Brennerei Gerbermann: Vier Medaillen und ein ausgefallenes Jubiläum
Hochprozentiges Handwerk

Alverskirchen -

Vier Mal am Start, vier Mal nach dem Zieleinlauf eine Medaille. Für einen Sportler nur ganz selten ein erfüllbarer Traum. Nun ist André Gerbermann kein Sportler in dem Sinne, aber ihm gelang diese sportliche Leistung. Vier Medaillen haben seine vier eingereichten Produkte der Kornbrennerei Gerbermann bei den „Craft Spirit Awards Berlin“ errungen. Es gibt aber auch einen Wermutstropfen.

Donnerstag, 25.03.2021, 08:12 Uhr aktualisiert: 25.03.2021, 11:26 Uhr
Freude bei Anne und André Gerbermann: Die vier eingereichten Tropfen wurden mit vier Medaillen ausgezeichnet.
Freude bei Anne und André Gerbermann: Die vier eingereichten Tropfen wurden mit vier Medaillen ausgezeichnet. Foto: Klaus Meyer

Es ist der sprichwörtliche Wimpernschlag. 0,75 Punkte auf einer Bandbreite von 100 Punkten. Ein Hauch von nichts, der am Ende zur Gold-Medaille fehlte. „Das war schon schade“, sagt André Gerbermann mit Blick auf die Flasche „Unser bester Dinkelkorn“ und die Urkunde auf dem Tisch. Aber der Alverskirchener Kornbrennerei-Chef zeigt dennoch ein zufriedenes Lächeln. Grund genug dafür gibt‘s nämlich. Vier seiner Produkte hat der Familienbetrieb zu den diesjährigen „Craft Spirits Berlin“ eingereicht, und vier Mal hat es Edelmetall bei den Awards „geregnet“.

Neben dem „besten Dinkel“ haben auch noch der „Feingereifte Emmer“ und der „Haselnussgeist“ Silber errungen, und für „Unser purer Emmer“ gab es noch Bronze. „Wir haben im letzten Jahr erstmalig mitgemacht, und da haben wir auch alle drei Produkte prämiert bekommen“, erzählt Gerbermann nicht ohne Stolz. Immerhin 471 „Spirits“ aus 25 Ländern waren diesmal eingereicht worden – von Deutschland und Europa bis nach Kanada, Mexiko, Japan und Russland. Das Besondere bei diesem Qualitätswettbewerb: Es geht um die besten handwerklich produzierten Spirituosen. Ins Rennen gehen also nicht die großen industriellen Brennerei-Unternehmen, sondern die mittelständischen und die Familien-Betriebe.

So sieht es in normalen Zeiten bei den Prüfungen zu den „Craft Spirit Awards“ aus. Diesmal lief es dezentral und digital.

So sieht es in normalen Zeiten bei den Prüfungen zu den „Craft Spirit Awards“ aus. Diesmal lief es dezentral und digital. Foto: Craft Spirits Berlin

Hier zählt – wie auch bei der jährlichen DLG-Bewertung, bei der Gerbermann-Produkte bereits Gold erzielten – echte Qualität. Hier testet eine Jury mit Fachleuten aus verschiedenen Ländern etwa Geruch, Geschmack, Balance und Typizität der Spirituosen in verschiedenen Kategorien. Das geschieht anonym als Blindverkostung. „Die wissen nicht, von welchem Hersteller oder aus welchem Land die Probe kommt“, erklärt Gerbermann. „Normalerweise ist das verbunden mit einem Festival, bei dem sich die Brennereien auch präsentieren können“, in einem alten Berliner Gemäuer, wo den Besuchern zudem Verkostungen und Vorträge geboten werden. Aber normal ist eben derzeit nicht, und so erfolgten die Bewertungen diesmal dezentral und digital, und die Auszeichnungen kamen später per Post.

Es ist schon interessant zu sehen, wo man steht.

André Gerbermann

„Ein Prüfer-Geschmack ist nicht immer der, den die breite Masse hat. Aber es ist schon interessant zu sehen, wo man steht, woran man noch arbeiten muss und ob man auf dem richtigen Weg ist“, sieht der Brennerei-Chef einen echten Nutzen in dem Wettbewerb. Abgesehen vom Schub fürs Image durch die glänzenden Medaillen. Gerbermann setzt auf die Produktion von A bis Z in den eigenen Händen.

Die Grundlage bilden die eigene Landwirtschaft und Rohstoffe aus der Region. Dinkel und Emmer werden selbst angebaut und veredelt. „Wir sind nicht so hochprozentig unterwegs. Es gelingt uns so, das Aroma des Rohstoffs besser erhalten zu können.“ So ist der nussige Geschmack des Dinkels auch im Destillat noch spürbar. Gerbermann kündigt schon einen Knüller an: „Im Sommer wird es den Dinkel auch als Whiskey geben“, zunächst als limitierte Auflage mit einem Fass. „Mal sehen, wie der Markt reagiert.“ Das Etikett für diesen besonderen Tropfen muss erst noch gestaltet werden.

Die Entwicklung eines neuen Produkts von der ersten Idee bis zur abgefüllten Flasche dauert im Durchschnitt fast ein Jahr. „Man tüftelt schon lange herum an der Sorte“, macht Gerbermann deutlich. „Wir machen das nicht, um einer Zielgruppe gerecht zu werden, sondern auch mit jedem Produkt eine neue Zielgruppe zu erreichen.“ Und: „Die besonderen Produkte sind in einer besonderen Zeit auch mehr gefragt.“

Hier reift etwas Besonderes: Im Sommer wird es einen Whiskey aus Dinkel geben.

Hier reift etwas Besonderes: Im Sommer wird es einen Whiskey aus Dinkel geben. Foto: Klaus Meyer

Die Kornbrennerei Gerbermann besteht nun im 151. Jahr. Das Jubiläum im vergangenen Jahr ist von der Corona-Welle förmlich weggespült worden. „Wir hatten Ideen und das eine oder andere angedacht – es sollte nicht sein“, blickt Gerbermann ohne Gram zurück. Selbst die IHK-Urkunde kam nur per Post. „Spannend ist für mich zu erleben, ob es 200 Jahre werden“, lacht er. 28 anregende Getränke hat der Familienbetrieb in seinem Programm. Wie sie produziert werden, kann man seit 2018 in der neuen „Gläsernen Brennerei“ nachvollziehen. Leider fehlen seit einiger Zeit zwangsläufig die Besuchergruppen. „2020 wäre ein super Jahr für uns gewesen“, verweist Anne Gerbermann auf die vielen Buchungen. Aber bis auf die Sommerzeit war nichts möglich. Dennoch: „Es war der beste Schritt, den wir machen konnten“, betont sie und freut sich über den großen Zuspruch. „Wir haben die Brennerei-Führungen auch, damit die Leute sehen, dass es echte Handarbeit ist“, ergänzt André Gerbermann. Und dieses Gefühl, diese Atmosphäre können Online-Verkostungen gar nicht vermitteln.

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