Alverskirchen macht beim Dorf-Wettbewerb 2020 nicht mit: Gespräch mit BTA-Sprecher Peter Kretschmer
„Aussetzen ist ja kein Stillstand“

Alverskirchen -

Der Rhythmus ist immer der gleiche. Vorgegeben durch den nachfolgenden Landes- und den darauffolgenden Bundeswettbewerb. Alle drei Jahre heißt es „Unser Dorf hat Zukunft“ im Kreis Warendorf. Ein Wettbewerb, bei dem die Verbesserung der Zukunftsperspektiven in den Dörfern, die Steigerung der Lebensqualität im ländlichen Raum und die Stärkung der regionalen Identität im Mittelpunkt stehen sollen. „Mitmachen lohnt sich immer“, betonte Landrat Dr. Olaf Gericke kürzlich bei einer Info-Veranstaltung zur 27. Auflage des Dorf-Wettbewerbs. Die steht jetzt 2020 an. Alverskirchen ist nicht dabei.

Samstag, 04.01.2020, 08:15 Uhr aktualisiert: 04.01.2020, 08:20 Uhr
„Mit Leidenschaft dabei“ war Alverskirchen beim Dorf-Wettbewerb 2017, und das BTA machte die Präsentation am Jury-Tag zum Puzzle-Spiel. In diesem Jahr startet der 27. Wettbewerb auf Kreisebene – ohne Alverskirchen.
„Mit Leidenschaft dabei“ war Alverskirchen beim Dorf-Wettbewerb 2017, und das BTA machte die Präsentation am Jury-Tag zum Puzzle-Spiel. In diesem Jahr startet der 27. Wettbewerb auf Kreisebene – ohne Alverskirchen. Foto: Klaus Meyer

Was 1961 einmal als „Unser Dorf soll schöner werden“ ins Leben gerufen wurde, hat sich stark gewandelt. „In den ersten Jahren ging es um die Zielsetzung, die Lebensbedingungen in den Dörfern an städtische Maßstäbe anzugleichen. Heute ist der Wettbewerb ein wichtiges Instrument der ländlichen Entwicklung“, heißt es seitens des NRW-Umweltministeriums. Ein Wettbewerb, „der zu den bedeutendsten und beliebtesten Bürgerinitiativen“ in NRW zähle. Alverskirchen war seit 2005 mit dabei. Gleich im zweiten Anlauf 2008 wurde man Golddorf auf Kreisebene und qualifizierte sich für den Landeswettbewerb 2009. Treibender Motor war von Anfang an das 2002 gegründete Bürger-Team Alverskirchen (BTA). Viel wurde seitdem bewegt und erreicht. Über die Gründe, diesmal nicht teilzunehmen und über die Bedeutung des Wettbewerbs für Alverskirchen bisher sprach WN-Redakteur Klaus Meyer mit dem BTA-Vorsitzenden Peter Kretschmer .

Herr Kretschmer, 2005, 2008, 2011, 2014, 2017 – jetzt reißt die Serie. Beim Dorf-Wettbewerb auf Kreisebene im nächsten Jahr ist Alverskirchen nicht dabei. Wann fiel dazu die Entscheidung, wer hat sie getroffen?

Kretschmer: Von einem ,Reißen der Serie‘ möchte ich nicht sprechen, sondern viel mehr von einer ,kreativen Pause‘ . Bereits 2016, im Vorfeld des letzten Wettbewerbs, gab es Stimmen im Dorf, die sich schon damals gegen eine Teilnahme ausgesprochen haben. Da wir wussten, dass 2020 der nächste Wettbewerb ansteht, haben wir uns eigentlich laufend mit dem Thema beschäftigt. Am Ende war es dann eine Mehrheitsentscheidung auf Vorstandsebene, die wir uns aber definitiv nicht leicht gemacht haben. Zwischenzeitlich haben wir auch eine Reihe von Rückmeldungen bekommen, die uns bestätigt haben, dass unsere Entscheidung zum jetzigen Zeitpunkt die richtige war.    

Was sind denn die Gründe fürs BTA, beim nächsten Wettbewerb auszusetzen?

Kretschmer: Wir sind grundsätzlich der Auffassung, dass Wettbewerbsteilnahmen nur Sinn ergeben, wenn es eine realistische Chance gibt, auch zu gewinnen. Diese Chance sehen wir derzeit allerdings kaum. Die Gründe hierfür sind jedoch vielfältig und würden den Rahmen dieses Gesprächs sprengen. Ein wichtiger Punkt war aber, dass sich die Anforderungen an das Ehrenamt bzw. die Bereitschaft, sich bürgerschaftlich zu engagieren, gerade in den vergangenen Jahren deutlich verändert haben.     

Ist schon eine gewisse Wettbewerbs-Müdigkeit in der Bevölkerung zu spüren?

Kretschmer: Auch hier möchte ich nicht von Wettbewerbs-Müdigkeit reden, sondern auf die Frage zuvor verweisen. Klar wäre es schön gewesen, mal wieder einen Sieg einzufahren. Letztlich war der Wettbewerb aber nie das Mittel zum Zweck, sondern eher die Möglichkeit, strategische Überlegungen und Projekte der Dorf-Gemeinschaft von außen bewertet zu bekommen. Inwieweit die Kommission unserer Erwartung allerdings nachgekommen ist, steht auf einem anderen Blatt. Im Übrigen bedeutet ein Aussetzen ja keinen Stillstand oder Rückschritt. Wenn ich mir die Vielzahl an laufenden und künftigen Projekten und Ideen der vielen Vereine und Gruppen anschaue, ist eigentlich genau das Gegenteil der Fall. BTA-Chef Peter Kretschmer (l.), gut beschirmt von Franz-Josef Kröger, beim Jury-Besuch des Dorf-Wettbewerbs 2017. Foto: Klaus Meyer

Was muss sich denn Ihrer Ansicht nach ändern, dass eine Teilnahme für Sie, fürs BTA und für Alverskirchen wieder reizvoll ist?

Kretschmer: Der Wettbewerb muss sich ebenso weiterentwickeln wie alles andere auch. Letztlich werden die Richtlinien des Wettbewerbs aber nicht im Kreis Warendorf gemacht, sondern in Berlin. Ein ,Weiter-so‘ wäre aus meiner Sicht der völlig falsche Weg. Wenn sich die Initiatoren nur die sich veränderten Teilnehmerzahlen anschauen würden, gäbe es Grund genug, das eine oder andere vielleicht zu hinterfragen. Für einen Gedankenaustausch, wie sich der Wettbewerb, insbesondere auf Kreisebene, weiterentwickeln könnte, stehen wir immer gerne zur Verfügung. Ich bin mir aber sicher, dass es auch in anderen Orten Menschen gibt, die sich in dieser Richtung ebenfalls gerne einbringen würden. Letztlich ist der Wettbewerb ja nicht schlecht, sondern vielleicht nur etwas in die Jahre gekommen. An dieser Stelle zitiere ich gerne einen Unternehmer aus Everswinkel, der mir mal sagte, ,Gehe mit der Zeit, sonst gehst Du mit der Zeit‘.    

Fünf Mal hat das Dorf bislang teilgenommen und viel Man-Power in die Vorbereitung und Durchführung gesteckt. Was bleibt von den Wettbewerbs-Jahren für Sie positiv in Erinnerung? 

Kretschmer: Mir bleibt vieles positiv in Erinnerung. Einer der schönsten Momente – mit Blick auf den Wettbewerb – war natürlich die Tatsache, dass wir 2008 den Kreis-Wettbewerb  gewinnen konnten. Ich denke, dass noch sich noch heute viele diesbezüglich an das Jahr 2008 erinnern werden. Es ist aber nicht die Art des BTA, zurückzublicken und der Vergangenheit nachzuhängen. Vielmehr  richtet sich unser Blick immer in die Zukunft, denn nur die Zukunft können wir gestalten. Vor Alverskirchen liegen viele Aufgaben, mit denen sich das Dorf beschäftigen muss und auch schon beschäftigt. Die Rolle des Ehrenamtes ist hierbei eine ganz essenzielle – das ist mir zuletzt, anlässlich der Preisverleihung zum Engagementspreis 2019 in Düsseldorf, noch mal sehr deutlich geworden.

Die nächste Runde ist dann erst wieder 2023. Wie überbrückt das BTA diese Zeit, gibt es besondere Projekte, die man in den nächsten Jahren verfolgen möchte?

Kretschmer: Sie dürfen mir glauben, dass es im BTA nie langweilig wird. Natürlich gibt es neue Projekt-Ideen, die wir bereits mit verschiedenen Projektpartnern in den kommenden Jahren verfolgen und umsetzen wollen. Das machen wir aber nicht für den Wettbewerb, sondern ausschließlich für die Bürgerinnen und Bürger von Alverskirchen. Wenn wir 2022 wieder zur Info-Veranstaltung eingeladen werden, nehmen wir selbstverständlich auch daran teil. Ob die Rahmenbedingungen dann aber so sind, wieder mitzumachen, vermag ich in dieser schnelllebigen Zeit heute noch nicht zu sagen.    

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