2000 bis 2500 Euro kostet ein Führerschein heute
Fahrschüler brauchen länger

Everswinkel -

Jacek Krause von der gleichnamigen Fahrschule stellt fest, dass die Motivation der jungen Menschen heutzutage woanders liegt. „Die Jugendlichen haben einen anderen Schwerpunkt. Sie sind nicht mehr so heiß da hinter her.“ Besonders deutlich werde das an der Verweildauer in der Fahrschule.

Sonntag, 24.01.2021, 12:28 Uhr
Der Startzeitpunkt des Führerscheins habe sich ebenfalls deutlich nach hinten verschoben. Während früher möglichst viele junge Menschen direkt mit 18 ihren Führerschein haben wollten, beginnen ihn viele mittlerweile erst mit Mitte zwanzig
Der Startzeitpunkt des Führerscheins habe sich ebenfalls deutlich nach hinten verschoben. Während früher möglichst viele junge Menschen direkt mit 18 ihren Führerschein haben wollten, beginnen ihn viele mittlerweile erst mit Mitte zwanzig Foto: dpa-tmn

Noch vor knapp zehn Jahren hat der Führerschein bei Jugendlichen auf der Prioritätenliste ganz weit oben gestanden. Mit 16 musste sofort der Rollerführerschein her - damit war man nicht nur mobil sondern cool.

Jacek Krause von der gleichnamigen Fahrschule merkt jedoch, dass die Motivation heutzutage woanders liegt. „Die Jugendlichen haben einen anderen Schwerpunkt. Sie sind nicht mehr so heiß da hinter her.“ Besonders deutlich werde das an der Verweildauer in der Fahrschule. Waren früher die Fahrschüler nach rund drei bis vier Monaten mit dem „Lappen“ durch, rechnet der Fahrlehrer mittlerweile mit mindestens einem halben Jahr. „Wir haben es auch oft, dass das Jahr verstrichen ist, ohne dass der Führerschein beendet wurde“, berichtet Krause aus seinen Erfahrungen. Dann müsse darauf geachtet werden, dass möglichst wenig Stunden verfallen. Mit der Corona-Pandemie gelten zudem weitere Sonderregelungen. So sind alle Anträge automatisch sechs Monate länger gültig.

Der Startzeitpunkt des Führerscheins habe sich ebenfalls deutlich nach hinten verschoben. Während früher möglichst viele direkt mit 18 ihren Führerschein haben wollten, beginnen ihn viele mittlerweile erst mit Mitte zwanzig. „Der Führerschein steht bei weitem nicht mehr an erster Stelle für die Jugendlichen“, erläutert der Fahrschulinhaber.

Die Zahl der so genannten Pflichtstunden (Autobahn-, Überland- und Nachtfahrt) hinterm Steuer fallen sehr gering aus: nur zwölf müssen absolviert werden – allerdings erst, wenn „der Fahrschüler eine gewisse Sicherheit aufweist“. Das könne manchmal schon etwas länger dauern. „Im Schnitt benötigen die Fahrschüler heutzutage um die 40 Fahrstunden. Wir haben aber auch immer wieder Ausreißer, die mit 60 nicht auskommen“, berichtet der Fahrlehrer. Wichtig sei es jedoch vor allem, dass ein Fahrschüler erst dann in die Prüfung geschickt wird, wenn er sich sicher fühlt und auch der Fahrlehrer das Können als ausreichend ansieht. Nicht nur die Anzahl an Stunden seien deutlich gestiegen, sondern auch die Kosten. „Wer heutzutage darüber nachdenkt einen Führerschein zu machen, sollte 2000 bis 2500 Euro kalkulieren.“

Mit dem erneuten Lockdown liegt die Fahrschule jedoch brach. „Vorher durften wir schon nur mit einem Fahrschüler im Auto sitzen. Ein zweiter, sodass weitere Strecken möglich sind, durfte nicht mitgenommen werden“, beschreibt Krause die letzten Monate. Auch die Theorie gestaltete sich schwierig, denn zu Anfang durfte keine Präsenzveranstaltung stattfinden. Später mussten die Abstände eingehalten werden: eine nahezu unmögliches Unterfangen in den Räumen der Fahrschule. Damit die Pflichtstunden in er Theorie trotzdem stattfinden konnten, bot Krause daher auch Online-Stunden an und verwies vor allem auf die digitale Möglichkeit des Lernens. „Die Vorschriften sind sowohl für die Schüler wie auch für uns irritierend und ändern sich häufig. Wir warten oft auf Informationen vom Fahrlehrerverband und dem Straßenverkehrsamt.“

Derzeit sind nur noch berufsbedingte Ausbildungsstunden, beispielsweise für Lkw-Fahrer oder für landwirtschaftliche Geräte erlaubt. Prüfungen sind jedoch zulässig – auch für Pkw-Fahrschüler. Ausweichen auf ein Simulationsgerät möchte Jacek Krause allerdings nicht. „Das ersetzt keine richtige Fahrstunde, sondern kann nur als Ergänzung genutzt werden.“

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