Ein Jahr ohne Schützenfest
Es wird die längste Regentenzeit

Everswinkel/Alverskirchen -

Es ist kein Jahr für Feste. Die Corona-Pandemie hat das öffentliche Leben völlig verändert. Das Frühlingsfest mit Radelspaß der IGSE – ausgefallen. Die „Frühjahrs Wies‘n“ des Bürgerschützen- und Heimatvereins – ausgefallen. Und die Reihe wird sich fortsetzen. Das Vitus-Fest? Illusorisch. Die Schützenfeste in beiden Ortsteilen? Unmöglich. Ein Gespräch dazu mit den beiden Vereinsvorsitzenden aus Everswinkel und Alverskirchen.

Samstag, 02.05.2020, 08:00 Uhr aktualisiert: 04.05.2020, 15:08 Uhr
An der jüngsten Vereins-Challenge auf Facebook nahm auch der BSHV Everswinkel teil, um seinen Vereinsmitgliedern und den Bürgern ein Mut machendes Signal zu senden.
An der jüngsten Vereins-Challenge auf Facebook nahm auch der BSHV Everswinkel teil, um seinen Vereinsmitgliedern und den Bürgern ein Mut machendes Signal zu senden. Foto: BSHV

Schützenfeste sind mit einer jahrzehntelangen Tradition verbunden, gehören zu den festen Terminen im Jahreskalender vieler Vitus-Bürger. Dass das gesellige Treiben am Hof Schulze Kelling sowie im Breiten Busch in diesem Jahr kein Thema (mehr) ist, das ist so nachvollziehbar wie schmerzhaft. WN-Redakteur Klaus Meyer sprach darüber mit den beiden Vereinsvorsitzenden Berthold Buntenkötter (Bürgerschützen- und Heimatverein St. Hubertus Everswinkel) und Mark Hansel (Schützenverein Alverskirchen von 1840 e.V.).

 

Großveranstaltungen sind bis einschließlich August durch die Bundesregierung und die Ministerpräsidenten untersagt. Das trifft somit auch auf das Schützenfest zu . . .

 

Buntenkötter: Ja, selbstverständlich wird in diesem Jahr in Everswinkel kein traditionelles Schützenfest gefeiert. Wir gehen auch davon aus, dass unsere Schützenschwestern und -brüder diese Entscheidung uneingeschränkt teilen werden. Denn wir müssen uns vor Augen halten, dass auch in Zukunft Menschenleben in Gefahr sein werden. Ein Verein wie der Bürgerschützen- und Heimatverein in Everswinkel steht für Miteinander, Einheit und Solidarität. Somit ist auch jeder Schritt, der unsere gefährdeten Mitmenschen schützt, uneingeschränkt zu unterstützen.

 

Hansel: So leid es mir tut, aber ja. Das gilt auch für unser Schützenfest.

 

Kann es denn in diesem Jahr noch einen Schützenkönig für den Verein geben? Wäre etwa ein Herbst-Schützenfest denkbar?

 

Buntenkötter: Wir haben mit Dirk Folker in diesem Jahr einen Schützenkönig und wir gehen zum gegenwärtigen Zeitpunkt davon aus, dass er als Schützenkönig mit längster Regierungszeit in die Annalen der Vereinsgeschichte eingehen wird. Inwieweit wir jedoch unser Hubertusfest im November, als Entschädigung für das ausgefallene Schützenfest, außerordentlich gestalten werden, muss noch abgestimmt werden. Aber auch hier zählt die Sicherheit unserer Mitmenschen. Ein Fest mit gesundheitlichem Risiko, kann kein ausgelassenes Fest werden. Vor diesem Hintergrund gilt es zunächst abzuwarten.

 

Hansel: Ich denke, wir haben mit König Marco und Königin Silvia ein super Königspaar. Die beiden werden uns sicherlich auch sehr würdig in das nächste Schützenjahr führen. Darüber hinaus wurde im vergangenen Jahr das Winterschützenfest aufgrund eines Todesfalls abgesagt. Ein Nachholtermin im April fiel der Corona-Pandemie zum Opfer. Daher finde ich es richtig und auch wichtig, wenn König Marco seine Regentschaft auch mit allen Veranstaltungen genießen und abschließen kann.

 

Ist es – von Kriegsjahren mal abgesehen – überhaupt schon durch äußere Umstände vorgekommen, dass es in einem Jahr keinen Schützenkönig gab?

 

Buntenkötter: Nein, tatsächlich ist das auch für uns eine neue Situation.

 

Hansel: Auch das kam vor. 1923 waren wegen der Rheinland-Besetzung sogenannte Tanzlustbarkeiten von der Regierung verboten. Daher fiel das Schützenfest aus. 1932 fiel das Schützenfest ebenfalls infolge schwerer Zeiten aus. Seit 1950 gab es allerdings jährlich einen neuen Schützenkönig. Wir hoffen, dass dieses Jahr eine Ausnahme bleibt und wir ab dem kommenden Jahr wieder in gewohnter Weise feiern können.

Auch der Schützenverein Alverskirchen war bei der Challenge der Vereine auf Facebook vertreten.

Auch der Schützenverein Alverskirchen war bei der Challenge der Vereine auf Facebook vertreten. Foto: Schützenverein Alverskirchen

 

So ein Fest wird ja schon Monate zuvor vorbereitet. Wie weit war der Verein denn schon für das geplante Event im Juli zum jetzigen Zeitpunkt?

 

Buntenkötter: Selbstverständlich waren wir schon in der vollen organisatorischen Vorbereitung. Die Bestellung der Musikzüge bzw. Kapellen, Kutschen und auch die Abstimmung mit dem Festwirt waren bereits abgeschlossen. Da wir die Entwicklung der Corona-Pandemie zu Beginn des Jahres noch nicht abschätzen konnten, mussten wir alle Maßnahmen in Richtung Schützenfest einleiten. Auch wenn es sich in den letzten Wochen bereits abzeichnete, dass Großveranstaltungen bis auf Weiteres nicht stattfinden können.

 

Hansel: Prinzipiell hatten wir alles stehen. Die Band und der DJ waren bestellt, der Festwirt war auch im Thema. Eigentlich war alles geplant.

 

Hat der Verein durch den Ausfall des Schützenfestes finanzielle Verluste? Wie teuer kommt den Verein denn so ein Ausfall schätzungsweise zu stehen?

 

Buntenkötter: Wir haben aufgrund der Pandemie-Entwicklung in den letzten Wochen erste Gespräche mit unseren ,Vertragspartnern‘ geführt. Wir haben mit allen eine einvernehmliche Regelung treffen können. Nach dem derzeitigen Stand wird der BSHV keine großen Verluste erleiden. In den vergangenen Jahren hielten sich die Einnahmen und Ausgaben aus dem Schützenfest ungefähr die Waage, und es werden in diesem Jahr keine Kosten für das Schützenfest anfallen. Zumindest ökonomisch entsteht hier für den Verein kein Schaden.

 

Hansel: Da es sich hier um ein behördliches Verbot handelt, entstehen uns zumindest keine Stornierungskosten. Der finanzielle Ausfall ist also äußerst überschaubar.

 

Was halten Sie aus Vereinssicht denn von den bislang von Bundes- und Landesregierung getroffenen Maßnahmen, Vorgaben und Regelungen?

 

Buntenkötter: Für die Bundes- und Landesregierung ist die weltweite Corona-Pandemie zweifelsfrei eine herausfordernde Aufgabe. Schutzmaßnahmen hatten, Gott sei Dank, derzeitig die oberste Priorität in Deutschland. Jedoch mussten wir auch alle mit massiven Einschränkungen in den Grundrechten leben. Das ist in unserem Land ein sehr hoher Preis, den wir bereit waren zu zahlen. Erst in der zweiten Phase – ab 20. April – kommt es zur schrittweisen Öffnung des sozialen öffentlichen Lebens und somit wieder zur Teilhabe. Da diese Rückkehr ein Prozess sein wird, in dem Maßnahmen Priorität haben, indem relativ risikolos Einschränkungen gelockert werden müssen, ist uns selbstverständlich bewusst, dass Großveranstaltungen nicht dazugehören können. Die Maßnahmen der Bundes- und Landesregierung sind demnach für uns als Verein bislang nachvollziehbar und sachlogisch. Die nun beschlossene schrittweise Öffnung gibt uns nun aus Vereinssicht Hoffnung auf eine Zusammenkunft der Schützen noch in diesem Jahr.

 

Hansel: Generell ist es wichtig, die Gesundheit der Bevölkerung zu schützen. Daher sehe ich die Maßnahmen als absolut richtig an. Gerade auch, wenn man sich die Entwicklungen in Italien, Spanien und vor allem auch in den USA ansieht, wird deutlich, dass es richtig war, so zu handeln. Allerdings müssen wir jetzt auch zusehen, dass wir die Wirtschaft wieder in Schwung bringen. Das wird ein enormer Kraftakt. Beim Thema Schützenfest fällt mir hier zuerst unser Festwirt, Frank Strohbücker ein, dem durch die Pandemie das gesamte Geschäft der Schützenfeste wegbricht. Hier ist der Staat jetzt auch gefordert, unbürokratisch zu helfen. Wenn alles überstanden ist, freuen wir uns umso mehr, wenn wir endlich wieder alle gemeinsam feiern können. Ich denke auch, dass wir dann vieles deutlich mehr schätzen werden als vorher.

 

Wie halten Sie im Corona-Jahr 2020 das Schützenvolk, sprich die Mitglieder „bei Laune”?

 

Buntenkötter: Wir werden unsere Mitglieder immer wieder mit Aktionen über soziale Medien überraschen. Auch die Implementierung eines Newsletters ist zeitnah angedacht. Aber am größten hält man das Schützenvolk mit der Aussicht auf ein schönes Schützenfest bei Laune. Auch wenn das erst 2021 stattfinden wird.

 

Hansel: Das ist eine gute Frage. Wir sitzen im Mai, mit Abstand, zusammen. Dann werden wir schauen, was wir tun. Zumindest werden wir einen Spannungsbogen hinsichtlich des Winterschützenfestes aufbauen, da dann endlich wieder zusammen gefeiert werden darf. Und Vorfreude ist ja bekanntlich die schönste Freude.

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