Führung durch die Magnuskirche
Erst stehen bleiben und dann schauen

Everswinkel -

„Wir finden jeden Tag spannende neue Dinge“, erläutert Heinz Kemker vom Kirchenvorstand. „Unser Projekt ist zu einem gewissen Teil auch auf Spenden angewiesen.“ Ein wichtiges Element der Öffentlichkeitsarbeit und damit wohl auch zur Gewinnung weiterer Spender sind die Handwerkergespräche vor Ort. So auch am Donnerstagnachmittag, als Ramona Vinke eine Gruppe durch die innen komplett eingerüstete Kirche führt.

Freitag, 16.10.2020, 15:22 Uhr aktualisiert: 19.10.2020, 17:39 Uhr
In neuem Glanz erstrahlen nach den Restaurierungsarbeiten durch Expertin Ramona Vinke die Malereien aus dem 16. Jahrhundert.
In neuem Glanz erstrahlen nach den Restaurierungsarbeiten durch Expertin Ramona Vinke die Malereien aus dem 16. Jahrhundert. Foto: Christopher Irmler

Heilige Messen können derzeit nicht in der St.-Magnus-Kirche gefeiert werden. Stattdessen dominieren Gerüste, Absperrbänder und Baumaterialien das Bild. Seit dem Dreikönigstag, das berichtet Kirchenvorstandsmitglied Heinz Kemker , sei das Gotteshaus eine große Baustelle.

„Wir finden jeden Tag spannende neue Dinge“, erläutert Kemker. „Unser Projekt ist zu einem gewissen Teil auch auf Spenden angewiesen.“ Ein wichtiges Element der Öffentlichkeitsarbeit und damit wohl auch zur Gewinnung weiterer Spender sind die Handwerkergespräche vor Ort.

So auch am Donnerstagnachmittag, als Ramona Vinke eine Gruppe durch die innen komplett eingerüstete Kirche führt. Vorab rief Kemker allen Beteiligten noch einmal die besonderen Rahmenbedingungen ins Gedächtnis: „Wir befinden uns hier auf einer Baustelle. Jeder muss einen Helm tragen. Der Boden ist uneben. Daher gilt der Grundsatz: erst stehen bleiben und dann schauen.“ Im Verlauf geht es für die Gruppe hoch bis unter das Kirchengewölbe – und damit auf die fünfte Gerüstebene in rund zwölfeinhalb Metern Höhe.

Seit 15 Wochen ist die Restauratorin Vinke auf der Baustelle tätig. Im Fokus stehen dabei die Deckenmalereien, die zuletzt in den 1980er Jahren restauriert worden sind. „Die Malerei ist ziemlich verschmutzt gewesen. Es kam zur Rissbildung im Putzbereich. Das sind so ziemlich die größten Schadensbilder, die wir im Gewölbe gefunden haben.“ Im Verlauf skizziert Vinke die weiteren Arbeitsschritte. So folge auf die Festigung pudernder und blätternder Farbschichten die Trockenreinigung mit Pinsel, einem Staubsauger und einem besonderen Schwamm. Anschließend wird der Schimmelbefall mit einem Ethanol-Wasser-Gemisch entfernt, ehe die Putzhohlstellen mit Kalkmörtel ausgespritzt und Risse geschlossen werden. Allein der letztgenannte Arbeitsschritt dauere rund drei Wochen. „Aber das sind normale Alterungsprozesse“, so die Restauratorin über den allgemeinen Zustand des Gewölbes und der Malerei aus dem frühen 16. Jahrhundert. Abschließend erfolgt die Retusche der Kittungen.

Schimmelbefall entdeckten die Experten im Mittelschiff. Überrascht habe diese Nachricht jedoch keinen. Hohe Luftfeuchtigkeit, Staub und Spinnweben seien nun einmal der ideale Nährboden für Schimmelbefall. Allerdings gibt Vinke auch umgehend Entwarnung: „Es ist nur eine optische Sache.“ Der Befall sei in einem Labor untersucht und als harmlos eingeordnet worden.

„Diesem Befund wird nun Rechnung getragen“, betont Bernd Henrichs, Mitglied des Umsetzungsausschusses der Gemeinde. So werde unter anderem die Heizungssteuerung neu eingestellt.

Dass sich die Restaurierungsarbeiten lohnen, steht für Ramona Vinke außer Frage. „An der Malerei habe ich nichts verändert. Sie bleibt so, wie sie ist, und hat schon allein durch die Reinigung gewonnen.“ Und tatsächlich erstrahlen Blumen, Blätter, Weintrauben, Vögel oder auch die Auferstehungsszene in neuem Glanz; Motive jenseits der sogenannten Reinigungskante hingegen wirken (noch) matt und erscheinen wesentlich dunkler.

Auch bei der Rissverfüllung und -schließung gebe es Fortschritte. „Das macht man Stufe für Stufe, durch das gesamte Kirchengebäude. Auch, um den Überblick zu behalten.“

Gänzlich in Folie eingepackt ist derweil der Hochaltar. Er soll vor allem vor Staub und Schmutz geschützt werden. Schließlich wurde im Altarraum der historische Fußboden freigelegt. „Kirchen unterliegen immer einem Wandel. Sie sind kein Denkmal, sie sollen den Menschen dienen“, meint Bernd Henrichs. Ziel sei die historische Wiederherstellung des Altarraums.

Ein Ende der umfangreichen Sanierungsarbeiten ist noch nicht in Sicht. In diesem Jahr, da sind sich die Beteiligten jedoch sicher, wird in der St.-Magnus-Kirche keine Heilige Messe mehr gefeiert.

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