Rettungsbericht für Everswinkel
Zeitlich auf dem letzten Platz

Everswinkel -

Damit kann man nicht zufrieden sein. Weder bei der Gemeinde, noch beim Kreis. Bei 114 Rettungseinsätzen im vergangenen Jahr wurde die maximale Eintreffzeit von zwölf Minuten überschritten. Bei der Einhaltung der Hilfsfrist von Rettungskräften liegt die Vitus-Gemeinde auf dem letzten Platz im Kreis, wie der Blick auf den Rettungsbericht für 2019 zeigt. Es besteht Handlungsbedarf.

Dienstag, 19.05.2020, 08:05 Uhr aktualisiert: 20.05.2020, 15:58 Uhr
Durchschnittlich fast elf Minuten brauchte der Rettungsdienst im vergangenen Jahr, bis er in der Gemeinde eintraf – so lange, wie in keiner anderen Gemeinde des Kreises.
Durchschnittlich fast elf Minuten brauchte der Rettungsdienst im vergangenen Jahr, bis er in der Gemeinde eintraf – so lange, wie in keiner anderen Gemeinde des Kreises. Foto: Klaus Meyer

Die Gemeinde Everswinkel ist in vielen Bereichen Spitzenplatzierungen gewohnt. Es gibt allerdings einen Bereich, da hinkt man deutlich hinterher, rangiert gar unter den 13 Kommunen des Kreises auf dem letzten Platz. Unfreiwillig wohlgemerkt. Wenn es um die Notfallversorgung in Everswinkel oder Alverskirchen geht, dauert es bis zum Eintreffen von Notarzt und/oder Rettungswagen nirgendwo so lange wie hier. Bei 564 Einsätzen im vergangenen Jahr lag die durchschnittliche Eintreffzeit bei 10:51 Minuten. In den anderen Kommunen lag sie zwischen 6:19 und maximal 8:58 Minuten. Die Einhaltung der Hilfsfrist bei Notfalleinsätzen von zwölf Minuten klappte in 79,79 Prozent der Fälle. 114 Mal wurde die Frist in der Gemeinde überschritten. Unbefriedigend, wie Bürgermeister Sebastian Seidel und auch Ralf Holtstiege, Kreis-Amtsleiter für öffentliche Sicherheit, Ordnung und Straßenverkehr, nicht verhehlen.

„Der Erreichungsgrad in Everswinkel sind nicht da, wo wir ihn gerne hätten“, gestand Holtstiege bei seinem Rettungsbericht gegenüber den Mitgliedern des Everswinkeler Hauptausschusses ein. Ein 90-prozentiger Erreichungsgrad ist die Zielvorgabe im Kreis; der fiel aber im vergangenen Jahr erstmals seit 2012 mit 89,56 Prozent insgesamt unter die Grenze. Für die beiden Jahre 2017 und 2018 musste der ermittelte Wert (84,2 und 86,8 Prozent) jetzt im Nachhinein noch nach unten korrigiert werden (82,4 bzw. 77,1 Prozent) werden. Diese beiden Jahre hätten eine Verbesserung „vorgegaukelt“, so Holtstiege – aber dem war nicht so. Im Rahmen einer Software-Umstellung seien auch Einsätze gezählt worden, die aber aufgrund von nicht erfüllter Mindestbesetzungen bei DRK/First Responder nicht hätten gezählt werden dürfen. 267 Fahrten von Notarztwagen oder Notarzteinsatzfahrzeug wurden 2019 für Everswinkel registriert; zumeist kam das Fahrzeug von der Rettungswache Telgte (233 Fahrten). Dazu kamen acht Einsätze per Rettungshubschrauber.

Der Gutachter ist nicht zu dem Ergebnis gekommen, dass Everswinkel ein Standort wird.

Ralf Holtstiege, Leiter des Amtes für öffentliche Sicherheit, Ordnung und Straßenverkehr beim Kreis Warendorf

Holtstiege verwies darauf, dass die Zahl der Einsätze kreisweit in den vergangenen fünf Jahren um 28 Prozent gestiegen sei – bei gleicher Zahl von Fahrzeugen. „Die Qualität kann dadurch nicht besser werden.“ Der Kreis habe ein Gutachten in Auftrag gegeben, wo weitere Rettungsfahrzeuge sinnvollerweise stationiert werden sollten. „Der Gutachter ist nicht zu dem Ergebnis gekommen, dass Everswinkel ein Standort wird.“ Zur Erinnerung: 2014 war zeitweilig mal ein Rettungswagen am Feuerwehrgerätehaus in Alverskirchen stationiert, als die neue Rettungswache in Telgte gebaut wurde. Laut Gutachten soll ein weiterer Tagesrettungswagen in Sendenhorst postiert werden. Denn: Mit 160 Zeitüberschreitungen dort sowie gar 201 in Drensteinfurt sei Handlungsbedarf; in Everswinkel waren es 114.

Es gebe zwar ein Erreichungsgrad-Ziel aber keinen Rechtsanspruch, dass in jedem Ort eine Rettungswache ist, verdeutlichte Holtstiege, der aber hofft, dass die aus Platzgründen irgendwann in Sendenhorst zu realisierende neue Wache idealerweise in Richtung Everswinkel positioniert werde. Weitere Fahrzeuge ist die eine Seite, eine wirkungsvollere Einsatzplanung die andere. Georeferenzierte Alarmierung lautet das Stichwort dafür. So soll der Einsatzwagen alarmiert werden, der sich am nächsten zum Einsatzort befindet – sprich nicht unbedingt einer, der „im Stall steht“, sondern gegebenenfalls einer, der ohnehin gerade unterwegs ist.

Bürgermeister Seidel appellierte dennoch noch einmal an den Kreis, „dass es ums Wohl der Bürger in Everswinkel geht“ und überlegt werden solle, ob der Standort für den neuen RTW vielleicht doch an Everswinkel herangerückt werden könne, „so dass unsere Bürger, wenn sie in Gefahr sind, gleich sicher sind wie es in anderen Orten der Fall ist.“ Und: „Ein Grundstück dafür finden wir immer“, versprach er in Richtung Holtstiege.

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