Jugend-Forum zum Gemeindeentwicklungs-Konzept
Bittere Erfahrung für die Gemeinde

Everswinkel -

Die Jugend in die Gemeindeentwicklung einzubeziehen ist schwierig. Was ist der richtige Rahmen, um ihnen die Möglichkeit zu geben sich zu beteiligen?

Montag, 02.12.2019, 10:00 Uhr aktualisiert: 02.12.2019, 16:06 Uhr
Bürgermeister Sebastian Seidel erklärt dem 20-jährigen Lasse Lohmann die Verkehrssituation im Süden Everswinkel und eine mögliche Lage einer Umgehungsstraße.
Bürgermeister Sebastian Seidel erklärt dem 20-jährigen Lasse Lohmann die Verkehrssituation im Süden Everswinkel und eine mögliche Lage einer Umgehungsstraße. Foto: Rebecca Lek

Nachdem in Warendorf bereits das Jugendforum auf eher durchwachsene Resonanz gestoßen ist, musste die Gemeinde Everswinkel ebenfalls diese bittere Erfahrung machen.

Im Rahmen des Gemeindekonzeptes 2030 für Everswinkel und Alverskirchen versucht das Projektteam der Firma „Energielenker“ die breite Masse der Bevölkerung anzusprechen. Hierzu schafften sie seit Anfang des Jahres unterschiedliche Veranstaltungen, bei denen Ideen in einem Topf gesammelt wurden.

Als jüngste Mitbürger beteiligten sich die Grundschüler, die ihre Lieblingsorte zeigen durften. Im Rahmen einer Onlineumfrage wurde ein umfangreicher Fragebogen abgearbeitet. Bei Bürgerspaziergängen rekapitulierten die Verantwortlichen die bisherigen Ergebnisse und gingen vor Ort die einzelnen Punkte durch. Zu guter Letzt gab es ein Unternehmer- und ein Bürgerforum.

„Beim Bürgerforum gab es einzelne jüngere Teilnehmer. Die fühlten sich aber scheinbar untergebuttert. Deswegen wollten wir ihnen die Möglichkeit geben, Anregungen zu geben“, erklärte Bürgermeister Sebastian Seidel . Die Idee: Ein Jugendforum, an dem 14- bis 20-Jährige teilnehmen durften. Die Jugendlichen sollten die Chance erhalten, Kritik zu üben, aber auch im gleichen Zug Verbesserungsvorschläge zu geben. Samstagmorgen um 10 Uhr begann das Forum im Haus der Generationen mit nur einem Teilnehmer.

Sebastian Seidel, Bernd Schumacher von der Gemeinde Everswinkel und die Vertreter von „Energielenker“ Jenny Kamp und Carolin Dietrich warfen kurzerhand die Pläne des Tages über Bord und informierten den 20-jährigen Lasse Lohmann über alternative Formen, um die Jugend einzubinden. Denn so schnell wollten sie nicht aufgeben. „Ich denke es ist schwierig, weil die Jugendlichen zwar für ihre Generation sprechen sollen, die Ergebnisse für sie aber nicht direkt greifbar sein werden. Ihre Kinder werden davon jedoch profitieren“, sah Carolin Dietrich einen Grund für die schlechte Resonanz. Lasse Lohmann merkte zudem an, dass sich viele einfach nicht ernst genommen fühlen und denken, die Ideen werden sowieso nicht umgesetzt.

Der Auszubildende ließ sich jedoch nicht abschrecken und ging in den Dialog mit den Organisatoren. Ein großer Block der Diskussion drehte sich um den ÖPNV. „Ich arbeite in Münster. Für mich lohnt es sich einfach nicht, mit dem Bus zu fahren“, merkte Lohmann an. Hierbei spielt nicht nur Geld eine Rolle, sondern auch der Faktor Zeit. „Der ÖPNV muss einfach attraktiver werden und das nicht nur preislich“, fasste Schumacher am Ende zusammen. Auch wenn Lasse Lohmann betonte, dass er gerne in Everswinkel lebt, gab es zwei größere Kritikpunkte: Zum einem das Kneipensterben, wodurch ein Treffpunkt für Jugendliche wegfällt. Zum anderen das Vitusbad. „In unserer Region gibt es ein Defizit an Rutschen“, stellte Lohmann klar und lief beim Bürgermeister offene Türen ein. „Sind die Kinder älter als acht oder neun bietet das Bad nicht mehr genug. Eine Rutsche würde helfen“, befand Seidel, erklärte aber gleich die Problematik der Umsetzung.

Im weiteren Rahmen drehten sich die Diskussionen um die Verkehrsentlastung, Car-Sharing, Elektromobilität und noch vieles mehr. Alles Dinge, wozu die Organisatoren gerne mehr Meinungen aus der Jugend Everswinkel hören würden. Um zukünftig noch weitere Meinungen der Jugendlichen einzuholen, ist eine Kooperation mit den Schulen geplant. Zudem können Anregungen für das Konzept aber auch für Veranstaltungsformen, bei denen sich die Jugendlichen einbringen können, per Mail an schumacher@everswinkel.de und dietrich@energielenker.de geschickt werden.

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