Käufer des Gebäudekomplexes Arning mit großen Plänen
Westfälische Tradition und neuer Wohnraum

Everswinkel/Münster -

Alles hat seine Zeit. Mitten in Everswinkel, an der Vitusstraße, beginnt schon bald eine neue Zeit. Es ist die Zeit nach der Ära Arning. Gestaltet wird sie von Jörgen Dreher, Architekt aus Münster und neuer Eigentümer sowohl des Gasthof- als auch des benachbarten Wohn- und Geschäftsgebäudes. Er will die Brücke schlagen zwischen Tradition und Moderne. Und er will weiter investieren: in die Substanz des Gasthofes wie auch in den Neubau eines Wohngebäudes auf dem hinteren Grundstücksteil.

Mittwoch, 22.07.2020, 08:02 Uhr
Der Gasthof Arning und das benachbarte Wohn- und Geschäftshaus sind in neuen Händen. Im Gespräch mit den Westfälischen Nachrichten erzählte Architekt und Investor Jörgen Dreher von seine Planen.
Der Gasthof Arning und das benachbarte Wohn- und Geschäftshaus sind in neuen Händen. Im Gespräch mit den Westfälischen Nachrichten erzählte Architekt und Investor Jörgen Dreher von seine Planen. Foto: Klaus Meyer

Zur Erinnerung: Im vergangenen Jahr hatte Gastwirt Heiner Arning nicht nur seinen Rückzug aus der Gastronomie für 2020 angekündigt, sondern das gesamte Gebäude-Ensemble mit dem historischen Gasthof-Gebäude aus dem 17. Jahrhundert und dem benachbarten Wohn- und Geschäftshaus, in dem Verkehrsverein und Post-Agentur untergebracht sind, über den Immobilien-Service der Volksbank Münster zum Kauf angeboten. Der Verkauf erfolgte in einem privaten Bieterverfahren, Gebote waren ab 850 000 Euro aufwärts möglich. Es gab offenbar mehrere Interessenten für das Objekt, entscheidend war neben dem Preis wohl auch das Konzept der potenziellen Investoren.

Jörgen Dreher erfuhr davon aus der Zeitung, nahm Kontakt mit der Bank und der Eigentümer-Familie auf. Einig sei man sich dann Anfang des Jahres gewesen. Nach Klärung von einigen Dingen, und „bis das alles vertraglich hintereinander war, dauerte es seine Zeit.“ Vor zwei Wochen schließlich wurde der Verkauf beurkundet. Das Gesamtpaket – Gasthof, Mehrfamilienhaus und vor allem das freie Grundstück – war reizvoll, sagt Dreher, der gerade in Wolbeck ein Mehrfamilienhaus-Projekt abgeschlossen hat und immer mal nach freien Grundstücken schaut. Überdies interessierte ihn auch der Gasthof. Als früherer Angestellter des Architekturbüros Kresings war er als Projektleiter am Umbau des Mauritzhofs in Münster beteiligt und hatte da Einblicke in die Bereiche Hotel und Gastronomie gewonnen. „Da habe ich Spaß dran.“

Architekt und Investor Jörgen Dreher in seinem Büro in Münster.

Architekt und Investor Jörgen Dreher in seinem Büro in Münster. Foto: Klaus Meyer

Den Spaß will Dreher in Everswinkel in handfeste Ergebnisse umsetzen. Der Gasthof soll als „traditionelles westfälisches Haus mit modernem Anstrich“ erhalten bleiben. „Das Gasthof-Sterben ist mir ein Dorn im Auge. Gasthöfe gehören zum dörflichen Leben dazu“, betont er. Derzeit gilt die Suche einem geeigneten Pächter, mit zwei konkreten Interessenten sei man in Gesprächen. Dazu kommt der Hotel-Betrieb. „In Everswinkel fehlen Betten. Im ganzen Kreis fehlen Betten. Ich sehe da schon Potenzial.“ 14 Zimmer werden es nach den Sanierungs- und Renovierungsarbeiten vermutlich künftig sein.

Es ist die Idee, dass es weiterhin ein traditionelles westfälisches Haus sein soll mit modernem Anstrich.

Jörgen Dreher

Das 1977 gebaute Wohn- und Geschäftshaus daneben bleibt so. „Da braucht sich keiner Gedanken zu machen über einen Abriss.“ Die hintere Grundstücksfläche – derzeit Gasthof-Anbau und Parkplatz – soll mit einem Wohnhaus in vergleichbarer Höhe bebaut werden; ein Bauträgergeschäft, die Wohnungen gehen an den Markt. „Es wird ein zeitgemäßer Bau“ mit Tiefgarage, kündigt der Architekt an. Etwa 15 Wohneinheiten, seniorengerecht mit Fahrstuhl, seien denkbar. Baubeginn? „Anfang 2022 ist realistisch.“ Zuvor gilt es die Planungsphase und das Genehmigungsverfahren zu absolvieren.

Seit zwölf Jahren ist Jörgen Dreher Architekt, seit vier Jahren selbstständig mit eigenem Büro. In Handorf läuft aktuell das Projekt Sport-Campus. Everswinkel wird das nächste besondere Projekt. Die Erhaltung des Gasthofes als ein Fixpunkt im Dorf sei „eine Chance“, sagt Dreher. „Unser Wunsch ist es, dass der Betrieb durchläuft“. Der unter Denkmalschutz stehende Gastraum „wird so bleiben und bekommt eine Auffrischung“, für die Neugestaltung der Säle und der Toiletten sei ein Monat Betriebsferien denkbar. In Abstimmung mit der Gemeinde als Unterer Denkmalbehörde wolle man auch überlegen, behutsam etwas an der Optik des Hauses zu machen. Ändern wird sich definitiv der Name. „Der Gasthof Arning steht für sich. Da stehen ja auch Personen dahinter“, sagt Investor Dreher. „Die Ära geht zu Ende und damit auch der Name.“

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