Urteil im Prozess um den schweren sexuellen Missbrauch von Kindern
Gerade noch im Bereich der Bewährungsstrafe

Everswinkel/Münster -

Nach einem sich über mehrere Monate und 14 zumeist nichtöffentlichen Verhandlungstagen ist am Montag ein Aufsehenen erregender Missbrauchs-Prozess mit einer öffentlichen Urteilsbegründung zu Ende gegangen. Zu einer Haftstrafe von fünf Jahren und drei Monaten hat am Montag die Große Strafkammer des Landgerichts einen 39-jährigen Mann aus Münster wegen mehrfachen Kindesmissbrauchs verurteilt. Verurteilt wurde auch ein 52-jähriger Mann aus Everswinkel.

Dienstag, 26.11.2019, 07:45 Uhr aktualisiert: 26.11.2019, 08:00 Uhr
Urteilsverkündung am Montag im Missbrauchsprozess gegen zwei Münsteraner und einen Everswinkeler vor dem Landgericht in Münster.
Urteilsverkündung am Montag im Missbrauchsprozess gegen zwei Münsteraner und einen Everswinkeler vor dem Landgericht in Münster. Foto: Oliver Werner

Sie haben ihn gekannt und gemocht – jetzt saß ihr ehemaliges Idol auf der Anklagebank wegen Kindesmissbrauchs. Bei der Urteilsverkündung gegen einen 39-Jährigen Mann und zwei Mitangeklagte aus Münster und Everswinkel saßen viele junge Menschen im Publikum. Sie waren sprachlos angesichts der detaillieren Tatschilderung der Vorsitzenden Richterin. Der 39-jährige ehemalige Sozialarbeiter hatte sich als Musiker einen Namen gemacht, und war als Fußballtrainer sehr beliebt. Zu einigen Kindern im Alter von elf bis 13 Jahren hatte er „Freundschaften“ aufgebaut – und sie dann zu sich ins Bett gelockt.

„Kein Kommentar, dazu will ich wirklich nichts sagen“, wimmelte einer der jungen Zuhörer Fragen sichtlich schockiert nach dem Ende des Prozesses ab. Sie hatten viel über das äußerst bizarre Leben des Mannes erfahren, das von einer nicht sehr schönen Kindheit, viel Alkohol und zahlreichen Beziehungen sowohl mit Männern als auch Frauen geprägt war. Für fünf Jahre und drei Monate geht der Haupttäter jetzt in Haft. Julia Artmann-Eichler, Anwältin der Opfer, die als Nebenkläger aufgetreten sind, erklärte, dass die Höhe der Strafe für sie nicht entscheidend sei, sondern nur, dass der belastende Prozess für ihre Mandanten vorbei sei.

Der mitangeklagte 52-jährige Mann aus Everswinkel, der über den 39-Jährigen Kontakt zu einem Kind erhalten und es auch missbraucht hatte, ist jetzt wieder auf freiem Fuß. Er erhielt eine Strafe von zwei Jahren, die zur Bewährung ausgesetzt wurde. Der Mann hatte die Tat zunächst abgestritten, so dass eines der Kinder in den Zeugenstand musste. „Die Kammer hat Ihnen viele goldene Brücken gebaut“, sagte die Vorsitzende Richterin in ihrer Begründung, „aber Sie haben keine angenommen.“ Erst nach der belastenden Aussage des Kindes legte der Mann ein Geständnis ab. Die Staatsanwaltschaft hatte zuvor zwei Jahre und vier Monate für den Everswinkeler gefordert – dann wäre keine Bewährung möglich gewesen.

Einem dritten Angeklagten aus Münster konnte die Kammer die Taten nicht nachweisen; er ist freigesprochen worden. Der Haupttäter hatte schon während des Ermittlungsverfahrens alle Taten gestanden.

Beide Verurteilten haben sich noch während des Verfahrens verpflichtet, den Opfern Schadensersatz zu zahlen. Der Everswinkeler hat seine Arbeit als Feuerwehrmann und seine Pensionsansprüche verloren, auch das hat die Kammer bei der Strafzumessung einbezogen.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7089925?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F106%2F128%2F
Das Friedenslicht ist auf dem Weg durchs Münsterland
Das Friedenslicht erreicht am Sonntag Münster und wurde in einem feierlichen Gottesdienst weitergegeben.
Nachrichten-Ticker