Lara Schönemanns Hilfsengagement in Indien
Vorzeitiges Ende einer „Dienstreise“

Everswinkel -

Das Abenteuer endete vorzeitig und abrupt. Aus dem geplanten Jahr wurden letztendlich nur sieben Monate. Dann hieß es, die Sachen zu packen und ab zurück nach Deutschland. Bye bye Indien. Lara Schönemann wurde wie etliche andere „Weltenbummler“ auf dem falschen Fuß erwischt. Das, was gerade noch liebgewonnenes Tätigkeitsfeld war, musste plötzlich beendet werden.

Samstag, 31.10.2020, 09:13 Uhr aktualisiert: 31.10.2020, 09:20 Uhr
Sieben Monate verbrachte Lara Schönemann im Rahmen ihres Freiwilligendienstes im indischen Darjeeling und arbeitete dort in einem Kindergarten – bis das abrupte Ende durch die Corona-Krise kam.
Sieben Monate verbrachte Lara Schönemann im Rahmen ihres Freiwilligendienstes im indischen Darjeeling und arbeitete dort in einem Kindergarten – bis das abrupte Ende durch die Corona-Krise kam. Foto: privat

Die Bundesregierung startete im Zuge der Corona-Krise ihre Rückruf- und Rückholaktion für Bundesbürger im Ausland, und auch für die freiwilligen Helfer wie Lara Schönemann war Feierabend. „Ich wollte das zunächst nicht wahrhaben, dennoch musste ich innerhalb von vier Tagen Abschied von meinem so lieb gewonnenen Indien nehmen. Es kam sehr überraschend“, erzählt die 19-jährige Everswinkelerin.

Sich sozial engagieren, sich in einer fremde Kultur einleben, „einfach nur helfen“, das war die Intention von Lara Schönemann nach ihrem Abitur im vergangenen Jahr. Sie hatte sich dazu bei der Jesuitenmission gemeldet, die weltweit in 23 Ländern freiwillige Helfer einsetzt und sich dabei ausschließlich aus Spenden finanziert. Wohin es gehen würde, war damals eine Überraschung. Es sollte Indien werden. Ein Jahr in der Region, die für ihren Tee bekannt ist: Darjeeling. Ihr Arbeitsplatz: das Hayden Hall, eine Einrichtung mit Kindergarten, Vorschule sowie Abendschule für Erwachsene. Ihr Zuhause auf Zeit: der Schwestern-Orden „Cluney Sisters“ mit Blick auf die Bergwelt.

„Tausend Eindrücke prasseln auf mich ein“, schrieb sie nach ihrer Ankunft Anfang August vergangenen Jahres, und zur Begrüßung gab‘s natürlich jenen Tee, den die Welt kennt. Die Stadt erkunden, Kleidung kaufen für das Leben in Indien, und die ersten Kontakte zu ihren künftigen Schützlingen im Kindergarten prägten die Anfangszeit. Sprachlich gelang dies einerseits mit Englisch, andererseits mit Nepali, der dort meistgenutzten Sprache. Die zu erlernen, damit hatte die Everswinkelerin schon zu Hause im Rahmen der Reisevorbereitungen begonnen. „der Klang ist total schön, vor allem wenn alle zusammen singen.“

Lara Schönemann engagierte sich in Hayden Hall, einer Einrichtung mit Kindergarten, Vorschule sowie Abendschule für Erwachsene.

Lara Schönemann engagierte sich in Hayden Hall, einer Einrichtung mit Kindergarten, Vorschule sowie Abendschule für Erwachsene. Foto: privat

Der Tagesablauf im Kindergarten war recht routiniert. Morgens spielen, malen, Schreiben lernen, basteln, dann Mittagessen und Mittagsschlaf, nachmittags Lieder singen oder wieder spielen. „Ich freue ich mich immer alle zu sehen, da sie hier im Kindergarten gut aufgehoben sind und sie dann in einer anderen Umgebung als zu Hause Kind sein können“, schrieb die Everswinkelerin seinerzeit in ihrem Blog, in dem sie öffentlich „Tagebuch“ führte. Gab es anfänglich noch eine weitere junge Deutsche, die dort ihren Freiwilligendienst absolvierte, war Lara Schönemann nach deren Verabschiedung dann die einzige.

Das Leben in Indien machte Lara Schönemann nachdenklich. „Wir können froh sein, dass es in Deutschland so etwas wie fließend warmes Wasser gibt, man Bildung genießen kann und davon reichlich, es Einrichtungen für psychisch kranke Menschen gibt, die Heizung aufdrehen zu können bis wir schwitzen, wir uns selbst aussuchen können, wen wir heiraten und und und. Hier in Indien sehe ich Kinder betteln, höre Geschichten von Frauen, die ihr Kind verkaufen, da sie nicht genug Geld für beide haben, und auch das Bild der Frau könnte deutlich besser sein. Keiner kann sich das auch nur ansatzweise vorstellen. Nicht mal ich. Wir sollten anfangen zu schätzen was wir haben“, schrieb sie dazu in ihrem Blog.

Ich habe ein paar Eigenschaften mitgenommen aus meinem Einsatz und darf auch immer noch daraus lernen und auch wertschätzen.

Lara Schönemann

Mit anderen Volunteers hatte sie in ihrer Ferienzeit die Gelegenheit, sich auszutauschen, etwas vom Land zu sehen, und auch ihr Freund kam zu Besuch, um in Laras neues Welt einzutauchen. Das durch Corona erzwungene Ende des Indien-Abenteuers war ein kleiner Schock. „Trotz der kurzen Zeit habe ich versucht, den Abschied und die letzten Tage so schön wie möglich zu gestalten.“ Mit einer Abschiedsfeier endete das Kapitel Hayden Hall.

„Es ist komisch, wieder zurück zu sein, wo man doch eigentlich gar nicht da sein möchte. Ich fühle mich fehl am Platz, es ist eine Mischung aus Vertrautem aber auch Sich-fremd-fühlen, weil das neue Ich nicht mehr in das alte Leben passt“, beschreibt die 19-Jährige ihr Gefühl nach der Rückkehr. Dennoch sei sie froh, diese Erfahrung gemacht haben zu können, „und bin unendlich dankbar für all die Bekanntschaften und Freunde die ich in mein Herz schließen durfte“. Das alte Leben kam schrittweise zurück, Lara Schönemann jobbte, bewarb sich an einigen Unis, half am Waldorf-Kindergarten aus. Sie vermisst die Berge von Darjeeling und die Kinder dort. Bald beginnt für sie das Studium, ein Umzug steht an. Die ihr bekannte Welt verändert sich. Wieder einmal.

 

https://lara.darjeeling.fsj-indien.de/

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