Der Spielmannszug Alverskirchen
Endlich wieder raus auf die Straße

Alverskirchen -

Sie sind musikalische Aushängeschilder der Gemeinde: Das Blasorchester Everswinkel und der Spielmannszug Alverskirchen sind weit über die Grenzen der beiden Ortsteile hinaus bekannt. Gemeinsam zu musizieren, Feste und Veranstaltungen mit ihren Melodien zu bereichern, ist Hobby und Berufung für die Orchestermitglieder und Spielmannzugleute. Dieses Jahr ist alles anders. Geplante Auftritte sind abgeblasen, Proben waren monatelang nicht möglich. Corona hat viel durcheinandergewirbelt bei den beiden Gruppen. Die WN hörten einmal nach, wie die Situation ist. Hier beim Spielmannszug Alverskirchen...

Samstag, 20.06.2020, 08:30 Uhr
Die Maschinenhalle der Firma Theilmeier bot den Mitgliedern des Spielmannszuges Alverskirchen den nötigen Raum, um nach langer Pause endlich wieder gemeinsam zu proben.
Die Maschinenhalle der Firma Theilmeier bot den Mitgliedern des Spielmannszuges Alverskirchen den nötigen Raum, um nach langer Pause endlich wieder gemeinsam zu proben. Foto: Spielmannszug Alverskirchen

Musik zwischen Gartenbau-Fahrzeugen, Anhängern, Landschaftsbau-Gerätschaften und Regalen. Not macht erfinderisch. Der Spielmannszug Alverskirchen hat die Lager- und Gerätehalle der Firma Theilmeier kurzerhand in eine Konzerthalle verwandelt. Das Ambiente war zweitrangig, was zählte war das gemeinsame Klangerlebnis. Immerhin zwölf Wochen hatte man seit der letzten Probe ausgeharrt. Jetzt ein Schritt zurück in ein Stück Spielmannszug-Normalität. Eine Zeit, in der die Gemeinschaft und die Proben vermisst wurden, wie Christian Averbeck bilanziert. „Man merkt, dass einem die Woche viel länger vorkommt ohne die Probe am Mittwochabend.“

Der Frust durch den Lockdown habe sich in Grenzen gehalten bzw. sei nicht groß geäußert worden. Vielmehr hätten die Mitglieder und Übungsleiter Verständnis für die Maßnahmen gezeigt und geduldig die nächsten Lockerungen abgewartet. „Wir haben uns über die WhatsApp-Gruppe gegenseitig motiviert. Zum Beispiel haben wir dort die Aufgabe gestellt, dass jeder mal ein Foto von einem Auftritt in die Gruppe stellen soll, an den er besondere Erinnerungen hat. Das kam sehr gut an und hat die Vorfreude auf ein Wiedersehen gesteigert.“ Nicht minder motivierend war das Projekt Home-Office. Video-Aufnahmen einzelner Spielmannszugmitglieder wurden von „Verein-Kameramann“ Elmar Münstermann im Mai zu einem kurzen Film zusammengeschnitten und auf YouTube veröffentlicht. „Das war mal eine neue Erfahrung und hat den Beteiligten viel Spaß gemacht.“ Etliche Musiker hatten in der Zwangspause allerdings keinen Zugang zu den vereinseigenen Instrumenten, da die größeren Exemplare sicher im Probenraum aufbewahrt werden.

Insgesamt ist die Vorbereitung einer Probe aufwendiger geworden.

Christian Averbeck

Das Proben-Wochenende und etliche vereinbarte Auftritte musste der Spielmannszug aus seinem Kalender streichen. Schützenfeste wie etwa in Everswinkel, Alverskirchen, Greffen oder Raestrup. „Die bisherigen Einnahmeausfälle liegen bereits im vierstelligen Bereich“, rechnet Averbeck aus. „So eine lange Pause kennen wir gar nicht“, sonst seien es allenfalls mal vier Wochen. Schon da gehe etwas Feinschliff verloren, den man aber an zwei, drei Probenabenden wieder nachgeholt habe. „Jetzt werden wir sicherlich länger brauchen, um wieder auf dem Niveau vor der Zwangspause anzukommen.“ Besondere Aufmerksamkeit muss man zudem den Teilnehmern der Ausbildungskurse zukommen lassen, denen die wöchentliche Kursusprobe mit den Übungsleitern fehlte.

Um jetzt wieder gemeinsam musizieren zu können, ist eine aufwendigere Vorbereitung erforderlich. Die Raumgröße muss passen – immerhin zehn Quadratmeter pro Person, und damit schied das Dachgeschoss der Grundschule aus – sowie Mindestabstände, Hygiene-Maßnahmen und Teilnehmerliste sind obligatorisch. Zudem dürfen Instrumente und Notenständer nicht von mehreren Personen genutzt werden. Da kam das Angebot von Edgar und Jonas Theilmeier gerade recht, die Maschinenhalle nutzen zu dürfen – „worüber wir sehr glücklich sind“. Für den Transport der Instrumente stellten die „Kollegen“ vom Spielmannszug Everswinkel ihren entsprechenden Anhänger zur Verfügung.

„Die Pause zwischendurch und das gesellige Beisammensein nach der Probe fällt momentan leider aus“, bedauert Tambourmajor Averbeck, der sich von der Qualität der ersten Probe nach der Pause angetan zeigt.

Bei schönem Wetter soll es auch ins Freie gehen. „Und wenn wir ein paar Mal unter uns geprobt haben, wollen wir auch mal an öffentlichen Plätzen im Dorf proben, sofern wir dort die vorgegebenen Auflagen einhalten können. Vielleicht können wir den Alverskirchenern damit eine kleine Freude machen“, macht Averbeck Hoffnung, doch noch „öffentlich“ etwas vom Spielmannszug zu hören. Wenngleich: Zuschauer seien laut Corona-Verordnung derzeit noch nicht erlaubt. „Aber aus dem heimischen Garten kann man uns ja auch ganz gut hören.“ Und vielleicht in diesem Jahr auch noch etwas näher. Averbeck hofft – je nach weiterer Entwicklung – noch auf die Martinsumzüge, den Alverskirchener Adventsmarkt und das Winterschützenfest von 2019er-König Marco Leivermann. Der Wunsch für 2021 indes ist klar: „Dass wir endlich wieder die rote Jacke anziehen und mit unserer Musik raus auf die Straße dürfen.“

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