Die Liberalen und die Bürgermeisterfrage
Fehlstart bei den Freien Demokraten

Everswinkel -

Im Sport würde man von einem Fehlstart sprechen. Losrennen, bevor überhaupt der Startschuss gefallen ist. Ein paar Zehntel zu früh aus den Startblöcken. Und dann zwangsläufig der Abbruch. Für die FDP ist es „jetzt dumm gelaufen“, wie die Ortsvorsitzende Dagmar Brockmann gesteht.

Mittwoch, 20.05.2020, 08:20 Uhr aktualisiert: 20.05.2020, 15:58 Uhr
Das Fähnchen von Bürgermeister-Kandidat Sebastian Seidel wird nun doch nicht bei der FDP auf den Tischen stehen.
Das Fähnchen von Bürgermeister-Kandidat Sebastian Seidel wird nun doch nicht bei der FDP auf den Tischen stehen. Foto: Klaus Meyer

Bei den Liberalen musste zurückgepfiffen werden, nachdem der Fraktionsvorsitzende bereits aus dem Startblock geprescht war, um in der Frage der nächsten Bürgermeisterwahl durchs Ziel zu gehen. Bürgermeister Sebastian Seidel hatte bereits im Januar erklärt, wieder kandidieren zu wollen, im März hatte SPD-Chef Dr. Wilfried Hamann seinen Hut in den Ring geworfen. Von der FDP war zu diesem Thema zunächst einmal nichts zu hören. Bis zur ersten Mai-Woche.

Da teilte der Fraktionsvorsitzende Peter Friedrich mit: „Die FDP Everswinkel hat sich entschieden, die Kandidatur von Sebastian Seidel als Bürgermeisterkandidat zu unterstützen.“ Verbunden war die Ankündigung mit der Festsetzung eines Pressetermins, um die Unterstützung Seidels auch öffentlichkeitswirksam zu dokumentieren. Nur eine Woche später dann allerdings die überraschende Absage: Der zusammen mit der CDU geplante Pressetermin müsse abgesagt werden, „in den Gremien der FDP ist der Entscheidungsprozess noch nicht abgeschlossen“.

Die Ortsvorsitzende spricht jetzt von einem „formalen Fehler“. Es sei „nicht so günstig gelaufen“, sie und der Fraktionsvorsitzende hätten das „wohl etwas falsch eingeschätzt“. Aufgrund der Corona-Krise waren bei der FDP Vorstands- und Fraktionssitzungen in letzter Zeit tabu, die Kommunikation fand über Telefonkonferenzen statt. Offenbar nicht mit einem für alle eindeutigen Verständnis. Jetzt habe unter der Wahrung von Abstands- und Hygieneregeln wieder ein persönliches Treffen von Vorstand und Fraktion stattgefunden, bei dem es – nach zuvor wohl erkennbarem Widerspruch aus der Partei – eine Abstimmung zur Bürgermeister-Positionierung gegeben habe. Das Abstimmungsergebnis der insgesamt elf Teilnehmer sei laut Brockmann „knapp“ ausgefallen: Keine offizielle Unterstützung von Seidel als Bürgermeisterkandidat. „Das tut mir auch leid für den Fraktionsvorsitzenden.“

Die Marschroute nun lautet: „Wir wollen neutral bleiben.“ Weder woll die FDP die Arbeit des Bürgermeisters kritisieren noch gegen ihn „schießen“, macht Brockmann deutlich. „Wir wollen dem Bürgermeister auf gar keinen Fall schaden“, aber die Liberalen wollen auch nicht die Mehrheit der CDU stützen, sondern die absolute Mehrheit der Christdemokraten bei der Kommunalwahl im September brechen. „Und Herr Seidel ist natürlich auch ein CDU-Bürgermeister.“

Die Erarbeitung des Wahlprogramms habe die Vitus-FDP mittlerweile abgeschlossen, jetzt könnten die Mitglieder darüber befinden. Auch die Kandidaten für die insgesamt 13 Wahlbezirke seien gefunden. Sie sollen bei einem Wahlparteitag im Juni im Landhaus Bisping offiziell nominiert werden. Nur in Sachen Bürgermeisterwahl bleiben die Liberalen passiv in der Beobachterrolle. „So eine Sache wie mit Herrn Fögeling war sicher auch einmalig“, blickt Brockmann auf das Wahljahr 2015 zurück. Auch damals schauten die Liberalen zu, nachdem die Suche nach einem eigenen Bewerber erfolglos geblieben war.

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