Konstituierende Sitzung mit Wahl der stellvertretenden Bürgermeister
Der neue Rat sortiert sich

Everswinkel -

Arbeitsbeginn in schwieriger Zeit mit besonderen Rahmenbedingungen: Der neue Everswinkeler Gemeinderat fand sich am Dienstagabend zu seiner konstituierenden Sitzung zusammen. Eine Arbeitssitzung, in der nicht nur der Bürgermeister offiziell einzuführen und die beiden stellvertretenden Bürgermeister zu wählen waren, sondern in der es auch galt, über die Besetzung der Ausschüsse zu entscheiden.

Donnerstag, 05.11.2020, 07:59 Uhr
Der neue Everswinkeler Gemeinderat nahm am Dienstagabend seine Tätigkeit auf und wird bis zum Herbst 2025 die Geschicke der Gemeinde lenken.
Der neue Everswinkeler Gemeinderat nahm am Dienstagabend seine Tätigkeit auf und wird bis zum Herbst 2025 die Geschicke der Gemeinde lenken. Foto: Klaus Meyer

Im Sog eines geschichtsträchtigen Tages fand sich der neu gewählte Gemeinderat am Dienstag zu seiner konstituierenden Sitzung zusammen. Während die Welt auf die USA blickte, ob das amerikanische Volk wohl mit Trump den am wenigsten geeigneten Präsidenten aller Zeiten aus dem Amt jagen und den Demokraten Biden wählen würde, nahmen die gewählten Volksvertreter der Vitus-Gemeinde in der Festhalle auf ihren Stühlen Platz, um die Arbeit aufzunehmen und die wesentlichen organisatorischen Dinge zu regeln. Eine Arbeitssitzung, die durchaus als schmucklos bezeichnet werden kann angesichts der Corona-Rahmenbedingungen. Für eine etwas feierlichere Kulisse und den geselligen Austausch danach gibt‘s derzeit keinen Raum.

Ein paar vereinzelte Zuschauer hatten mit Mund- und Nasenschutz den Weg in die Festhalle gefunden, um mitzuerleben, wie Sebastian Seidel in seine zweite Amtszeit eingeführt und dessen Stellvertreter aus den Reihen der Ratsmitglieder ermittelt wurden. Letzteres ein Prozedere, das in der Vergangenheit durchaus auch schon einmal für leichte Missklänge bei der Ämterverteilung gesorgt hatte. Diesmal nicht.

Karl Stelthove ( Grüne ) oblag es am Dienstagabend, als Altersvorsitzender des Rates den alten und neuen Bürgermeister ins Amt einzuführen. Das geschah nicht – wie angeblich seinerzeit bei Trump – mit der größten, jemals versammelten Menschenmenge bei einer Amtseinführung, sondern eher mit der kleinsten. Corona-bedingt waren es gerade einmal sieben interessierte Bürger, die das Prozedere in der Festhalle mit verfolgten. Stelthove spielte bei seinen einführenden Worten auf die „Handball-Vergangenheit“ von Sebastian Seidel an, der ja während seiner Studienzeit auch mal eine Saison lang als Hallensprecher fungiert habe. Dabei gehe es auch darum, Informationen zu vermitteln und die Zuschauer zu begeistern. „So etwas ist auch die Aufgabe als Bürgermeister.“ Es gelte unter anderem die Ideen des Rates begeisternd zu vertreten. Die Wahl Seidels „ging überraschend deutlich aus. Wir werden sehen, welche Überraschung uns heute Nacht in den USA erwartet“. Stelthove wünschte dem Bürgermeister „eine glückliche Hand“ und hofft auf eine gute Zusammenarbeit.

Das Bürgermeister-Trio mit Bernhard Rotthege (1. stellv. Bürgermeister), Sebastian Seidel (hauptamtlicher Bürgermeister) und Jürgen günther (2. stellv. Bürgermeister; v.l.).

Das Bürgermeister-Trio mit Bernhard Rotthege (1. stellv. Bürgermeister), Sebastian Seidel (hauptamtlicher Bürgermeister) und Jürgen günther (2. stellv. Bürgermeister; v.l.). Foto: Klaus Meyer

Seidel übernahm dankend die Sitzungsleitung und machte deutlich, „für die meisten komplexen Sachverhalte gibt es keine einfachen Lösungen. Es ist unsere Aufgabe, das den Bürgern zu erklären“. Man könne sich die Welt nicht machen wie man sie sich wünsche, und Kritik gelte es auszuhalten. An den neuen Gemeinderat gerichtet, aber auch an all jene, die sich zur Wahl gestellt hatten, betonte Seidel: „Ich habe für Sie den allergrößten Respekt“ – so viele Menschen, die sich fürs Gemeinwohl engagieren wollten. Die Verpflichtung der Parlamentarier übernahm stellvertretend das jüngste Ratsmitglied, Lasse Lohmann.

Die Wahl der stellvertretenden Bürgermeister verlief unspektakulär. Mindestens zwei müssten es sein, „und damit sind wir in den letzten Jahren auch gut gefahren“, erläuterte Seidel mit Blick auf die Repräsentationsaufgaben. Die CDU schickte Bernhard Rotthege ins Rennen, die Grünen ihren Kandidaten der Bürgermeisterwahl im September, Jürgen Günther . Weitere Vorschläge gab‘s nicht. SPD und FDP blieben bei dieser Personalfrage außen vor – das ist ein Novum. In geheimer Wahl wurden Rotthege zum 1. und Günther zum 2. stellvertretenden Bürgermeister gewählt. Die Stimmen waren von jeweils einem Vertreter jeder Fraktion zusammen ausgezählt worden. „Ich bedanke mich für das tolle Ergebnis und freue mich auf fünf interessante Jahre“, erklärte Rotthege. Günther schloss sich dem mit einem Dank an. Der Bürgermeister ließ es sich nach der Verpflichtung seiner Stellvertreter nicht nehmen, sich beim bisherigen 2. stellvertretenden Bürgermeister Burchard Schlüter zu bedanken, der die Gemeinde sehr gut vertreten habe. Schlüter ist weiter Ratsmitglied für die FDP.

Mit der Bildung der Ausschüsse, Benennung der Ausschussvorsitzenden und der Bestellung von Vertretern in überörtlichen Gremien nahm der neue Rat seine Arbeit auf. So sind kommunalpolitisch für Everswinkel die Weichen für die nächsten fünf Jahre gestellt, während in den USA noch eine Weile lang gezählt werden dürfte und politischer Ärger vorprogrammiert zu sein scheint. Doch stop: So ganz durch ist die heimische Politik doch noch nicht. Im Wahlausschuss am 18. November entscheidet sich, ob dem Einspruch von FDP und Grünen gegen das Kommunalwahlergebnis stattgegeben und noch einmal nachgezählt wird. Eine Wählerstimme mehr oder weniger könnte für ein Ratsmandat weniger oder mehr für CDU bzw. FDP und damit eine Verschiebung der Kräfte sorgen. Darauf wird zwar nicht die Welt blicken, aber schon die ganze Vitus-Gemeinde.

Bürgermeister Sebastian Seidel verabschiedete den bisherigen 2. stellv. Bürgermeister Burchard Schlüter, der aber weiterhin Ratsmitglied ist.

Bürgermeister Sebastian Seidel verabschiedete den bisherigen 2. stellv. Bürgermeister Burchard Schlüter, der aber weiterhin Ratsmitglied ist. Foto: Klaus Meyer

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