Unterrichtsfreier Sturm-Tag in der Gemeinde
Ein Schultag nur für die Lehrer

Everswinkel/Alverskirchen -

Sabine war schon durchgereist, als am Montagmorgen die neue Arbeits- und die neue Schulwoche begannen. Noch einige Windböen und zeitweilig prasselnder Regen waren die letzten Grüße dieser stürmischen „Dame“ auf ihrem Zug gen Süden. Auf den Schulhöfen kündeten Wasserlachen und abgebrochene Zweige von der bewegten Nacht. Schüler gab‘s dagegen nicht zu sehen an diesem Montag.

Dienstag, 11.02.2020, 08:15 Uhr aktualisiert: 11.02.2020, 11:06 Uhr
Wasserlachen auf dem Schulhof vor der Grundschule, nachdem Orkan-Tief „Sabine“ übers Land gerauscht ist. Die Schüler konnten am Montag zu Hause bleiben.
Wasserlachen auf dem Schulhof vor der Grundschule, nachdem Orkan-Tief „Sabine“ übers Land gerauscht ist. Die Schüler konnten am Montag zu Hause bleiben. Foto: Klaus Meyer

Der Unterricht war im wahrsten Sinne des Wortes „abgeblasen“ worden, nachdem das Schulministerium am Freitagmittag vor dem Sturmtief gewarnt und es den Schulen freigestellt hatte, den Unterricht abzusagen. Am Samstagmorgen schloss sich die Gemeindeverwaltung mit den Schulleitungen kurz und traf die einheitliche Entscheidung.

Ich finde es richtig, dass das in der Gemeinde einheitlich geregelt ist

Roswitha Niehoff, Grundschule Alverskirchen

Erste Station am Montag: die Grundschule Alverskirchen. Von außen wirkt alles dunkel, die hochgestellten Stühle in einem Klassenraum sind zu sehen. Im Gebäude ist dennoch was los. Sechs Lehrkräfte sind da und eine Schülerin aus Wolbeck. Für sie wäre zu Hause keine Betreuung gewährleistet gewesen, die Mutter hatte angefragt, ob sie die Tochter dennoch bringen könne. Kein Problem. Das Kollegium hat ohnehin Dienst. Oder besser: Dienstpflicht. „Wir nutzen den Tag für Konferenz und Besprechung“, erzählt Roswitha Niehoff, kommissarische Leiterin der Schule. Die Info-Kette zu den Eltern hat am Samstag reibungslos geklappt. Von der Schule zu den Klassenpflegschaftsvorsitzenden, dann per WhatsApp-Gruppen und Telefon zu den Eltern. „Heute Morgen hat es noch mal richtig gestürmt, die Entscheidung war richtig“, sagt Niehoff, die die einheitliche Regelung in der Gemeinde begrüßt. Eine Regelung, der sich übrigens auch die Waldorfschule anschloss.

Nächster Stopp an der Grundschule Everswinkel. Lehrerzimmer, Sekretariat, Besprechungsraum – überall sind Lehrkräfte in Gesprächen und Besprechungen vertieft. „Am Samstagvormittag haben wir das mit dem Schulträger besprochen“, berichtet Konrektor Christoph Seliger, und auch hier hat die Info-Kette von Schulleitung über Schul- und Klassenpflegschaft zu den Eltern und via Homepage der Schule bestens gegriffen. Dennoch: Elf Schüler sind trotzdem da, weil die Eltern keine andere Betreuungsmöglichkeit haben. Im Zweifel dürfen die Schüler – wenn sie für das Angebot angemeldet sind – sogar bis zum Ende der Offenen Ganztagsschule um 16 Uhr bleiben. Die Kinder wurden Lehrern zugeteilt, die für unterschiedliche Angebote an diesem Morgen sorgen.

Diesmal gab‘s vom Ministerium eine klarere, frühzeitigere Ansage als vor zwei Jahren

Hubertus Kneilmann, Verbundschule

Das ist ein paar Meter weiter an der Verbundschule nicht erforderlich. Kein einziger Schüler ist aufgetaucht, die Lehrkräfte bleiben völlig unter sich. „Das Info-System hat funktioniert“, ist Schulleiter Hubertus Kneilmann zufrieden. Nach dem Gespräch mit Bürgermeister Sebastian Seidel sowie Haupt- und Schulamtsleiterin Iris Peveling am Samstagmorgen folgte sogleich die Info auf der Schul-Homepage, über die Klassenleitungen, WhatsApp-Gruppen etc.

„Wir hätten eine Not-Betreuung machen können“, so Kneilmann, der positiv hervorhebt, dass das Schulministerium „diesmal eine klarere, frühzeitigere Ansage gemacht hat als vor zwei Jahren“. Damals mussten rund 500 Schüler vor 10 Uhr wieder nach Hause geschickt werden, und die Busse fuhren nicht. Letztendlich gelang der Kraftakt mit Hilfe der Eltern. Diesmal ist alles anders. Und auch wenn der Sturm „im Endeffekt relativ harmlos“ gewesen sei, war es kein verlorener Tag fürs Kollegium. „Wir haben den Tag genutzt für Arbeitsgruppen, Aufräumen, Teambesprechung und Lehrplangestaltung“, nickt Kneilmann.

Nachgefragt beim Bürgermeister

Zur generellen Absage des Schulunterrichts in der Gemeinde wegen Orkan „Sabine“ am Montag sprach WN-Redakteur Klaus Meyer mit Bürgermeister Sebastian Seidel.

Wann wurde die Entscheidung über die Unterrichtsabsage getroffen?

Seidel: Von Freitagmittag stammt die Mail aus dem Ministerium, in der den Schulleitungen die Entscheidung über den Unterrichtsausfall für den Montag freigestellt wurde. Die Entscheidung haben dann Gemeinde und Schulleitungen Samstagmorgen gemeinsam getroffen. Die Schulleitung der Waldorfschule haben wir über die Entscheidung für die gemeindlichen Schulen in Kenntnis gesetzt. Parallel hat Schulamtsleiterin Iris Peveling die Bus-Unternehmen informiert. Flankierend ist die Information über die Medien, die Everswinkel-App und die Gemeinde- und Schul-Websites verbreitet worden. Künftig wird es so sein, dass alle Schüler unserer Schulen einen IServ-Zugang haben. Das ist ein Portal, über das wir kommunizieren können – auch den klassischen Elternbrief oder Stundenplanänderungen in nicht so stürmischen Zeiten. Wir werden das als wichtigen Teil des 2018 einstimmig beschlossenen und vorab mit den Schulleitungen abgestimmten Medienentwicklungsplans Teil A zunächst in der Verbundschule implementieren. Bei unseren Grundschulen stehen wir noch in Abstimmungsgesprächen. Weiterer Mehrwert dieser Lösung wird sein, dass die Schüler bzw. deren Eltern ein kostenloses Office-Paket zur privaten Nutzung bekommen, so dass wir sicher sein können, derartige Informationen auch schnell zu verbreiten.

Wenn die Schulbusse nicht fahren, aber die Betreuung von Kindern gewährleistet ist - über welche Kinder reden wir dann?

Seidel: Nicht alle Eltern haben eine Betreuungsmöglichkeit für ihre schulpflichtigen Kinder. Berufstätige müssen ja arbeiten, und wenn Verwandte oder Bekannte die Kinder nicht betreuen können, dann hätten die Eltern ein Problem. Deshalb, und weil die Lehrer nicht dienstbefreit sind, stellen wir eine Betreuung der Schüler sicher. Für den Weg zum Schulgebäude sind aber die Eltern verantwortlich. Ich gehe davon aus, dass die Eltern so vernünftig sind und ihre Kinder nicht zu Fuß oder mit dem Fahrrad zum Schulgebäude schicken.

Was war ausschlaggebend für die generelle Absage? Man hätte die Entscheidung ja auch wie andernorts den Eltern überlassen können.

Seidel: Vorab: Unsere Schulgebäude sind sicher. Daher ist auch eine Betreuung der Schüler gewährleistet, die Lehrer haben ganz normal Dienst. Wir wollen in einer solchen Situation aber klare Regelungen schaffen, nach denen sich alle richten können. Es kann dann nicht Aufgabe der Eltern sein, zwischen Schulpflicht und Sicherheit ihrer Kinder auf dem Schulweg abwägen zu müssen. Im Übrigen hat am frühen Sonntagnachmittag der Kreis Warendorf allen vier anderen Kommunen, die nicht so verfahren hatten wie wir, empfohlen, den Unterricht ausfallen zu lassen. Die Bezirksregierung Münster hat am Sonntagnachmittag eine Empfehlung herausgegeben, dass die Eltern ihre Kinder am Montag nicht zur Schule schicken sollen.

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