Jahrbuch des Kreises mit Schwerpunktthema Everswinkel
„Heimat“ in ihrer Vielfältigkeit

Everswinkel -

Mit dem Jahrbuch des Kreises Warendorf setzt der Kreisheimatverein Beckum-Warendorf e.V. nun bereits zum 70. Mal ein Ausrufezeichen hinter den Begriff „Heimat“. Der Titel des Sammelwerks änderte sich im Laufe der Zeit einige Male – vom „Heimatkalender Kreis Beckum“ bis zu „Münsterland – Jahrbuch des Kreises Warendorf“ – doch der Fokus blieb stets derselbe: der Blick auf regionale Geschichte, Kunst und Kultur, Menschen und Natur. In der neuen Ausgabe 2021 nun steht die Vitus-Gemeinde im Blickpunkt des Jahrbuchs.

Donnerstag, 07.01.2021, 07:41 Uhr aktualisiert: 07.01.2021, 07:50 Uhr
Auf dem Titel des Kreis-Jahrbuchs: Gut Brückhausen.
Auf dem Titel des Kreis-Jahrbuchs: Gut Brückhausen. Foto: Klaus Meyer

„Heimat hat wieder Konjunktur“, stellt Landrat Dr. Olaf Gericke fest. Stimmt. In der NRW-Landesregierung gibt es ein Ministerium, bei dem „Heimat“ ganz vorn im Titel steht. Es gibt den Heimat-Preis, der bereits zwei Mal in der Vitus-Gemeinde verliehen wurde, und es gibt den Heimat-Scheck, den sich schon der Löschzug Alverskirchen und der Gemeindefeuerwehrverband sichern konnten. Dazu bietet das Ministerium die Heimat-Werkstatt, den Heimat-Fonds und das Heimat-Zeugnis – alle fünf Elemente bringen es bis 2022 auf insgesamt rund 150 Millionen Euro Fördergelder für die Gestaltung der Heimat vor Ort, in Städten, Gemeinden und Regionen.

Mit dem Jahrbuch des Kreises Warendorf setzt der Kreisheimatverein Beckum-Warendorf e.V. nun bereits zum 70. Mal ein Ausrufezeichen hinter den Begriff „Heimat“. In der neuen Ausgabe 2021 nun steht die Vitus-Gemeinde im Blickpunkt des Jahrbuchs. Das fängt schon beim Titelbild an, das das Gut Brückhausen in Alverskirchen zeigt.

Dass Everswinkel eine enge historische Verbindung zu Annette von Droste-Hülshoff beziehungsweise zu deren Familie hat, ist nicht erst seit jener Veranstaltung des Kulturkreises Everswinkel bekannt, als Wilderich Freiherr von Droste zu Hülshoff im Mai 2019 zu Gast war und im Rahmen einer Lesung Einblicke in 900 Jahre Familiengeschichte derer von Droste zu Hülshoff vermittelte. Die mittlerweile in 25 Generationen spielende Familiengeschichte hat ihren Ursprung in der Familie von Deckenbrock. Und der begann im Jahre 1040 auf dem gleichnamigen Oberhof in Everswinkel. Im Kreis-Jahrbuch lässt sich nun jener Vortrag noch einmal in Ruhe – angereichert mit bildlichen Darstellungen – nachlesen. Von Everswinkel aus „verbreitete sich unsere Familie in Westfalen, im Märkischen, in Sachsen, in Ostpreußen, im Rheinland, in Bayern und in Baden. Die Verbindung unserer Familie hierher riss nie ab“, so Freiherr Droste zu Hülshoff.

Der Heimatvereins-Vorsitzende Josef Beuck stellt die Ergebnisse seiner seit 2015 andauernden und weit über 2000 Stunden umfassenden Recherchen zu Flurnamen in Everswinkel vor. „Flurnamen sind ein kulturhistorisches Gut“, schickt er seinem Beitrag im Kreis-Jahrbuch voran. Sie gäben Aufschluss über geografische Gegebenheiten und die Zeiträume der landwirtschaftlichen Entwicklung. Mittels vieler Gespräche mit den örtlichen Landwirten, aufgrund von Recherchen im Archiv des Katasteramtes und dem Studium von Urkatasterkarten hatte es Beuck geschafft, nach Abzug von Straßen, Wegen, Gräben und Bächen für 2267 Flurstücke in Everswinkel und 782 in Alverskirchen die ursprünglichen Namen ausfindig zu machen. Die akribisch zusammengetragenen Informationen flossen ein in einen „Fluratlas“ und ein „Flurnamenregister“, wobei für Beuck „eine möglichst pragmatische Erfassung und nicht ein wissenschaftlicher Ansatz“ im Vordergrund stand. Sein Antrieb dabei: zu verhindern, dass die historischen Flurnamen in Vergessenheit geraten und sie für nachfolgende Generationen zu sichern. Der ganze Fluratlas mit 33 Einzelkarten im Format DIN-A3 soll übrigens in diesem Jahr über den Heimatverein zu bekommen sein.

Einblicke in das Leben der früheren Bewohner des heutigen Heimathauses am Kirchplatz 13 vermittelt der Bericht „Mit 13 Personen auf 65 Quadratmetern“, der auf den Recherchen von Bernd Buntenkötter und des 2016 verstorbenen Heimatforschers Erwin Buntenkötter basiert. Sie beleuchten nicht die Hochglanz-Geschichte von Burgen- oder Schlossbewohnern, sondern beispielhaft die Lebensumstände von „Personen unterer Schichten“ im Weber-Dorf des 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts. Ausgangspunkt ist der Bau des Hauses durch Johan Bernd Vennekötter und dessen Frau Anna Maria im Jahr 1780. Schicksalsschläge und Entbehrungen markieren den Weg der weiteren Bewohner – bisweilen sind es gar 13 gleichzeitig.

Letztendlich stellt Martin König-Drzysla im hinteren Teil des Jahrbuchs das Dorf-Archiv Alverskirchen als „lebendiges Gedächtnis eines Ortes“ vor, schildert Aufgaben, Ausstattung, Aktivitäten und Herausforderungen der Einrichtung. „In allen Aktivitäten lebt der Anspruch des Archivgründers Karl Schulte weiter, Begeisterung für die Geschichte zu entfachen und Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen spielerisch entdeckend einen Zugang zu eben dieser zu gewähren“, so König-Drzysla.

  • 850 Exemplare des Jahrbuchs 2021 hat der Kreisheimatverein drucken lassen. Zu beziehen ist das über 380 Seiten umfassende Werk über Rolf Hartmann (
  • '
  •  0 25 83/3 03 74 74) und den Vereinsvorsitzenden Dr. Hermann Mesch (
  • '
  •  0 25 84/534) sowie im Buchhandel (ISSN 1431-1011).
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7754170?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F106%2F128%2F
Nachrichten-Ticker