Land ausreichend unterstützt, zum Beispiel finanziell, aber ebenso auf anderen Gebieten?

Seidel: Die seit Jahren zugesagte ,Integrationspauschale‘ ist für 2019 erstmals vollumfänglich durch das Land an die Kommunen weitergeleitet worden. Da der Bund die Mittel kürzen wird, wird auch das Land weniger Mittel durchleiten. Das halte ich für fatal, weil die Integrationsarbeit vorwiegend in den Kommunen geleistet wird. Dies muss dann auch mit den entsprechenden finanziellen Mitteln seitens Bund und Land unterstützt werden. Ähnlich verhält es sich bei den Kostenerstattungen durch das Land für den Lebensunterhalt der Flüchtlinge. Es gibt dazu ein Gutachten, welches das Land in Auftrag gegeben hat. Allerdings ist eine Anpassung der Pauschalen noch nicht erfolgt.

Wie steht Everswinkel da im Vergleich zu den anderen, etwa gleich großen Kommunen im Kreis oder in Nachbarkreisen?

Seidel: Wir stehen sehr gut da. Bei uns sind die Wege kurz. Dadurch, dass sich die Beteiligten kennen, sind viele Dinge auf dem ,kleinen Dienstweg‘ zu lösen.

Was bleibt zu tun? Wo liegen die Schwerpunkte für die künftige gemeinsame Arbeit?

Seidel: Wir wollen eine weitere Integrationsbroschüre auflegen, um den Bürgerinnen und Bürgern erneut Informationen an die Hand zu geben zu Zahlen, Daten und Fakten. Aber wir wollen auch in den Blick nehmen, was aus den Menschen, die als Flüchtlinge in unsere Gemeinde gekommen sind, geworden ist. Und in der Sache müssen wir gemeinsam weitermachen wie bisher. Denn Integration ist ein langer Prozess.

Welche Erfahrungen haben Sie gemacht bezüglich Ausfällen persönlicher Art oder im Netz? Man denke etwa an Dr. Walter Lübcke, den ermordeten Kasseler Regierungspräsidenten, oder Dr. Andreas Hollstein, den Bürgermeister von Altena, der mit einem Messer attackiert und dabei verletzt wurde.

Seidel: Diese Taten haben mich sehr erschüttert. Auch als am 9. Oktober ein Rechtsextremer in Halle zwei Menschen umgebracht hat, war ich schockiert. Was mich dabei genauso erschüttert wie die Taten selbst, sind die Diskussionen in den sozialen Netzwerken über potenzielle Ursachen. Ich selbst habe bisher zum Glück keine Erfahrungen mit verbalen Ausfällen oder Bedrohungen gegen meine Person oder meine Familie gemacht.

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