„Geheimnis der Heiligen Nacht“: Zehn Werke werden prämiert
Kreative Kunst mit der Krippe

Telgte/Everswinkel -

Zehn an der 80. Krippenausstellung „Geheimnis der Heiligen Nacht“ beteiligte Krippenbauer werden ausgezeichnet. Auch Bildhauer Stefan Lutterbeck aus Everswinkel war mit zwei Werken in der Krippenschau vertreten.

Montag, 18.01.2021, 06:18 Uhr aktualisiert: 18.01.2021, 06:20 Uhr
Annette Hiemenz‘ Krippe aus Pappmaché hat die Jury in Sachen Mehrdimensionalität in Symbolik und Gestaltung überzeugt.
Annette Hiemenz‘ Krippe aus Pappmaché hat die Jury in Sachen Mehrdimensionalität in Symbolik und Gestaltung überzeugt. Foto: Museum Religio

An der 80. Krippenausstellung „Geheimnis der Heiligen Nacht“ haben sich 125 Leihgeber und Krippenschaffende beteiligt. Insgesamt wurden 139 Exponate geschaffen. Unter Leitung von Dr. Susanne Kolter hat sich die Jury für die Auszeichnung von zehn Krippendarstellungen entschieden. Ausgezeichnet wurden die Kinder eines Familienzentrums, eine Jugendliche, drei Laienkünstlerinnen und -künstler sowie vier mehr oder weniger professionelle Künstler und Künstlerinnen. Die für den 24. Januar vorgesehene Preisverleihung findet allerdings zu einem späteren Zeitpunkt statt, da die Ausstellung wegen Corona erst am 6. November eröffnet wird.

Auch Bildhauer Stefan Lutterbeck aus Everswinkel war mit zwei Werken in der Krippenschau vertreten. Einmal mehr hatte er einen Anröchter Dolomitstein bearbeitet und in der Mitte mit einem Element aus Baumberger Sandstein kombiniert. Während die behauene, gesägte und geschliffene Dolomit-Platte fast schon einen bedrohlich wirkenden Rahmen bildet, zeigt das Sandstein-Element ein strampelndes, unschuldiges Neugeborenes. „Von dem Kind geht ein Strahlen aus, das auf die Umgebung teilweise überspringt“, beschreibt der Künstler die Darstellung. Das Strahlen findet seinen Widerhall in kleinen goldenen Stellen auf dem dunklen Dolomit.Die zweite Arbeit ist überraschenderweise nicht aus einem Stein, sondern aus Eichenholz gefertigt, die stark stilisiert die Anbetung der Könige zeigt. Das Holz wurde dazu geschnitzt, gebrannt und teilweise mit Blattgold belegt.

Schlicht ist das Werk des Telgters Wolfgang Kuhrmann. Er malte die „Heilige Familie“ mit Ölfarben auf eine Fasanenfeder, die er weiß rahmte. Unter Leitung von Claudia Jägering haben die jüngsten Preisträger im Alter von drei bis fünf Jahren eine Krippe mit Naturstall geschaffen. Die Figuren bestehen aus Wäscheklammern mit Holzkugeln als Köpfen. Alle sind mit Filz bekleidet, die Schafe aus Schafwolle geformt.

Die elfjährige Schülerin Luna Josephine Zimmer hat eine Sternschnuppe aus Holz ausgesägt, der Stern selbst besteht aus einer aufklappbaren Kiste mit einem erleuchteten Bild der Geburt im Stall. Die kindgerechte Umsetzung des Themas „Geheimnis“ fand die Jury preiswürdig.

Mit einfachen Mitteln, einer Pappkiste und weißem Papier schuf Dagmar Felsch ihre Krippe. Die Figuren sind aus Papier geschnitten, geformt und geklebt. Den Hintergrund in der Kiste bildet ein Kreuzworträtsel. Die „weiße Krippe“ überzeugte die Jury mit ihrer Schlichtheit und Eleganz.

Der älteste Aussteller der 80. Krippenausstellung war damals bei der Museums-Eröffnung sieben Jahre alt. Karl Wehling schnitzte aus hartem Kastanienholz zwei Jungen, die einen Steinbruch hochklettern. Er schrieb dazu: „Das ist unsere Lebensaufgabe – Arbeit wie in einem Steinbruch. (…) Bis wir den Steinbruch überwunden und hinter uns gelassen haben. Dann werden wir sehen, was wir gesucht und geglaubt haben: Gott ist Liebe.“ Der tiefe Glaube, der aus dieser Arbeit spricht, überzeugte die Jury.

Annette Hiemenz befasst sich seit 2003 mit Krippen. Sie modelliert die Figuren aus Pappmaché. Ihre Krippe ist von zwei Seiten zu betrachten. Auf der einen Seite schauen drei Hirten unterschiedlichen Alters erfreut in den Krippenstall. Über dem Stall schwebt die Heilig-Geist-Taube. Eine Junge zeigt auf den Stern. Der Krippenstall ist geheimnisvoll und menschenleer, aber gefüllt mit Symbolen zum Leben Jesu Christi: Die Windeln hängen auf der Leine, der Tisch mit Brot und Trauben steht in der Mitte des Stalls, und der Stieglitz auf den verwobenen Kreuzen verweist auf die Passion. Diese Mehrdimensionalität in Symbolik und Gestaltung überzeugte die Jury.

Der Diplomdesigner Jens Henning baute die Krippe mit dem Titel „Schattendasein“. Seine Skulptur besteht aus zusammengewürfelten Elektroschrottteilen. Erst wenn man den Schatten dieser Technikutensilien sieht, erkennt man auf der Wand das Kind in der Krippe. Die Umsetzung und auch der Titel – wie oft führt die Krippe ein Schattendasein? – machen diese Krippe preiswürdig.

Die Künstlerin Gabriele Bücker gestaltete ein interaktives Kunstwerk. Ihre Arbeit „Ausrichtung zum Licht – Hinwendung zum Menschen“ übersetzt einen spirituellen Prozess in greif- und sichtbare Bilder. Diese können aus emaillierten Kupferwürfeln, die auf Standen aufgezogen sind, von den Besucher entwickelt werden.

Der Holzbildhauer Konrad Saal schuf ein kleine Bronzekrippe. Die Heilige Familie ist reduziert, aber gleichzeitig lebendig modelliert, der Stall mit Stern nur angedeutet. Ebenfalls aus Bronze gegossen ist die Kuppelkrippe von Sabine Ackstaller und Moritz Schweikl aus dem Wettbewerb für eine neue Krippe in St. Augustinus in Gelsenkirchen. Alle einer Krippe zugehörigen Figuren und Tiere beugen sich über die Krippe, die selbst nicht zu sehen ist. Die Skulptur zeigt alle Figuren von hinten, so dass diese eine Kuppel bilden.

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