Bernhard Feikus zum Rücktritt von Clemens Tönnies beim FC Schalke 04
„Mit dem Rücken zur Wand“

Everswinkel/Ostbevern -

Der Rücktritt von Clemens Tönnies beim Bundesligisten FC Schalke 04 spaltet die Fanszene des Traditionsklubs. Bernhard Feikus, Geschäftsführer der Gemeindewerke Everswinkel und Vorsitzender der „Biberknappen“ in Ostbevern, bleibt was den Verein betrifft dennoch Optimist und hofft auf einen baldigen Besuch im Stadion.

Montag, 13.07.2020, 08:14 Uhr

In den fast 20 Jahren, in denen Clemens Tönnies beim FC Schalke das große Wort führte, hatte der mittlerweile 64-Jährige Unternehmer viel auszuhalten. Pfiffe gegen ihn gab es zeitweise im Stadion wie auch auf Mitgliederversammlungen. Im vergangenen Jahr musste er sein Amt infolge rassistischer Äußerungen monatelang ruhen lassen. Seit einigen Wochen nun kämpft er in Ostwestfalen um den Fortbestand seiner Firma. Massenhafte Infektionen und die Zustände in seiner Fleischfabrik brachten Tönnies in Verruf - und mindestens mittelbar auch den Traditionsclub Schalke 04 . Die Fans sind längst gespalten in jene, die ihm mit Dankbarkeit für Geleistetes begegnen und jene, die Angst um das Ansehen ihres Vereins haben. Redakteur Ulrich Schaper sprach mit Bernhard Feikus, Geschäftsführer der Gemeindewerke Everswinkel und in seiner Heimatgemeinde Ostbevern Vorstandsmitglied der „Biberknappen“ über den Rücktritt des Schalke-Bosses.

 

Herr Feikus, so ganz überraschend dürfte der Rücktritt Clemens Tönnies‘ auch für Sie nicht gekommen sein. Wie und wo haben Sie davon erfahren?

Feikus: Nein, überraschend kam das tatsächlich nicht. Tönnies steht mit dem Rücken zur Wand. Ich habe eine Schalke-App – die hat natürlich sofort aufgeblinkt, als die Nachricht die Runde machte. Als nächstes hat mich meine Frau angerufen und mir vom Rücktritt erzählt.

Befürworten Sie den Rücktritt?

Feikus: Da kann man gar keine eindeutige Meinung zu haben. Nicht umsonst spaltet diese Personalie die Fanszene. Ich kann da nur für mich persönlich sprechen. Wie so oft liegen Chancen und Risiken eines solchen Rücktritts nah beieinander. In anderen Firmen ist nach 20 Jahren ein Wechsel an der Spitze ja auch nicht unüblich. Ich muss sagen, dass ich als Schalke-Fan Respekt vor seiner Leistung habe. Wir haben in den 20 Jahren, in denen er bei uns war, viel erreicht. Wir haben jahrelang an europäischen Wettbewerben teilgenommen, mehrfach in der Champions-League gespielt. 2005 und 2007 waren wir Vizemeister. Wir haben mit der „Knappenschmiede“ eines der modernsten und erfolgreichen Ausbildungszentren. Tönnies hatte großen Anteil an der Entwicklung des FC Schalke 04.

Bernhard Feikus.

Bernhard Feikus. Foto: privat

Haben Sie ihn mal persönlich kennenlernen dürfen?

Feikus: Ja, das habe ich. Es gibt ja immer diese organisierten Fanclub-Treffen. Auf solch einem habe ich ihn mal erlebt. Er hat ein Wesen, das die Menschen mitnimmt. Sehr beeindruckend war das. Ich habe ihm damals die Frage gestellt, inwiefern die Wirtschaftlichkeit konträr zum maximalen sportlichen Erfolg steht. Er hat damals seine Strategie deutlich gemacht. Dass das Wirtschaftliche voran steht, und das darauf aufbauend auch der sportliche Erfolg fußt.

Glauben Sie, dass die Personalie Tönnies die Fangemeinde dauerhaft spaltet?

Feikus: Nein, das glaube ich nicht. Die Liebe zum Fußballclub, die überstrahlt alles. Außerdem: Wer nicht leiden kann, der kann auch gar kein Schalke-Mitglied sein. Das zeigt sich in diesen Zeiten ganz besonders.

Die Profis haben nach der Winterpause eine Rekordserie von 16 sieglosen Spielen hingelegt, nun ist der Chef gegangen - ist die Talsohle damit erreicht?

Feikus: Ich bin grundsätzlich einer der Optimisten, die nach vorne blicken. Es müsste schon mit dem Teufel zugehen, wenn es mit der Mannschaft nicht auch wieder aufwärts geht.

Im Vorstand kündigte man jetzt eine „Zensur“ und „massive Einsparungen“ an – beides könnte auch bedeuten, dass es für Schalke demnächst nur noch Mittelmaß heißt…

Feikus: Ja, mit Sicherheit werden wir relativ weit unten anfangen müssen. Wir werden mehr denn je auf die Talente unserer Knappenschmiede angewiesen sein. Zur kommenden Saison stehen wir sicherlich von Beginn an mit dem Rücken zur Wand. Der Europapokal wird längere Zeit kein Thema für uns sein.

Für viele Schalker Fans dürfte das schwer auszuhalten sein...

Feikus: Ach, ich weiß das gar nicht. Ich glaube nicht, dass alle immer erwarten, dass wir Europapokal spielen. Wir erwarten, dass auf dem Platz eine Mannschaft steht, die alles für den Verein gibt. Wenn die Einstellung der Mannschaft stimmt, das beeindruckt uns – egal, ob dann ein Sieg oder Niederlage dabei herauskommt.

Wagen wir doch mal einen kleinen Blick in die Zukunft: Wie geht es für den FC Schalke denn nun wohl weiter?

Feikus: Im Vorstand und auf den entscheidenden Posten ist eine hohe Fachkompetenz. Nach der Corona-Krise hat es an vielen Ecken und Kanten nicht gepasst. Ich befürworte das, dass sich der Vorstand eindeutig zum Trainer bekannt hat. Nach dem Tönnies-Abschied wäre ein Trainerwechsel zu viel gewesen. Größte Baustelle wird die Kaderplanung sein. Da hatten wir in den zurückliegenden Jahren schon Probleme. Da werden einige Korrekturen nötig sein. Es ist ein Zusammenspiel vieler Faktoren, die zum Erfolg führen werden.

Werden Sie beim ersten Heimspiel denn wieder in der Arena sein?

Feikus: Ich glaube angesichts der aktuellen Lage, wird das nicht möglich sein. Aber klar: Ich habe eine Dauerkarte und sobald Zuschauer wieder erlaubt sind, bin ich dabei. Fußball ohne Zuschauer ist für mich kein Fußball.

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