Letzte Sitzung des bisherigen Gemeinderates
133 Jahre Erfahrung gehen von Bord

Everswinkel -

Zum letzten Mal trat der sechs Jahre in Diensten stehende „alte“ Gemeinderat zusammen. Wenige Tage vor dem offiziellen Dienstende wurden die ausscheidenden Mitglieder vom Bürgermeister verabschiedet. Der würdigte das Engagement der Kommunalpolitiker für die Gemeinde. Bis 1994 reichte die zeitliche Spannbreite dabei zurück. Eine festliche Abschlussfeier war wegen der Corona-Pandemie nicht möglich.

Donnerstag, 29.10.2020, 08:08 Uhr aktualisiert: 29.10.2020, 08:10 Uhr
Bürgermeister Sebastian Seidel mit den verabschiedeten Ratsmitgliedern Ludger Klaverkamp (CDU), Peter Riggers (FDP), Jan Boekhoff (CDU), Birgit Splettstößer (CDU), Klaus Röttgermann (CDU), Norbert Bücker (fraktionslos) und Frank Winkler (Grüne (v.l.). Es fehlen Susanne Wellermann und Peter Friedrich.
Bürgermeister Sebastian Seidel mit den verabschiedeten Ratsmitgliedern Ludger Klaverkamp (CDU), Peter Riggers (FDP), Jan Boekhoff (CDU), Birgit Splettstößer (CDU), Klaus Röttgermann (CDU), Norbert Bücker (fraktionslos) und Frank Winkler (Grüne (v.l.). Es fehlen Susanne Wellermann und Peter Friedrich. Foto: Klaus Meyer

Der Glanz wie auch der gesellige Ausklang fehlten diesmal. Die Verabschiedung der ausscheidenden Ratsmitglieder nach der Kommunalwahl wurde – im Vergleich zu früheren Wechseln nach einer Wahl – zu einer zwangsläufig nüchternen Angelegenheit am Dienstagabend in der Festhalle. „Wer hätte gedacht, dass wir hier im Gemeinderat mal mit Mund-Nasenschutz sitzen – und das gerade auch bei der Verabschiedung der ausscheidenden Ratsmitglieder, was ich sehr bedauerlich finde“, stelle Bürgermeister Sebastian Seidel fest. Mit Urkunde, Blumen, Gutschein und einem Präsentkorb mit lokalen Produkten würdigte er deren jahrelanges Engagement.

 

Jan Boekhoff , CDU

Auf 21 Jahre kontinuierliche Ratsarbeit kommt Jan Boekhoff. Rechnet man die Zeit als sachkundiger Bürger zuvor mit dazu, sind es 30 Jahre kommunalpolitisches Engagement des CDU-Politikers. „Das waren bewegte Zeiten, in denen viel auf den Weg gebracht worden ist“, wie Seidel betonte. Boekhoff wirkte mit im Haupt-, Werks-, Betriebs-, Rechnungsprüfungs sowie im Planungs- und Umweltausschuss, dessen Vorsitzender er seit 2014 war, mit. Dazu kommen stellvertretende Mitgliedschaften in verschiedenen Ausschüssen und die Aufgaben als Vertreter in diversen Gremien wie der GWE, TEO AöR, der Gesellschaft für Wirtschaftsförderung und der Zweckverbandsversammlung der Sparkasse Münsterland Ost. Dazu kamen langjährige Funktionen im CDU-Ortsvorstand, unter anderem als stellvertretender Vorsitzender. Als Betriebswirt und Mann der Wirtschaft sei Boekhoff jemand, der Gremien und Diskussionen leiten könne, sagte Seidel. Der Vorsitz im Planungsausschuss sei die Krönung der kommunalpolitischen Laufbahn Boekhoffs gewesen. Durch seine gute Vernetzung habe er viel mitbekommen und öfter wertvolle Hinweise geliefert, so dass mitunter Probleme gar nicht erst entstehen konnten. „Wo andere sich dann einen Orden an die Brust heften, hast Du gar nicht groß Aufhebens darum gemacht und Deine Aufgabe als Ratsmitglied einfach erfüllt – ein Bindeglied zwischen Verwaltung und Bürgerschaft“, schloss Seidel. Boekhoff dankte allen Ratskollegen und der Verwaltung. „Die vergangenen Jahre haben überwiegend viel Freude bereitet.“ Er rief die jungen Mitbürger auf, sich aktiv in die Gemeindearbeit einzubringen. Die Demokratie lebe vom Engagement des Volkes für das Volk.

Bürgermeister Sebastian Seidel mit Jan Boekhoff und Hauptamtsleiterin Iris Peveling.

Bürgermeister Sebastian Seidel mit Jan Boekhoff und Hauptamtsleiterin Iris Peveling. Foto: Klaus Meyer

 

Ludger Klaverkamp, CDU

Ohne ihn und ohne dessen Zutun würde er wohl heute nicht dort stehen, sagte Bürgermeister Seidel mit Blick auf Ludger Klaverkamp, der seit 2009 dem Gemeinderat angehörte und sich zuvor schon zehn Jahre als sachkundiger Bürger in einige Ausschüssen engagiert hatte. In den elf Jahren Ratsarbeit wirkte er mit im Haupt-, Betriebs- und im Bau- und Vergabeausschuss sowie im Rechnungsprüfungsausschuss, dessen Vorsitzender er seit 2014 war und war stellvertretendes Mitglied in weiteren Ausschüssen. Der CDU-Politiker, der die Ortsunion von März 2003 bis März 2017 führte wie auch zeitweilig den CDU-Gemeindeverband, war darüber hinaus Vertreter in etlichen Gremien wie GWE, TEO AöR, VHS-Zwecksverbandsversammlung, NRW Städte- und Gemeindebund. In Klaverkamps kommunalpolitischem Engagement habe sich dessen berufliches Arbeitsfeld mit Zahlen (Finanzbeamter) niedergeschlagen; er habe mit Fachwissen und Lebenserfahrung aufwarten können. „Was Dich immer auszeichnet, das ist Deine stoische Ruhe, mit der Du selbst in hitzigen Debatten förmlich brilliert hast. Ich kann mich nicht erinnern, Dich einmal aufgebracht erlebt zu haben. Ich möchte ich den Tag aber auch gar nicht erleben, denn dann wärst Du wahrscheinlich richtig verärgert“, stellte Seidel schmunzelnd fest.

Bürgermeister Sebastian Seidel mit Ludger Klaverkamp und dessen Ehefrau Ilse.

Bürgermeister Sebastian Seidel mit Ludger Klaverkamp und dessen Ehefrau Ilse. Foto: Klaus Meyer

 

Peter Riggers, FDP

Auf vielen Feldern unterwegs war Peter Riggers in den 16 Jahren seiner Ratstätigkeit für die FDP. In Umwelt- und Planung-, Haupt-, Wahl-, Rechnungsprüfungs- sowie Bau- und Vergabeausschuss war er Mitglied, in weiteren Ausschüssen stellvertretendes Mitglied sowie als Vertreter in etlichen Gremien von Gemeindewerken, TEO AöR sowie NRW Städte- und Gemeindebund. Zudem war er von Mai 2012 bis Juni 2016 2. stellvertretender Bürgermeister. Riggers habe seinen beruflichen Sachverstand als Ingenieur und Führungskraft in der Industrie in die Ausschussarbeit mit eingebracht, was laut Seidel „ein unschätzbarer Vorteil für alle Seiten“ gewesen sei. Der Bürgermeister erinnerte sich gerne an gemeinsame Termine beim NRW Städte- und Gemeindebund und bei der Arbeitsgemeinschaft Münsterland, wo man sich bei den Autofahrten ausgetauscht habe. In den vier Jahren als 2. stellvertretender Bürgermeister habe Riggers „die Gemeinde immer gut repräsentiert: authentisch, mit hanseatischer Noblesse und Eleganz“. Riggers selbst erzählte, wie ihn der FDP-Ortsverband damals gebeten habe, „mach doch mal ein bisschen Gemeinderat“. Er habe das sehr gerne gemacht, und gerade die Begegnungen mit vielen Menschen im Rahmen seiner Tätigkeit als 2. stellvertretender Bürgermeister seien ein Gewinn gewesen. „Ich kann nur sagen: Wenn Sie die Chance haben, machen Sie es.“

Bürgermeister Sebastian Seidel mit Peter Riggers und dessen Ehefrau Doerthe.

Bürgermeister Sebastian Seidel mit Peter Riggers und dessen Ehefrau Doerthe. Foto: Klaus Meyer

 

Birgit Splettstößer, CDU

Sie rückte im September 2015 in den Gemeinderat nach – für Sebastian Seidel, der seinerzeit zum Bürgermeister gewählt wurde. „Ich habe Dir gerne den Platz frei gemacht“, betonte Seidel jetzt in Richtung Birgit Splettstößer, die auf fünf Jahre Ratsmitgliedschaft für die CDU kommt. Sie wirkte im Haupt- sowie im Familien- und Sozialausschuss mit, als stellvertretendes Mitglied auch im Bezirksausschuss, in dem sie zuvor schon seit 2004 sachkundige Bürgerin war. Alverskirchener Themen waren ihr somit bestens vertraut. „Du hast Dich für die Belange unserer Bürgerinnen und Bürger eingesetzt und warst dabei keine Frau der lauten, sondern eher der leisen, aber verbindlichen Töne. Und selbst, wenn Du Dich mal geärgert hast, dann hattest Du immer noch ein Lächeln auf den Lippen“, bilanzierte Seidel.

Bürgermeister Sebastian Seidel mit Birgit Splettstößer

Bürgermeister Sebastian Seidel mit Birgit Splettstößer Foto: Klaus Meyer

 

Norbert Bücker, fraktionslos (früher SPD)

Auf stolze 26 Jahre ununterbrochene Ratsarbeit kommt Norbert Bücker, der im Oktober 1994 für die SPD in den Rat einzog. Neun Jahre lang – von April 1997 bis März 2006 – war er Vorsitzender des SPD-Ortsvereins. Nach einem innerparteilichen Disput mit dem Ortsvorsitzenden Dr. Wilfried Hamann verließ er im Juli 2014 die SPD-Fraktion und war in den vergangenen sechs Jahren fraktionsloses Ratsmitglied. „Auch als fraktionsloses Mitglied haben Sie nicht resigniert, sondern blieben standhaft und haben sich weiterhin für unsere Gemeinde engagiert“, merkte der Bürgermeister anerkennend an. Bücker war in den Jahren Mitglied im Bau- und Vergabe-, Kultur- und Sport-, Werks-, Haupt-, Rechnungsprüfungs- und Betriebsausschuss sowie stellvertretendes Mitglied in weiteren Ausschüssen. Als fraktionsloses Ratsmitglied hatte er ab 2004 beratende Funktion im Haupt- sowie im Umwelt- und Planungsausschuss. Dazu kommen Vertreter-Aufgaben in verschiedenen Gremien wie GWE und TEO AöR. Bücker war als Finanzbeamter den Zahlen zugetan und habe sich in den entsprechenden Fachausschüssen „mit Ihrer Fachkompetenz eingebracht“. Bücker sei nicht der lebhafte Wortmelder gewesen, „aber wenn Sie eine Frage gestellt oder eine Aussage getätigt haben, dann war diese fundiert und zeugte von Ihrem Sachverstand“, so Seidel, der sich auch für die eine oder andere Anekdote bedankte.

Bürgermeister Sebastian Seidel mit Norbert Bücker

Bürgermeister Sebastian Seidel mit Norbert Bücker Foto: Klaus Meyer

 

Frank Winkler, Grüne

Wie ein roter Faden habe sich das Engagement von Frank Winkler im Schul-, Sport- und Kulturausschuss und im Rechnungsprüfungsausschuss durch dessen Ratsarbeit gezogen, bilanzierte Bürgermeister Sebastian Seidel. Dazu kamen Haupt-, Betriebs- und Werksausschuss. Winkler war 2004 in den Rat eingezogen, 2009 und 2014 jeweils wieder. Von 2004 bis August war er Ortssprecher der Grünen, zudem ab Oktober 2009 stellvertretender Fraktionsvorsitzender. „Dabei hattest Du immer die Sache und die Gemeinde im Blick, hast nicht nicht von ideologischen Aspekten leiten lassen“, so Seidel, der sich an manche Gespräche und Telefonate zu kommunalpolitischen Themen erinnerte. Dabei habe man oft gar nicht weit auseinander gelegen. „Das geht aber nur, wenn man sachlich bleibt, und wenn man bereit ist, sich auf den anderen zuzubewegen und in ihm nicht einen Gegner sieht, nur weil er einer anderen Partei angehört. Diese Gabe hast Du und damit hast Du Deiner Fraktion sehr gut getan.“ Winkler selbst räumte ein, dass das Ende für ihn früher gekommen sei als gedacht. „Aber wenn der Gegner in den eigenen Reihen sitzt, macht es auch keinen Spaß mehr.“ Er dankte den anderen Fraktionen für die Zusammenarbeit; man habe zwar auch gestritten, sei aber menschlich miteinander umgegangen. Ferner galt sein Dank der Gemeindeverwaltung für die Zusammenarbeit.

Bürgermeister Sebastian Seidel mit Frank Winkler

Bürgermeister Sebastian Seidel mit Frank Winkler Foto: Klaus Meyer

 

Klaus Röttgermann, CDU

Schon sein Vater war vor vielen Jahren Ratsmitglied. Klaus Röttgermann tat es ihm nun für sechs Jahre gleich. Für die CDU saß er im Umwelt- und Planungs-, im Familien- und Sozial- sowie im Bau- und Vergabeausschuss und war stellvertretendes Mitglied in weiteren Ausschüssen. „Du warst Du für Deine fundierten und – wenn die Diskussionen sich im Klein-Klein verzettelten – für Deine manchmal nicht ganz ernst gemeinten Wortbeiträge bekannt“, schmunzelte Seidel. Die Ausschüsse, in denen Röttgermann mitwirkte, stünden auch prägnant für dessen Themen. „Ein Familienvater aus dem Außenbereich, dem es darum geht, dass sowohl die Infrastruktur – Wege, Gebäude – in Schuss ist, aber auch Familien mit Kindern sich in unserer Gemeinde wohl fühlen.“ Er habe zudem die Gemeindeverwaltung „gegen so manche Unkenrufe verteidigt“. Röttgermann lässt sich ein Türchen offen: Vielleicht trete er in fünf oder zehn Jahren noch einmal an.

Bürgermeister Sebastian Seidel mit Klaus Röttgermann und dessen Ehefrau Elke.

Bürgermeister Sebastian Seidel mit Klaus Röttgermann und dessen Ehefrau Elke. Foto: Klaus Meyer

 

Susanne Wellermann, CDU

Susanne Wellermann war bei der Verabschiedung der scheidenden Ratsmitglieder verhindert. 16 Jahre lang gehörte sie dem Gemeinderat an. Die CDU-Kommunalpolitikerin war von September 2015 bis jetzt stellvertretende Fraktionsvorsitzende und seit Juni 2014 CDU-Fraktionsgeschäftsführerin. In der Alverskirchener Ortsunion war sie von Januar 2009 bis Januar 2017 stellvertretende Vorsitzende. Ihre Ausschuss tätigkeit war vielfältig, reichte vom Umwelt- und Planungsausschuss über Bau- und Vergabe-, Jugend- und Sozial sowie Schul-, Sport- und Kulturausschuss bis zum Wahl- und Wahlprüfungsausschuss. Der Bereich Bauen und Planen war ihr Schwerpunkt, zumal sie dort beruflich bedingte Kenntnisse einbringen konnte. Dazu kamen stellvertretende Ausschussmitgliedschaften, unter anderem im Bezirksausschuss. Als Vertreterin war sie in einigen Gremien aktiv, darunter die GWE.

Susanne Wellermann

Susanne Wellermann Foto: CDU

 

Peter Friedrich, FDP

Peter Friedrich war bei der Verabschiedung der scheidenden Ratsmitglieder verhindert. 21 Jahre ununterbrochene Ratsarbeit stehen auf seinem Konto; zuvor war er stellvertretender sachkundiger Bürger im Sportausschuss. 14 Jahre lang führte er die FDP-Fraktion im Rat, sieben Jahre lang war er von 2000 bis 2007 Vorsitzender des Ortsverbandes, sechs Jahre Mitglied im Kreisvorstand. Friedrich war Mitglied in den wesentlichen Ausschüssen: Haupt-, Umwelt- und Planungs-, Rechnungsprüfungs-, Wahl- sowie Schul-, Sport- und Kulturausschuss, dessen Vorsitzender er von 2005 bis 2014 war. Schule, Sport sowie die Orts- und Bauentwicklung und die Finanzen der Gemeinde waren seine Schwerpunkte. Abgesehen von stellvertretenden Ausschussmitgliedschaften war Friedrich in einigen Gremien vertreten, so bei den GWE und der Erweiterten Schulkonferenz. 14 Mal hat er für die FDP-Fraktion die Haushaltsrede gehalten und dabei so manche rhetorische Spitze verteilt.

Peter Friedrich

Peter Friedrich Foto: Klaus Meyer

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7653136?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F106%2F128%2F
Nachrichten-Ticker