Lesung mit Norbert Nientiedt
„Lilli hab‘ ich geliebt“

Everswinkel -

Das Büchereiteam hatte in Zusammenarbeit mit dem Erwachsenenbildungswerk Everswinkel-Alverskirchen zu einer weiteren Lesung mit Norbert Nientiedt eingeladen, die zum Schmunzeln und zum Nachdenken anregte.

Freitag, 20.03.2020, 05:33 Uhr aktualisiert: 20.03.2020, 12:26 Uhr
Das Büchereiteam hatte in Zusammenarbeit mit dem Erwachsenenbildungswerk Everswinkel-Alverskirchen zu einer weiteren Lesung mit Norbert Nientiedt (oben) eingeladen.Für den musikalischen Rahmen sorgte Bernhard Lammerding.
Das Büchereiteam hatte in Zusammenarbeit mit dem Erwachsenenbildungswerk Everswinkel-Alverskirchen zu einer weiteren Lesung mit Norbert Nientiedt (oben) eingeladen.Für den musikalischen Rahmen sorgte Bernhard Lammerding. Foto: Susanne Müller

Nur eine Handvoll Interessierte hatte sich in der Katholischen öffentlichen Bücherei zusammengefunden – das Corona-Virus hatte ganz offensichtlich eine größere Zuhörerschar verhindert. Davon ging Frank Winkler in seiner kurzen Begrüßung jedenfalls aus. Norbert Nientiedt las Texte aus dem letzten Teil seiner Trilogie, deren Titel seinen Worten nach „die drei Säulen jeglicher Therapie“ seien: „Komm, steh‘ auf!“ hieß Band 1, der nächste „Tu doch was!“, und der letzte dieser kleine Reihe „Bleibe standhaft!“ Wie in den bisherigen Bänden schildert Norbert Nientiedt eigene Alltagserlebnisse, die laut Untertitel „Mut für ein selbstbestimmtes Leben“ vermitteln sollen.

In der ersten vorgetragenen Miniatur geht es um den alten Konflikt zwischen Wissenschaft und Glauben, als der Ich-Erzähler auf einer Bank mit Blick auf die Nordsee einen Mann trifft, der sagt: „Ich glaube nur an das, was ich beweisen kann.“ Eine derartige Aussage kann der Theologe, ehemals Lehrer und Schulseelsorger an der Hildegardis-Schule in Münster, natürlich nicht unwidersprochen stehenlassen, und so entspinnt sich ein „Wissenschaftlicher Streit am Meer“.

Am Hauptbahnhof Münster trifft der Autor eines Tages auf Elisabeth aus Wuppertal, 82. Elisabeth, ausgestattet mit einem kleinen blauen Koffer und einer einzelnen roten Rose, will nach Travemünde reisen, zu ihrem Geliebten. Sie reise an jedem Jahrestag dorthin - an sein Grab, weil dort an der Ostsee der Beginn ihrer Liebe gewesen sei, die niemals aufhören werde.

Der nächste Schauplatz ist ein Lokal im Kreuzviertel. Auch hier dreht sich alles um Liebe und um Standhaftigkeit. Siggi, 84, ein langjähriger Freund des Autors, seit drei Jahren verwitwet, gesteht ihm, durchaus einige außereheliche Beziehungen in seinem Leben gehabt zu haben. Der leicht wehmütige Rückblick auf seine Ehe endet mit dem Satz, der schließlich zum Titel des Textes wird: „Aber die Lilli, die hab‘ ich geliebt.“

Am Ende der rund einstündigen Lesung bedankte sich Hans Kösters bei Norbert Nientiedt für „Geschichten, die zum Schmunzeln und zum Nachdenken angeregt haben“.

Wie bereits an den beiden ersten Abenden hatte der Theologe und Schriftsteller für die musikalische Untermalung zur Freude der Anwesenden erneut Bernard Lammerding an seiner Seite. Der großartige Münsteraner Gitarrist und Betreiber einer Gitarrenschule trug Stücke von Bach und Smetana über irische Traditionals bis hin zu Liedern von John Lennon und Rod Stewart vor und bereicherte die Lesung mit seinem meisterhaften Spiel.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7334928?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F106%2F128%2F
Nachrichten-Ticker