Letzter Gottesdienst in St. Magnus vor der Renovierungsphase
„Ewiges Licht“ und Emotionen

Everswinkel -

Die Everswinkeler hängen offensichtlich an ihrer St. Magnus-Kirche. Dies zeigte sich deutlich beim letzten feierlichen Gottesdienst am Dreikönigstag, als die Kirche fast komplett gefüllt war. Die Heilige Messe wurde vom Chor Harmonie und einer Abordnung des Blasorchesters Everswinkel mitgestaltet und erhielt so einen würdigen Rahmen.

Donnerstag, 09.01.2020, 07:44 Uhr aktualisiert: 09.01.2020, 07:50 Uhr
Besonderer Moment am Ende des Gottesdienstes mit Pfarrer Dr. Stefan Peitzmann: Bernd Henrichs nimmt das „Ewige Licht“ ab, das dann mit dem Kelch gemeinsam zur Friedhofskapelle getragen wurde,
Besonderer Moment am Ende des Gottesdienstes mit Pfarrer Dr. Stefan Peitzmann: Bernd Henrichs nimmt das „Ewige Licht“ ab, das dann mit dem Kelch gemeinsam zur Friedhofskapelle getragen wurde, Foto: Kath. Kirchengemeinde/Kemker

In einer launigen und gleichzeitig packenden Predigt ermunterte der scheidende Pfarr-Administrator, Pfarrer Dr. Stefan Peitzmann, die Gemeinde, Änderungen der Gestaltung der Kirche gelassen zu sehen. Humoristisch machte er am Beispiel der in vergangenen Jahrzehnten veränderten Verpackungen der Milch von der Keramikkanne über den Milchschlauch bis zum Tetrapack anschaulich klar, dass es sowohl bei Milch als auch bei der Kirche in erster Linie auf den Inhalt und nicht auf die Verpackung ankomme. Peitzmann ermunterte die Gemeinde – neben der sicher notwendigen Renovierung des Kirchengebäudes – auch im Gemeindeleben einmal andere Wege zu gehen, sich nicht bequem einzurichten, sondern verstärkt die Fernstehenden oder in Not Geratenen durch Wort und Tat in den Blick zu nehmen.

Etwas Wehmut kam bei vielen Gottesdienstbesuchern auf, als am Schluss der Eucharistiefeier „das Herz der Kirche“, wie Pfarrer Peitzmann es bezeichnete, – nämlich das „Ewige Licht“ – und der Kelch mit den beim Abendmahl geweihten Hostien als Zeichen der besonderen Gegenwart Christi aus der Kirche getragen wurden. In Begleitung von Pfarrer Thomas und den Kerzen tragenden Messdienern ging es auf den Weg zur Friedhofskapelle, wo nunmehr die Werktags-Gottesdienste gefeiert werden. Der evangelischen Kirchengemeinde gilt ein besonderer Dank, dass die sonntäglichen Messfeiern ab jetzt in der Johannes-Kirche gefeiert werden können, heißt es in der Presseinformation der Katholischen Kirchengemeinde.

Im Anschluss an den Gottesdienst lud der Pfarreirat zu einem kleinen Imbiss ein. Heinz Kemker als Vertreter des Kirchenvorstandes und Werner Schniedermann vom Projektausschuss zur Kirchenrenovierung informierten dabei über den Stand der Planungen. Bis auf einzelne Details sind diese nunmehr abgeschlossen. „Schwerpunkt der Maßnahmen sind der Schutz und Erhalt des Gebäudes und der Kunstschätze.“ Dies gelte besonders für die Deckenmalerei und das Sakramentshaus, die noch aus der Zeit der Erbauung der Kirche zu Beginn des 16. Jahrhunderts stammen. Die besonders bedeutsame und anrührende Darstellung der Pietà, der Schmerzensmutter, stammt sogar aus der mittelalterlichen Vorgängerkirche, von der heute nur noch der tausendjährige Turm steht.

Der Kirchen-Innenraum am Tag danach. Jetzt folgt das weitgehende Leerräumen. Am 15. Januar findet dann um 19.30 Uhr in der ausgeräumten Kirche ein „Offenes Singen“ von Weihnachtsliedern unter der Leitung von Thomas Kraß statt.

Der Kirchen-Innenraum am Tag danach. Jetzt folgt das weitgehende Leerräumen. Am 15. Januar findet dann um 19.30 Uhr in der ausgeräumten Kirche ein „Offenes Singen“ von Weihnachtsliedern unter der Leitung von Thomas Kraß statt. Foto: Klaus Meyer

Wegen dieser überregional bedeutsamen Kunst- und Andachtsgegenstände hatten die heimischen Bundestagsabgeordneten Reinhold Sendker und Bernhard Daldrup die Bundesregierung in Berlin überzeugen können,194 000 Euro als Zuschuss zur Kirchenrenovierung beizusteuern (die WN berichteten). „Bei den anstehenden Baumaßnahmen wird der Kirchenraum insgesamt nur behutsam verändert und ruhiger gestaltet, die Barrierefreiheit und die Technik werden optimiert“, so der Kirchenvorstand.

Sofern die Baumaßnahmen nicht noch archäologische Überraschungen bergen, werden die Arbeiten etwa ein Jahr in Anspruch nehmen. Das genehmigte Finanzierungsvolumen beläuft sich auf insgesamt 1,1 Millionen Euro. Von den erforderlichen 100 000 Euro Spenden aus der Gemeinde sind bereits 56 000 Euro eingegangen.

Zu einer ersten Veranstaltung auf der Baustelle lud Kantor Thomas Krass schon jetzt ein. Bei einem Weihnachtslieder-Singen am 15. Januar um 19.30 Uhr können alle Interessierten die Akustik und das Raumgefühl in der dann teilweise bereits leer geräumten Kirche erleben. Die große Orgel als Königin der Instrumente wird dann schon staubgeschützt eingepackt sein, um für ein Jahr zu schweigen. Wie die Kirche wird die Fleiter-Orgel ebenfalls restauriert, damit sie in den nächsten Jahrzehnten mit ihrem Klang die Kirchenbesucher erfreuen kann.

► Weitere Spenden zur Renovierung sind willkommen (DKM Münster, IBAN: DE 90 4006 0265 0003 9520 00, BIC: GENODEM1DKM, Stichwort: Spende Renovierung St. Magnus).

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