Lockdown: Grundschulen improvisieren beim Abschluss
Ein ganz plötzliches Ende

Everswinkel -

Und dann musste alles ganz überstürzt gehen. Mit dem im Kreis Warendorf verhängten Lockdown und der damit verbundenen Schulschließungen aufgrund des Corona-Ausbruchs beim Fleischfabrikanten Tönnies mussten alle Planungen für einen geregelten Schulabschluss vor den Ferien über Bord geworfen werden.

Freitag, 26.06.2020, 08:20 Uhr
Für die Viertklässer der St. Agatha-Grundschule - hier mit Schulleiterin Rowitha Niehoff - gab‘s eine vorgezogene klasseninterne Verabschiedung.
Für die Viertklässer der St. Agatha-Grundschule - hier mit Schulleiterin Rowitha Niehoff - gab‘s eine vorgezogene klasseninterne Verabschiedung. Foto: Grundschule

Am Donnerstag und Freitag sollten an den Grundschulen in Everswinkel und Alverskirchen die Viertklässler geregelt und mit einem kleinen bunten Programm entlassen werden. Alles hinfällig. Stattdessen galt es am Mittwoch zu improvisieren.

„Das hat uns alle auf dem linken Fuß erwischt, dass der ganze Kreis Warendorf in den Lockdown muss. Das hat uns sprachlos und traurig gemacht“, sagt Everswinkels Grundschulleiter Martin Linnemannstöns , der die Kinder gerne noch zwei Tage in der Schule gehabt hätte. Das Konzept der Verabschiedung an zwei Tagen in der Festhalle mit ausgearbeitetem Programm, geschriebenen Reden und Ansprachen, bestellten Blumen und aufgestellten Stühlen war damit plötzlich kaputt. Die Stimmung der Schüler: „Sie waren sehr traurig; das ganz letzte Vierteljahr war ja nicht so schön.“ Bei den Eltern gewann Linnemannstöns schon den Eindruck, dass auch die etwas frustriert seien. Erst habe es geheißen, nichts sei möglich, dann gab es doch eine kleine Lösung, „und dann war es doch plötzlich wieder obsolet“.

Die Abschlussklasse 4a der Grundschule Everswinkel mit Lehrerin Barbara Rumpf.

Die Abschlussklasse 4a der Grundschule Everswinkel mit Lehrerin Barbara Rumpf. Foto: Grundschule

Nun also ein Abschied für 62 Schüler schneller als erwartet. Und der erfolgte jeweils klassenintern mit den Klassenlehrern Barbara Rumpf, Stefanie Aulich und Christoph Seliger sowie dem Schulleiter. Den Eltern, die nun doch nicht teilnehmen konnten, wurde Dank und Anerkennung ausgesprochen, dass sie ihre Kinder beim ,Lernen auf Distanz“ „meisterlich unterstützt haben“. Ein Dank für ihre engagierte Arbeit ging zudem an Nadine Fortriede, die als Mutter die Schule verlässt und somit als Schulpflegschaftsvorsitzende nicht mehr zur Verfügung steht. Für die Kids gab‘s neben den Zeugnissen und kleinen Geschenken von OGS, Lehrern und Kirchengemeinde auch Klassenfotos und unterhaltsame Abschlusshefte, an denen sie zum Teil mitgewirkt hatten und die – von den Lehrern erstellt – vier Jahre Grundschulzeit widerspiegeln. Und natürlich gab‘s die obligatorische Abschieds-Rose.

Die Abschlussklasse 4b der Grundschule Everswinkel mit Lehrer Christoph Seliger.

Die Abschlussklasse 4b der Grundschule Everswinkel mit Lehrer Christoph Seliger. Foto: Grundschule

Roswitha Niehoff , kommissarische Leiterin der St. Agatha-Grundschule Alverskirchen, wurde am Dienstagnachmittag von der Lockdown-Nachricht überrascht. „Die 4. Klasse hatte den Abschlusstag am Freitag ausgiebig vorbereitet“, die Kinder wollten sich mit ihrem Programm auch den Eltern zeigen. Daraus wurde nichts. „Die Kinder waren wirklich sehr traurig. Sie hatten sich darauf gefreut, dass eine kleine Abschlussfeier möglich war.“

Die Abschlussklasse 4c der Grundschule Everswinkel mit den Lehrerinnen Andrea Quack (l.) und Stefanie Aulich.

Die Abschlussklasse 4c der Grundschule Everswinkel mit den Lehrerinnen Andrea Quack (l.) und Stefanie Aulich. Foto: Grundschule

Kurzfristig wurde die Verabschiedung der 22 Viertklässler klassenintern auf dem Schulhof vorgezogen. Es gab ein Programm mit Texten, Liedern, Musik und Tanz, Regenbogen-Bändchen sowie eine kleinen Schultüte mit guten Wünschen von den Lehrkräften. Und es gab die von den Eltern erstellte Klassenzeitung, die vier Jahre Grundschulleben zusammenfasste, und an der auch die Kinder mit ein bis zwei Beiträgen pro Jahr beteiligt waren. Die Klassenpflegschaftsvorsitzende Simone Schönberner fuhr sie in einem Bollerwagen vor. Die anderen Jahrgänge durften durchs Fenster zuschauen. „Wir haben wirklich improvisiert.“ Letztendlich hätten sich die Schüler gefreut, dass die Vorbereitung nicht im Sande verlaufen sei und es noch einen Abschluss gab, so Niehoff, für die es auch ein Abschluss war. Nach eineinhalb Jahren kommissarischer Schulleitungsfunktion wechselt sie nach den Ferien an eine andere Schule. In einem Brief an die Eltern hat sie sich verabschiedet.

Auch die Waldorfschule musste ihre für heute geplante Verabschiedungsfeier für die Elftklässler streichen.

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