Ausschuss-Debatte um freien Eintritt für Feuerwehrleute ins Vitus-Bad
Was darf Wertschätzung kosten?

Everswinkel -

Wie kann die besondere Wertschätzung für ein besonderes Ehrenamt aussehen? Was darf sie kosten? Wie soll sie verbucht werden? Letztendlich blieb man im Hauptausschuss am Dienstagabend doch an den finanziellen Dingen hängen. Ganz anders, als sich die FDP das vorgestellt hatte. 

Donnerstag, 25.02.2021, 07:48 Uhr aktualisiert: 25.02.2021, 07:50 Uhr
Die FDP hatte angeregt, den Mitgliedern der Freiwilligen Feuerwehr als Freizeitausgleich einen freien Eintritt ins Vitus-Bad zu ermöglichen. Die Entscheidung darüber gestaltet sich nicht so einfach.
Die FDP hatte angeregt, den Mitgliedern der Freiwilligen Feuerwehr als Freizeitausgleich einen freien Eintritt ins Vitus-Bad zu ermöglichen. Die Entscheidung darüber gestaltet sich nicht so einfach. Foto: Klaus Meyer

Deren Vorstoß, das große Engagement der Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr mit ein wenig Freizeitausgleich in Form eines  freien Eintritt ins Vitus-Bad  zu würdigen, ließ sich dann doch nicht mal so eben durchwinken.

FDP-Fraktionssprecherin Kirsten Heumann warb intensiv für diese Idee. Die rund 100 Feuerwehrleute leisteten durchschnittlich 7000 Einsatzstunden im Jahr zuzüglich Übungs- und Sonderdiensten sowie Aufklärungsarbeit. Zudem stünden die Feuerwehrleute über die Alarm-Pieper Tag und Nach auf „Stand-by“. Jedes Mitglied opfere durchschnittlich 100 Stunden für die Allgemeinheit – und das in der Freizeit. Müsste die Gemeinde den Feuerschutz über eine Berufsfeuerwehr gewährleisten, so rechnete Heumann fix vor, so wären das bei rund 10 000 Stunden zu 10 Euro etwa 100 000 Euro Ausgaben im Haushalt. „Uns als Ratsmitgliedern obliegt es, dass der Notfalldienst funktioniert“, erinnerte sie an die politische Sorgfaltspflicht.

Eigentlich ist das, was geleistet wird, unbezahlbar.

FDP-Fraktionssprecherin Kirsten Heumann

Die FDP hatte Gespräche mit der Feuerwehr geführt „und gehört, dass die Kameradinnen und Kameraden mit Herz und Seele dabei sind“. Die wünschten sich gar kein Geld, gerne aber einen Freizeitausgleich. Der freie Eintritt ins Vitus-Bad wäre so ein Ausgleich. Heumann betonte, „es geht um Freizeit, die wir als Gemeinde für die Allgemeinheit beansprucht haben, wieder in die Familie der Feuerwehrleute zurückzugeben“. Die ehrenamtliche Tätigkeit der Feuerwehrmitglieder sei im Gegensatz zu anderen ehrenamtlichen Tätigkeiten „nicht planbar“. Mit dem Bad-Eintritt wolle man „Gesten sprechen lassen“ und Erfahrungen sammeln; denn damit soll dann noch nicht Schluss sein mit dem Thema Anerkennung. „Ich will gar nicht über Kosten sprechen, denn eigentlich ist das, was geleistet wird, unbezahlbar.“

Was ist aber nun bezahlbar? Was darf die Geste kosten? Diese Thematik rückte dann doch in den Blick. Jörg Edelbrock (CDU) begrüßte den Vorstoß der FDP, und es sei „völlig klar, dass das Engagement der Feuerwehr gar nicht hoch genug zu würdigen ist. Wir sind inhaltlich bei Ihnen“, so Edelbrock in Richtung Heumann, aber es sei zu klären, ob es eine Jahreskarte oder einen Zuschuss geben und wie das abgerechnet werden solle. „Das würden wir gerne noch besprechen“, statt eine vorschnelle Entscheidung zu treffen. Bernd Wesbuer (SPD) und Reimund Wernery (Grüne) bescheinigten der Feuerwehr ebenfalls eine „gute“ und eine „wertvolle Arbeit“, sprachen sich aber ebenso zunächst für weitere klärende Gespräche aus. Wesbuer verwies darauf, dass bezüglich des Vitus-Bades der GWE-Aufsichtsrat federführend in die Entscheidung einzubinden sei. Wernery indes erinnerte an die schon existierende Ehrenamts-Karte mit diversen Vergünstigungen. „Dieses Instrument gibt es schon“, vielleicht könne das Vitus-Bad da mehr ins Spiel gebracht werden.

Bürgermeister Sebastian Seidel trat schließlich auch erst mal auf die Bremse. „Von der Intention her finde ich den Antrag sehr gut. Von der Ausgestaltung her sollten wir verschiedene Dinge beleuchten“. Eben auch die finanziellen. „Wir müssen auch an unsere Gemeindefinanzen denken“, der GWE-Geschäftsführer könne nicht einfach mal so Jahreskarten kostenfrei herausgeben. Alle Ehrenämtler seien der „Kitt der Gesellschaft“, und die Freiwillige Feuerwehr sei „sicher ein besonderes Ehrenamt“, ohne die man eine Pflicht-Feuerwehr benötigen würde. „Und dann darf man da auch etwas anders mit der Wertschätzung umgehen.“ Seidel dachte laut darüber nach, ob man vielleicht einen Zuschuss zur Vitus-Bad-Jahreskarte gewähre, vielleicht 50 Euro. Für Heumann, die allen Parteien ins Gedächtnis rief, in ihren Wahlprogrammen die Förderung des Ehrenamtes stehen zu haben, ein unbefriedigender Vorschlag. „Das widerspricht unserem Grundgedanken. Ich mache doch nicht ein Geschenk und sage dann, die Hälfte hätte ich aber gerne als Beteiligung.“

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