1. Tag der Schulschließungen – ein Rundgang
Eine außergewöhnliche Zeit

Everswinkel/Alverskirchen -

Am Montag hat die landesweit angeordnete Phase der Schulschließung begonnen. An dem Tag und am folgenden Dienstag war noch eine Betreuung an den Schulen möglich. Nur ein paar Schüler nahmen dieses Angebot an den beiden Grundschulen, der Verbundschule und der Waldorfschule in Anspruch. Für die Lehrkräfte galt es, die kommenden Wochen vorzubereiten und die Schüler mit Lernstoff zu versorgen.

Dienstag, 17.03.2020, 08:21 Uhr aktualisiert: 17.03.2020, 17:30 Uhr
Everswinkels Grundschulleiter Martin Linnemannstöns (r.) und sein Stellvertreter Christoph Seliger in einer leeren Klasse am Montagmorgen.
Everswinkels Grundschulleiter Martin Linnemannstöns (r.) und sein Stellvertreter Christoph Seliger in einer leeren Klasse am Montagmorgen. Foto: Klaus Meyer

So leer und ruhig war es zuletzt am 10. Februar. Da hatte sich Sturmtief „Sabine“ angekündigt, und die Schüler blieben an jenem Tag zu Hause. Der Orkan, der jetzt übers Land zieht, ist von ganz anderer Dimension. „Corona“ ist sein Name. Beispiellos. „Schockierend“, wie es Roswitha Niehoff formuliert. Die kommissarische Leiterin der St. Agatha-Grundschule hat – wie wohl jeder – so einen Ausnahmezustand noch nicht erlebt. Es ist Montag, der erste Tag der landesweiten Schulschließungsphase.

Das ganze Kollegium ist versammelt, dazu drei Schüler, die noch den ersten von zwei Betreuungstagen nutzen. Danach ist nur noch Notbetreuung möglich – für Kinder, deren Eltern beide in kritischen Infrastrukturen tätig sind, die eine besondere Bedeutung fürs staatliche Gemeinwohl haben. Dazu zählen Feuerwehr , Gesundheitswesen, Energie- und Wasserversorgung, Polizei, Telekommunikation, Entsorgung, Transport und Verkehr, Finanz- und Wirtschaftswesen, Medien und weitere wichtige Bereiche. „Wir haben weiterhin Dienstpflicht“, sagt Niehoff. Die Schüler und deren Eltern per Mail mit Unterrichtsmaterialien versorgen, Dienstbesprechungen, Vorbereitungsarbeiten und mehr. Teilweise kann zu Hause gearbeitet werden, aber die Erreichbarkeit der Lehrkräfte muss gewährleistet sein. „Wir haben den Kindern vorausschauend schon am Freitag Materialien mitgegeben“, die Kommunikation mit den Eltern sei „sehr verständnisvoll“ gewesen.

Ich finde, dass man es förmlich spüren kann.

Martin Linnemannstöns zur Ausbreitung des Corona-Virus

In Everswinkel sind am Montag noch sechs der 258 Grundschüler zur Schule gekommen. Das Kollegium hat früh am Morgen in einer Dienstbesprechung die Weichen für die nächste Zeit gestellt. „In weiser Voraussicht haben wir den Kindern schon am Freitag Arbeitspakete mit nach Hause gegeben“, berichtet Schulleiter Martin Linnemannstöns . Von den rund 20 Lehrkräften werden pro Tag etwa vier vor Ort sein. Diejenigen, die zu Hause sind, bereiten beispielsweise Unterrichtseinheiten vor. „Wir haben ein sehr junges Kollegium, viele mit kleinen Kindern“, verweist der Schulleiter auf die Betreuungsproblematik in den eigenen Reihen. Die Ausnahmesituation mache ihm Sorgen, da es auch keinerlei Erfahrungswerte gebe. „Wir können nur von Tag zu Tag schauen. Es werden noch Dinge passieren, an die wir heute noch gar nicht denken“, befürchtet er.

Mit zehn bis zwölf Lehrkräften inklusive Arbeitsgruppen plus Schulleitung wird die Verbundschule in der Schließungsphase im Schichtbetrieb von 8 bis 11 und von 11 bis 14 Uhr besetzt sein. Vier Schüler mussten am Montag noch betreut werden, andere Schüler kamen lediglich, um noch ihre Lernmaterialien aus den Klassen zu holen. Der Tag stand auch im Zeichen der Schülerversorgung. „Wir stellen Lernangebote zusammen, die gehen bis Mittwoch per Mail an die Elternhäuser raus“, macht Schulleiter Hubertus Kneilmann deutlich. Alternativ sonst auch klassisch per Brief. So, dass jeder Schüler mit einem Lernangebot in den Hauptfächern versorgt ist, das an den Unterricht anknüpft. Der 10. Jahrgang, der ja vor dem Abschluss steht, arbeite mit speziellen Materialien eben genau dafür. „Daran sollten die Schüler auch weiter arbeiten“, empfiehlt Kneilmann „selbstgesteuertes und selbstverantwortliches Lernen“. Im Zuge der Corona-Krise mussten einige Planungen gecancelt werden; so etwa der Boys und Girls Day oder auch Praktika in Betrieben. Der Schüler- und Eltern-Beratungstag, der am Mittwoch stattfinden sollte, läuft nun telefonisch.

An der Waldorfschule ging am Freitag erst später das Licht aus, um noch die Eltern informieren zu können. Den Schülern werde nun über verschiedene Kanäle Lernmaterial zugeleitet, der 10. Jahrgang habe dabei Priorität, heißt es aus dem Schul-Büro. Der Montag, an dem noch aus jedem Jahrgang ein paar Schüler gekommen waren, diente als Besprechungstag der Lehrerschaft, wie es weitergeht. Auch für Mensa-Chefkoch Judi Hussen eine entscheidende Frage, vor allem mit Blick auf Schüler der Notfallbetreuung. Rund 200 Essen gehen normalerweise täglich über den Ausgabetisch, Montag waren es nur noch 15. „Bei zwei Personen macht es keinen Sinn, hier zu sein“, bei zehn Personen könne man mit Teilbesetzung arbeiten. Er sei mit seinem Team auch bereit, Essen vorzukochen und einzufrieren für den späteren Bedarf. „Wir sind flexibel.“

Corona erfordert Flexibilität. Das Virus war zuvor schon im Unterricht ein Thema. Die Klassenlehrer haben in den Grundschulen mit den Schülern über Hygiene, Abstand halten und mehr gesprochen – alles „kindgerecht besprochen. Wir wollten keine Ängste schüren, sondern zeigen, was jeder Einzelne für sich tun kann“, so Linnemannstöns. „Wir haben versucht, den Kindern die Panik zu nehmen, die bei Grundschülern leicht aufkommt“, bestätigt auch Niehoff. An der Verbundschule war Corona Thema im Wahlpflichtfach Biologie des Realschulzweiges. Und: „Ich habe animiert, im Unterricht darüber zu sprechen“, blickt Kneilmann zurück. „Es gibt schon eine Betroffenheit bei den Schülern und auch viele Ängste.“ Roswitha Niehoff – und nicht nur sie – hat die Dynamik dieser Virus-Geschichte, die sich stündlich ändernden Nachrichten nicht für vorstellbar gehalten. „Die Entwicklung ist unfassbar.“

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