Aktueller Blick auf die Situation von Flüchtlingen und Asylbewerbern
Integrationsarbeit ist ein Marathon

Everswinkel -

„Wir sind noch lange nicht am Ende, was die Integration anbelangt. Das gut vernetzte Dorf muss so weiterarbeiten wie bisher“, stellte Thomas Wetterkamp am Ende fest. Der hauptamtliche Mitarbeiter des HdG (Haus der Generationen) war am Donnerstag abend der Co-Gastgeber des Familien- und Sozialausschusses. Ein Thema der Sitzung war der Blick auf die aktuelle Lage der Flüchtlinge und Asylbewerber vor Ort.

Samstag, 30.11.2019, 09:28 Uhr aktualisiert: 30.11.2019, 09:30 Uhr
Das Übergangs-Wohnheim Bahnhofstraße hat theoretisch noch ein paar freie Plätze, ist aber „gefühlt voll“, wie es Sozialarbeiterin und Betreuerin Carmen Günnewig im Familien- und Sozialausschuss beschrieb.
Das Übergangs-Wohnheim Bahnhofstraße hat theoretisch noch ein paar freie Plätze, ist aber „gefühlt voll“, wie es Sozialarbeiterin und Betreuerin Carmen Günnewig im Familien- und Sozialausschuss beschrieb. Foto: Klaus Meyer

267 geflüchtete Menschen leben aktuell in der Gemeinde, 184 davon als anerkannte Flüchtlinge, 43 im laufenden Verfahren, 28 mit Duldung und elf mit Abschiebeverbot, zeigte Sozialamtsleiter Jörg Rehfeld auf. Die meisten Personen stammen aus Syrien, gefolgt von Irakern, Afghanen, Albanern und Pakistanern. Was die Übergangswohnheime an Bahnhof-, Münster-, Berg- und Hovestraße anbelangt, „haben wir nach wie vor eine sehr hohe Belegungsquote“. An der Bergstraße liegt sie nun bei 112 Prozent.

Carmen Günnewig , seit zwei Jahren Sozialarbeiterin für Flüchtlinge, gab einen interessanten und vielschichtigen Einblick in ihre Arbeit. Die aufsuchende Betreuungsarbeit eröffne „ein ganz anderes Verhältnis zu den Menschen“, mehr Vertrauen und mehr Informationen. Sei es vor zwei Jahren noch vor allem um die „Basics“ gegangen – sprich um grundlegende Fragen des täglichen Lebens – „sind wir jetzt einen Schritt weiter“. Jetzt stehe vor allem das Thema Wohnen im Fokus. „Das Wohnen wird immer problematischer, je länger man da ist.“ Ansprüche wachsen, Familien zum Teil auch. Das neue Übergangs-Wohnheim Bahnhofstraße sei mit 32 Personen (Auslastung 61 Prozent) „gefühlt voll“, da die Menschen sich in Gemeinschaftsbädern organisieren müssen. „Nicht alles so einfach“ und bei verschiedenen Nationalitäten und Kulturen ergäben sich auch mal Probleme. „Wir haben kaum Flüchtlinge, die ohne unsere Hilfe Wohnraum finden würden“, machte Rehfeld deutlich. 20 Wohnungen hat die Gemeinde derzeit für Flüchtlinge angemietet.

Ich bin froh, dass wir hier so gut vernetzt sind.

Carmen Günnewig

Zum Glück, so Günnewig, gebe es ausreichend Kindergartenplätze. Ein sehr großes Plus, denn durch die Unterbringung der Kinder seien die Flüchtlinge in der Lage, die Sprachkurse vor Ort sowie in Münster und Warendorf zu besuchen. „Das macht das ganze Leben einfacher.“ Mit dem Integration Point sei man sehr bemüht, die geflüchteten Menschen in Ausbildung und Arbeit zu bringen. 48 von ihnen haben inzwischen einen Job, 17 einen Ausbildungsplatz. Die einstellenden Betriebe seien zufrieden, aber in der Berufsschule gebe es „massive Probleme“, bedingt auch durch ganz andere Bildungsstandards der Flüchtlinge. Es gehe darum, Lösungen und Wege zu finden, dass diese Menschen ihre Ausbildung auch bestehen, betonte Günnewig, die sich froh über die gute Vernetzung in der Gemeinde und die vielen helfenden Ehrenamtlichen zeigte. Das konnte auch Bürgermeister Sebastian Seidel nur unterstreichen, der Carmen Günnewig stellvertretend auch für die anderen Kräfte ein großes Lob aussprach. Seidel bezeichnete die Integrationsarbeit als „Marathon“, für den man auch die entsprechenden finanziellen Mittel benötige. Bund und Länder dagegen würden die Gelder kürzen und das „falsche Signal“ damit senden. „Integration wird vor ort geleistet und nicht in den Ministerien.“

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