Sprachprogramm „Fit in Deutsch“ für Kinder mit Migrationshintergrund
Einfach im Alltag verständigen

Everswinkel -

Es war eine Premiere, das Ferien-Intensivtraining „Fit in Deutsch“. Im Haus der Generationen in Everswinkel gab es jetzt für 17 Flüchtlingskinder aus fünf Nationen ganz praktischen Unterricht. Sie sollten in alltäglichen Situationen sprachlich sicherer werden. Die Förderung übernahmen zwei Sprach-Lernbegleiterinnen, die Kosten tragen das Land und die Gemeinde.

Samstag, 08.08.2020, 09:30 Uhr
14 der 17 Kinder, die am Ferien-Intensivtraining teilgenommen haben, und die Verantwortlichen: Bürgermeister Sebastian Seidel (r.), Noreen Günnewig (3. v.r.), Sprach-Lernbegleiterin Yvonne Geiß (Mitte) sowie Carmen Günnewig, Sozialarbeiterin bei der Gemeinde (l.), Organisatorin Martina Pötter (2.v.l.) und Sprach-Lernbegleiterin Michaela Ruwe (3.v.l.) im Haus der Generationen.
14 der 17 Kinder, die am Ferien-Intensivtraining teilgenommen haben, und die Verantwortlichen: Bürgermeister Sebastian Seidel (r.), Noreen Günnewig (3. v.r.), Sprach-Lernbegleiterin Yvonne Geiß (Mitte) sowie Carmen Günnewig, Sozialarbeiterin bei der Gemeinde (l.), Organisatorin Martina Pötter (2.v.l.) und Sprach-Lernbegleiterin Michaela Ruwe (3.v.l.) im Haus der Generationen. Foto: Erhard Kurlemann

Einen Obstsalat gemeinsam zubereiten – und zuvor die dafür notwendigen Dinge einkaufen – eine Situation, die es im Alltag immer wieder gibt. „Sprache ist ein wichtiger Bestandteil, um am gesellschaftlichen Leben teilnehmen zu können.“ Bürgermeister Sebastian Seidel freut sich, dass es im Haus der Generationen auch in den Ferien viel Leben gibt.

Kinder aus Syrien, dem Irak, Afghanistan, Indien und Ghana kommen an zehn Tagen zusammen, um sich mit der deutschen Sprache vertraut(er) zu machen. Die Sprach-Lernbegleiterinnen Yvonne Geiß und Michaela Ruwe arbeiten mit den zugewanderten Kindern, die jetzt in Everswinkel und Alverskirchen leben. Die Gemeinde hat das Ferienintensiv-Training (FIT) organisiert. Die Kosten von 6 500 Euro übernehmen zu 80 Prozent das Land, der Rest kommt „gerne“ – wie der Bürgermeister betont – aus dem Gemeindesäckel.

„Wichtig ist uns dabei, die Kinder in alltagsnahen Situationen zu erleben und sprachlich agieren zu lassen“, erläutert Michaela Ruwe. „Ziel des Projekt ist es, die Alltagssprache der Kinder und Jugendlichen zu festigen“. Auch die Eltern der Kinder sollen von dem Projekt profitieren, ergänzt Carmen Günnewig, Sozialarbeiterin bei der Gemeinde. Da gehe es einerseits um die Entlastung, wenn die Kinder in den Ferien betreut werden. „Aber wichtiger ist, wenn die Kinder zu Hause in deutscher Sprache erzählen, was sie erlebt und gelernt haben. Das schult gleichsam praktisch im Nebeneffekt auch die Eltern.“

Ziel des Projekt ist es, die Alltagssprache der Kinder und Jugendlichen zu festigen.

Michaela Ruwe

„Mindestens 15 Kinder mussten sich anmelden“, erläutert Organisatorin Martina Pötter die Voraussetzungen. „Und wegen Corona durfte die Gruppe maximal 20 Teilnehmer umfassen.“ 17 Kinder, die beiden Lernbegleiterinnen und Noreen Günnewig, angehende Lehramtsstudentin, als ehrenamtliche Unterstützung – im Haus der Generationen war ausreichend Platz. „Wir haben dort einen Lehrraum, einen Raum zum Spielen und einen zum Essen.“ Dort starteten die Kinder und ihre Betreuerinnen jeweils morgens mit einem gemeinsamen Frühstück.

Neben dem klassischen Unterricht gab es ein buntes Begleitprogramm – alltagstauglich. Mit dem Einkaufszettel unterwegs sein, einen Bauernhof besuchen, im Nie­drigseilgarten der DJK RW Alverskirchen klettern und spielen, das große Thema Essen – „einschließlich Eisdiele“ – oder zu sehen, was es im Rathaus zu tun gibt, das sind einige Beispiele. Am Donnerstag ging es um das Thema „Zahn“ – Zahnwurzel, Zahnspange und vieles mehr, aber auch um Zahnbürste und das Zähneputzen. Am Nachmittag war der SC DJK Everswinkel in der Nachbarschaft mit einem Sportprogramm Gastgeber für die Gruppe.

Die jeweiligen Ausflüge wurden zunächst vorbereitet. Dafür dienten dann etwa Lern­Apps – die dürfen auch zu Hause eingesetzt werden – oder kleine Filmsequenzen. „Wir gucken, welche sprachlichen Besonderheiten zu berücksichtigen sind“, berichtet Ruwe – und zählt dazu Begriffe auf, die mit dem Thema Bauernhof in Verbindung stehen; die „Liste“ wurde gleichsam mit den Kindern erarbeitet. Die Erlebnisse klingen nach. So erzählt ein Junge, wie toll es war, plötzlich in der Staubwolke hinter einem Mähdrescher zu stehen und nichts mehr sehen zu können. Ein anderer berichtet von der Aktion „Kleine Landschaftsgärtner“, bei der die Kinder selbst mitarbeiten und etwa auf einem Radlader mitfahren durften. Der Kurse endet am gestrigen Freitag.

Einen Deutsch-Sprachkursus in dieser Form für Flüchtlingskinder gab es zum ersten Mal in Everswinkel. „Wir sind dankbar, dass wir dieses Angebot machen können“, sagt Günnewig. Das liege auch am Engagement der Lernbegleiterinnen. Sprache ist eben einfach der Grundstein für Integration.

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