Ex-Bürgermeister Ludger Banken in Rheinbach im Rennen
Comeback auf dem Chefsessel?

Everswinkel -

Sag niemals nie. Vor fünf Jahren war für Ludger Banken das Thema Bürgermeister erledigt. Nach drei Amtszeiten und wachsendem Stress in Job und Kommunalpolitik sollte Schluss sein. Banken siedelte dann nach Rheinbach um, begann ein neues Leben, während Sebastian Seidel den Chefsessel im Rathaus eroberte. Jetzt, im Frühjahr 2020, ist das Bürgermeisteramt für Ludger Banken doch wieder ein Thema geworden.

Samstag, 23.05.2020, 08:30 Uhr aktualisiert: 25.05.2020, 16:32 Uhr
Sie stehen hinter ihm: Vertreter von FDP, SPD, Grünen und UWG in Rheinbach stellten am vergangenen Samstag Ludger Banken (vorne, 2.v.r.) als ihren Kandidaten fürs Bürgermeisteramt vor. Die Nominierung in den Parteiversammlungen erfolgt am 6. Juni.
Sie stehen hinter ihm: Vertreter von FDP, SPD, Grünen und UWG in Rheinbach stellten am vergangenen Samstag Ludger Banken (vorne, 2.v.r.) als ihren Kandidaten fürs Bürgermeisteramt vor. Die Nominierung in den Parteiversammlungen erfolgt am 6. Juni. Foto: privat

Aufs Schild gehoben von gleich vier Ratsfraktionen, will er im September Verwaltungschef im Rheinbacher Rathaus werden. Im Gespräch mit den WN erzählt er, wie es dazu kam. „Ich hätte nicht damit gerechnet, dass ich in den Job nochmals wieder zurückkehren könnte, und ich habe es auch nicht angestrebt“, schickt er gleich voraus. 16 Jahre war er Bürgermeister Everswinkels gewesen, stand 25 Jahre im Dienst der Gemeinde. „Ich bin der Meinung, man sollte gehen, so lange das alles noch Spaß macht“, hatte er sich im Bürgermeister-Wahljahr 2015 verabschiedet. Nun hat er neuen Spaß gefunden. Mit ausschlaggebend sei die Zeit als Interims-Geschäftsführer der Gemeindewerke gewesen. Da habe er „wieder so richtig Lust bekommen, Dinge zu gestalten“, und „Blut geleckt in Sachen Weiterentwicklung an verantwortlicher Stelle“.

Parallel zu diesem Empfinden tat sich etwas in seiner neuen Heimat Rheinbach: Der dortige Bürgermeister Stefan Raetz , wie Banken auch 1999 ins Amt gekommen und ihm seinerzeit aus den Gremien des Städte- und Gemeindebundes auch bekannt, verkündete aus gesundheitlichen Gründen nach 21 Jahren seinen Verzicht auf eine weitere Kandidatur. Und plötzlich war Banken im Gespräch.

2019 hatte er sich nämlich auf die Stelle des Fachbereichsleiters für Rat, Ordnung und Soziales beworben, „weil ich mal wieder etwas tun wollte, und weil ich einfach sehen wollte, wie meine Chancen am Markt sind“. Unter mehr als zwei Dutzend Bewerbern kam er ins „Finale“ der letzten zwei, die sich den Fraktionen vorstellten. Die Wahl fiel letztendlich auf eine junge Frau. Der Name Banken wurde aber nicht vergessen. Der FDP-Fraktionsvorsitzende fühlte vor, bat um ein Gespräch, und auch die SPD hatte Banken im Blick. „Das Gespräch war so gut, dass ich nicht sofort ,nein‘ gesagt habe, sondern mir das intensiv überlegt habe.“ Er besprach sich innerfamiliär, mit Freunden, und alle ermunterten ihn, mal zu sehen, wie groß die Unterstützung werden könnte. Sie wurde groß.

Ich hätte nicht damit gerechnet, dass ich in den Job nochmals wieder zurückkehren könnte, und ich habe es auch nicht angestrebt.

Ludger Banken

FDP, SPD, Grüne und UWG stehen hinter dem früheren 1. Bürger Everswinkels. „Das hat mich natürlich sehr gefreut, und da konnte ich mir das sehr gut vorstellen.“ Nur die CDU geht einen anderen Weg, scheint durch eine konträre Lagerbildung bei der Kandidaten-Nominierung laut örtlicher Presse auch mehr mit sich selbst beschäftigt.

Ludger Banken mit seiner Patchwork-Familie in Rheinbach – mit seiner neuen Partnerin Katrin Lewitt und deren beiden Jungs (l.) sowie den beiden eigenen Kindern Annika und Moritz (r.). Auch der Draht zu Ex-Frau Karin ist nach wie vor gut. „Da lege ich auch einen gesteigerten Wert drauf“, so Banken.

Ludger Banken mit seiner Patchwork-Familie in Rheinbach – mit seiner neuen Partnerin Katrin Lewitt und deren beiden Jungs (l.) sowie den beiden eigenen Kindern Annika und Moritz (r.). Auch der Draht zu Ex-Frau Karin ist nach wie vor gut. „Da lege ich auch einen gesteigerten Wert drauf“, so Banken. Foto: Martin Steffen

Die Chancen, dass das von Banken geschätzte und gelobte Rheinbach – mit über 28 000 Einwohnern drei Mal so groß wie die Vitus-Gemeinde – die nächste Karriere-Station für den 54-Jährigen werden könnte, stehen gut. Allerdings gilt es für ihn, noch mehr öffentlich wahrgenommen zu werden. „Insofern muss ich sehen, dass ich meinen Bekanntheitsgrad bis zu Wahl soweit steigere, dass diejenigen, die zur Wahl gehen, zumindest wissen, es gibt Alternativen und was habe ich zu bieten, was der andere nicht zu bieten hat. Das ist natürlich zu Corona-Zeiten etwas eine Herausforderung.“ Klappen soll das soll mittels der neuen Website (www.ludger-banken.de), der Kanäle Facebook, Twitter und Instagram, aber auch bei Ortsterminen mit kleineren Gruppen. Größere Veranstaltungen sind aufgrund der Corona-Beschränkungen derzeit nicht drin, mit diesbezüglichen Lockerungen rechnet Banken auch nicht zwingend. „Ich muss mit dem leben, was möglich ist, und muss das in die Waagschale werfen, was ich in die Waagschale werfen kann.“ Mit Kompetenz überzeugen, und sich präsentieren als „Mann von außergewöhnlichem Format“, mit „echter Freundlichkeit, großer Klarheit und einer bewundernswerten Ruhe, Zielstrebigkeit und Geduld“. So Dr. Karl-Uwe Strothmann, Sprecher der Bürgermeister im Kreis Warendorf, im Oktober 2015 bei Bankens Verabschiedung.

Bürgermeister zu sein, sei ein „schöner Job – meistens jedenfalls – aber auch ziemlich anstrengend, fordernd“, sagte Banken damals. Er wollte mehr Zeit für die Familie, mehr selbstbestimmte Zeit. Das klappte nicht alles. Zeit hatte er fortan, aber in der Ehe hatte man sich leider auseinandergelebt. In Rheinbach fand er sein neues Glück. Privat und jetzt vielleicht auch wieder beruflich. Im September wird er es wissen. Er rechnet sich ganz gute Chancen aus. „Als Zählkandidat wäre ich niemals angetreten.“

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