Regina und Werner Schniedermann erlebten Mauerfall hautnah mit in Berlin
Umarmungen bleiben unvergesslich

Everswinkel -

Der Jahrestag des Falls der Berliner Mauer ist beim Everswinkeler Ehepaar Regina und Werner Schniedermann mit tiefen Emotionen verbunden. Der der Zufall hatte es gewollt, dass die beiden das Geschehen am Abend des 9. November 1989 unmittelbar miterlebten.

Samstag, 23.11.2019, 12:16 Uhr aktualisiert: 23.11.2019, 12:20 Uhr
Regina und Werner Schniedermann waren just an jenem historischen 9. November 1989 in Berlin, als sich die Grenze zur DDR öffnete, Ost-Berliner die Mauer erklommen und mit ihren Trabis nach West-Berlin fuhren. Für das Ehepaar unvergessliche Momente.
Regina und Werner Schniedermann waren just an jenem historischen 9. November 1989 in Berlin, als sich die Grenze zur DDR öffnete, Ost-Berliner die Mauer erklommen und mit ihren Trabis nach West-Berlin fuhren. Für das Ehepaar unvergessliche Momente. Foto: Günther Wehmeyer

Werner Schniedermann war zu dieser Zeit Chef des Flughafens Münster-Osnabrück. „Wir hatten eine Tagung der deutschen Flughafendirektoren im Reichstagsgebäude in Berlin und konnten von dort über die Mauer nach Ost-Berlin schauen.“ Mit dem Wissen um die dortigen Geschehnisse sei die Sorge verbunden gewesen: ,Hoffentlich gibt es dort kein Blutvergießen‘.

„Während des abendlichen Empfangs beim Berliner Senat kursierte auf einmal die Nachricht: ‚Die Mauer ist offen‘, was wir uns zu dem Zeitpunkt gar nicht vorstellen konnten.“ Ein Gast am Tisch der Schniedermanns habe noch zynisch angemerkt: „Das kann nicht sein, so schnell können die doch gar nicht die Stempel besorgen.“ Dennoch haben sich die Schniedermanns zusammen mit anderen auf den Weg zunächst zum Bahnhof Friedrichstraße gemacht. „Da dort nichts los war, sind wir zurückgefahren und haben bei einem Blick über die Mauer am Grenzübergang Invalidenstraße einen hellen Lichtkegel gesehen und eine große Unruhe wahrgenommen.“ Die Gruppe stieg am nächsten Bahnhof aus in der Vermutung, ,da tut sich etwas Bedeutsames‘.

Auf dem Weg zum Grenzübergang ist uns eine Menschenmenge wie eine Wand entgegen gekommen.

Werner Schniedermann

„In einer Unterführung auf dem Weg zum Grenzübergang ist uns eine Menschenmenge wie eine Wand entgegen gekommen“, schildert Werner Schniedermann diesen bewegenden Moment. Einzelne Rufe: „Wo geht es hier zum Ku-Damm“, seien dabei zu hören gewesen. „Kommt Ihr etwa aus dem Osten“, fragen sie die Leute. „Ja, die Mauer ist auf“, lautete die Antwort. „Da war für uns klar: Die Bewohner von Ost-Berlin konnten ungehindert nach West-Berlin gelangen.“ Das Gedränge am Grenzübergang Invalidenstraße, die Überfahrt der Trabis, verbunden mit der Begeisterung darüber, dass das Unglaubliche gerade wahr geworden war, haben die Schniedermanns dort live erlebt. Aus dem Osten der Stadt wurden Rufe in der Lautstärke eines Stadions laut: „Wir wollen raus“. Das war ein Gänsehautgefühl, das allerdings noch immer mit einer Sorge verbunden war: Hoffentlich geht da nichts schief.

Das Archivbild vom 9. November 1989 zeigt jubelnde Menschen auf der Berliner Mauer vor dem Brandenburger Tor. Nach der Öffnung eines Teils der deutsch-deutschen Grenzübergänge in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1989 reisten Millionen DDR-Bürger für einen kurzen Besuch in den Westen. In der Folge wurde die innerdeutsche Grenze abgebaut, seit dem 3. Oktober 1990 ist Deutschland wieder vereint.

Das Archivbild vom 9. November 1989 zeigt jubelnde Menschen auf der Berliner Mauer vor dem Brandenburger Tor. Nach der Öffnung eines Teils der deutsch-deutschen Grenzübergänge in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1989 reisten Millionen DDR-Bürger für einen kurzen Besuch in den Westen. In der Folge wurde die innerdeutsche Grenze abgebaut, seit dem 3. Oktober 1990 ist Deutschland wieder vereint. Foto: dpa-

Mit dem Plan, ,jetzt müssen wir mal schauen, was sich in der Nähe des Brandenburger Tors tut‘, machten sich die beiden zu Fuß auf den Weg dorthin. „Inzwischen war es schon halb drei geworden, und wir hatten immer noch unsere Ballkleidung an“, erinnert sich Regina Schniedermann an die kalten Temperaturen in dieser Nacht. Dort angekommen, sahen sie, dass bereits die ersten West-Berliner auf die vordere Mauer geklettert waren. Mit Wasserwerfen auf Ost-Berliner Seite wurde versucht, das zu verhindern. Es habe dann nicht mehr lange gedauert, dass die ersten Menschen aus Ost-Berlin zunächst auf der Mauer standen, um dann in den Westen zu gelangen. „Die darauf folgenden herzlichen und tränenreichen Umarmungen der Menschen aus beiden Teilen der Stadt werden wir nie vergessen“, zeigen sich die Schniedermanns noch immer bewegt. „Wieder am Hotel angekommen standen dort viele Ost-Berliner und schauten staunend in das Foyer“, schildert das Everswinkeler Ehepaar sein weiteres Erleben. „Die haben wir dann natürlich reingeholt und haben zusammen mit den Menschen aus Ost-Berlin gefeiert.“

Zur historischen Pressekonferenz mit Günter Schabowski berichtet Regina Schniedermann über eine interessante Begebenheit: „Der damalige Bild-Journalist Peter Brinkmann, der mit seiner Frage, ‚Wann tritt das in Kraft?‘, die legendäre Antwort ‚Das tritt nach meiner Kenntnis. .  . ist das sofort, unverzüglich‘, entlockte, ist der Mann meiner Freundin.“ Mit dieser Antwort hatte Schabowski, vermutlich unbeabsichtigt, den Stein ins Rollen gebracht, der dann letztendlich zur Lawine bis zur deutschen Wiedervereinigung geworden ist.

Ein «Trabi» (Trabant) überquert am 13. November 1989 die Glienicker Brücke in Berlin.

Ein «Trabi» (Trabant) überquert am 13. November 1989 die Glienicker Brücke in Berlin. Foto: dpa

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