Thomas Günther gestorben
Das Gesicht der Vitus-Grünen

Everswinkel -

Er war ein Mensch, der in der Sache leidenschaftlich streiten konnte, mit Verve seine Meinung vertrat. Dies aber oft mit einem leichten schelmischen Lächeln auf den Lippen, das vermittelte: ,Leute, regt Euch nicht auf, lasst uns eine Lösung finden‘. Thomas Günther war viele Jahre nicht ein Gesicht, sondern das Gesicht der Everswinkeler Grünen. Am 17. Juni ist er im Alter von 73 Jahren gestorben.

Donnerstag, 25.06.2020, 19:55 Uhr
Thomas Günther in einer Ratssitzung 2008. Er war über viele Jahre das Gesicht der Everswinkeler Grünen.
Thomas Günther in einer Ratssitzung 2008. Er war über viele Jahre das Gesicht der Everswinkeler Grünen. Foto: Klaus Meyer

15 Jahre lang – von 1994 bis 2009 – war er Mitglied des Gemeinderates und in verschiedenen Fachausschüssen aktiv, zuvor (1989 bis 1994) wirkte er bereits als Sachkundiger Bürger in Ausschüssen mit; den Vitus-Grünen gehörte er seit 1984 an. Als langjähriger Fraktionssprecher setzte er die kommunalpolitischen Akzente für den Grünen-Ortsverband. Beinahe legendär und „Kult“ war seine jährlich erneut in der Haushaltsdebatte vorgetragene Forderung nach einem „Fun Court“. Thomas Günther war ein Kommunalpolitiker, der Klartext reden, nach einer emotionalen und kontroversen Debatte dann aber auch mit dem politischen Gegner entspannt ein Bier trinken konnte. Von Haus aus Jurist, wusste er sich in komplexe Sachthemen einzuarbeiten, sie aus grüner Perspektive einzuordnen und dann leidenschaftlich zu diskutieren. Sein politischer Antrieb war „die verantwortliche Mitgestaltung der Gesellschaft und ihrer Lebensformen“, sein kommunalpolitisches Steckenpferd war die Ortsentwicklung. Schon zur Kommunalwahl 2004 plädierte er für „demokratischere Entscheidungsformen“ und für mehr Bürgerbeteiligung.

Sein politischer Weg endete recht abrupt 2009. Nach der Grünen-Mitgliederversammlung im Juni und einem innerparteilichen Streit um seine Fraktionsführer-Position und einem von ihm empfundenen „Manko in der vertrauensvollen Zusammenarbeit“ schmiss er die Sachen hin und kandidierte nicht erneut. „Die Zusammenarbeit zwischen mir auf der einen Seite und Herrn Winkler und Herrn Stelthove als Gruppierung auf der anderen Seite hat nicht funktioniert“, bilanzierte er seinerzeit gegenüber den WN . Bereits im Herbst 2008 hatte es zwischen ihm und Winkler wegen der Fraktionsführerrolle gekracht.

Als Mensch habe ich Thomas Günther immer freundlich, kommunikativ und liebenswert erlebt.

Ludger Banken

Mit Betroffenheit haben Bürgermeister Sebastian Seidel und sein Vorgänger Ludger Banken vom Tode Günthers erfahren. „Zu meiner Jugendzeit und als ich gerade im Studium steckte, war er das Gesicht der Grünen in unserer Gemeinde. Ich habe als junger Mensch die Gelegenheit gehabt, mit ihm zu diskutieren. Das war mitunter kontrovers, aber immer respektvoll. Er hatte eine Haltung, war aber auch immer offen für die Meinungen anderer“, so Seidel gegenüber den WN. „Meine Anteilnahme gilt seinen Angehörigen.“ Für Banken war Günther ein langjähriger politischer Weggefährte. „Thomas Günther war für mich ein Politiker mit festen Überzeugungen, der aber auch andere Meinungen gelten ließ, eben kein Dogmatiker. Obwohl wir inhaltlich zwar häufig, jedoch nicht immer einer Meinung waren, habe ich stets gerne mit ihm zusammengearbeitet“, erinnert sich Banken im WN-Gespräch. „Besonders geschätzt habe ich seine Einstellung, sich nach Abstimmungsniederlagen nicht zurückzuziehen, sondern die Entscheidung zu akzeptieren und weiterhin konstruktiv mitzuarbeiten – so wünscht man sich Demokraten.“ Als Menschen habe er Günther „immer freundlich, kommunikativ und liebenswert“ erlebt.

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