Kolping-Initiative „Gleicher Lohn für gleiche Arbeit“ erreicht Berlin und Düsseldorf
Nach zehn Jahren ein Lichtblick

Everswinkel -

Über viele Jahre zieht sich der Kampf durch die Distanzen schon hin. Das, was mal als lokale Initiative der Everswinkeler Kolpingsfamilie vor rund zehn Jahren begonnen hat, ist als Thema mittlerweile ganz oben angekommen. Auf Landesebene bis zu Ministerpräsident Armin Laschet und auf der Bundesebene bis zu Bundesarbeitsminister Hubertus Heil.

Donnerstag, 17.09.2020, 07:00 Uhr
Die Kolping-Vorsitzende Sabina König und der Sprecher der Kolping-Initiative „Gleicher Lohn für gleiche Arbeit“ präsentieren die Antwortschreiben von Bundesarbeitsminister Hubertus Heil und Ministerpräsident Armin Laschet zum Thema Lohndumping.
Die Kolping-Vorsitzende Sabina König und der Sprecher der Kolping-Initiative „Gleicher Lohn für gleiche Arbeit“ präsentieren die Antwortschreiben von Bundesarbeitsminister Hubertus Heil und Ministerpräsident Armin Laschet zum Thema Lohndumping. Foto: privat

„Gleicher Lohn für gleiche Arbeit“ lautet die Bezeichnung der Initiative, die sich gegen das Lohndumping richtet – nicht nur in Schlachthöfen, sondern in diversen Dienstleistungsbereichen. Werner Schniedermann , Initiator und Sprecher der Kolping-Initiative, registriert es mit Genugtuung, „dass die Politik nun endlich angesprungen ist“.

Lange genug hat‘s wahrlich gedauert. Ausschlaggebend für die Gründung der Kolping-Initiative waren seinerzeit schon Lohndumping in der Fleischindustrie, beim Fahrdienst für die Behinderten der Caritaswerkstätten in Freckenhorst, bei Weiterbildungsmaßnahmen der Arbeitsverwaltung in Ahlen und in der Bus-Branche, erinnert Schniedermann. Schon beim Kolpingtag 2015 in Köln hatten die Everswinkeler mit ihrem Vorstoß im Fokus gestanden, nachdem man dank Kolping-Diözesanverband Münster bis auf die Bundesebene des Kolpingwerkes vorgestoßen war. Von der Gemeinschaftsstiftung Kolpingwerk Deutschland gab‘s seinerzeit in Köln ein Zeichen der Wertschätzung in finanzieller Form. „Politisch ist bislang aber nichts Konkretes passiert“, resümiert Schniedermann gegenüber den WN die fünf Jahre danach. Aber jetzt gebe es „endlich einen Lichtblick, endlich bewegt sich was“.

Jetzt gibt es endlich einen Lichtblick, endlich bewegt sich was.

Werner Schniedermann

Auslöser ist ein jüngst ein gemeinsam von der Kolping-Initiative und der Katholischen Arbeiterbewegung im Bistum Münster (KAB) an die Bundes- und Landtagsabgeordneten im Bereich des Bistums sowie ferner an fachlich dafür zuständige Politiker in Berlin und Düsseldorf und Ministerpräsident Laschet verschickter Brandbrief. In Everswinkel lagen daraufhin jetzt Briefe von Laschet und Heil im Briefkasten. Zudem haben laut Schniedermann die CDU-Bundestagsabgeordneten Reinhold Sendker und Marc Henrichmann und der CDU-Landtagsabgeordnete Henning Rehbaum zum Gespräch eingeladen. Zu bereden gebe es genug, denn schließlich seien inzwischen geschätzt zehn Millionen Menschen in Deutland im Niedriglohnsektor ohne Tarifbindung beschäftigt – „mit katastrophalen Folgen für Rente und Arbeitsarmut“.

Bei einer SPD-Veranstaltung in Beckum traf die Kolping-Initiative auf den Bundesarbeitsminister. Schniedermann nutzte die Möglichkeit, um Klartext zu reden: „Wir haben in Deutschland bei den Arbeitnehmern eine Zweiklassengesellschaft. Nur noch 47 Prozent werden nach Tarif bezahlt, und nur noch 35 Prozent der Unternehmen zahlen nach Tarif. Betroffen sind vor allem der Dienstleistungssektor, wie die Versanddienste, der Handel und die Pflege; ausgerechnet die Beschäftigten, die im Lockdown als sytemrelevant beklatscht wurden und jetzt weiter mit Minilöhnen gefolgt von einer Minirente abgespeist werden.“ Heil habe die Initiative unterstützt und davor gewarnt, dass die Tarifflucht der Unternehmen die Sozialpartnerschaft – wesentliche Säule der Sozialen Marktwirtschaft – gefährde. Heil plane einen Gesetzesentwurf, der eine Allgemeinverbindlichkeit von ausgehandelten Tarifen und eine Vergabe öffentlicher Aufträge ausschließlich an tarifzahlende Unternehmen regele. Ministerpräsident Laschet versprach in einem Antwortschreiben, dass man zusammen mit Arbeitsminister Karl-Josef Laumann weiter daran arbeiten wolle, „dass die Tarifbindung gestärkt wird und es in einem fairen Wettbewerb gute Arbeits- und Wirtschaftsbedingungen gibt“.

Welche Folgen die Tarifflucht nach sich ziehen kann, macht Everswinkels aus Polen stammender Pfarrer Pawel Czarnecki, künftiger neuer Präses der Kolpingsfamilie, deutlich. So hatte in Polen die liberale Regierung Tusk die Tarifbindung von Unternehmen aufgehoben hatte. Als Folge seien bei Millionen Menschen die Löhne drastisch gesunken. Dann hätten die Rechten die Tariflicht wieder eingeführt und mit diesem Schritt „Massen an Wählern gewonnen“. Ein großer Teil der Bevölkerung empfände dies so, dass ihr die Würde zurückgegeben worden sei. „Das müsste doch auch ein Anliegen einer Partei sein, die das ,C‘ im Namen trägt“, meint Pfarrer Czarnecki. Für Schniedermann nachvollziehbar: „Eine funktionierende Sozialpartnerschaft wäre Impfstoff gegen Populismus und Radikalisierung.“

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