Endspurt an der Großbaustelle St.-Magnus-Kirche
Großes Werk vor der Vollendung

Everswinkel -

Auch wenn derzeit schon die Wischtücher und Bodenschrubber kreisen: Hier von „Frühjahrsputz“ zu sprechen, wie er derzeit in vielen Haushalten vollzogen wird, wäre wohl eine beispiellose Untertreibung. Aber, die Reinigungsmaßnahmen setzen schon ein Signal: In der St. Magnus-Kirche läuft der Endspurt der seit 15 Monate andauernden Sanierungsarbeiten. Der Termin der Wiedereröffnung naht, und zu dem feierlichen Pontifikalamt am 11. April um 11 Uhr wird auch Bischof Dr. Felix Genn erwartet.

Samstag, 27.03.2021, 08:45 Uhr aktualisiert: 27.03.2021, 08:50 Uhr
Nachdem die Gerüste verschwunden sind, beginnt der Kirchenraum bereits jetzt seine neue Wirkung zu entfalten.
Nachdem die Gerüste verschwunden sind, beginnt der Kirchenraum bereits jetzt seine neue Wirkung zu entfalten. Foto: Klaus Meyer

Die Gerüste im Inneren der Pfarrkirche sind restlos verschwunden, man ist bildlich gesprochen auf dem Boden der Tatsachen angekommen. Großflächig zeigt sich schon der neue Boden im Hauptschiff mit einer Kombination aus neuen Fliesen und den Holzbereichen, auf denen die Kirchenbänke wieder ihren Platz finden werden. An einigen Stellen öffnen Aussparungen den Blick auf die darunter liegenden alten historischen Fliesen. Glasplatten darüber werden künftig dauerhaft den Einblick in ein Stück Kirchengeschichte ermöglichen. Der Taufstein ist bereits unter die Gewölbevierung des nördlichen Seitenschiffs versetzt worden, die Pieta von 1460, „das Wertvollste, was wir haben“, so Projektausschussvorsitzender Werner Schniedermann , wartet darauf, ihren neuen Platz an der Stirnseite der Apsis auf der südlichen Seite einzunehmen. Im Chorraum, wo das Chorgestühl schon adäquat auf einem Holzboden aufgestellt wurde, ziehen die alten, wiederentdeckten und freigelegten Mettlacher Fliesen von Villeroy & Boch die Blicke auf sich und warten darauf, durch die noch zu fertigenden Reproduktionen vervollständigt zu werden.

Projektausschuss-Vorsitzender Werner Schniedermann, Pfarrer Pawel Czarnecki, Kirchenvorstand Heinz Kemker und Architektin Monika Göddeker (v.l.) zogen am Freitag eine erste Bilanz der Kirchen-Renovierung.

Projektausschuss-Vorsitzender Werner Schniedermann, Pfarrer Pawel Czarnecki, Kirchenvorstand Heinz Kemker und Architektin Monika Göddeker (v.l.) zogen am Freitag eine erste Bilanz der Kirchen-Renovierung. Foto: Klaus Meyer

„Die Vorfreude ist groß. Wenn ich täglich die Kirche betrete und sehe, wie das Ganze Gestalt annimmt – das macht Freude“, strahlt Pfarrer Pawel Czarnecki. Im Mittelpunkt des Eröffnungsgottesdienstes wird vor allem der neue Altar stehen, dessen zwölf von Bildhauer Stefan Lutterbeck bearbeitete und aus einem Baumberger Sandsteinblock stammende Einzelteile in der nächsten Woche in der Kirche zusammengefügt werden. Auch der neue Ambo erlebt in der Bildhauer-Werkstatt gerade seinen Feinschliff. „Was wir an dem Sonntag erleben, erlebt man wohl nur einmal im Leben“, spielt Pfarrer Czarnecki auf die Altar-Weihe an.

Im Vorfeld dieses besonderen Gottesdienstes kommt der Bischöfliche Privatsekretär nach Everswinkel und bringt auch die Reliquien zurück. „Es geht darum, alles so vorzubereiten, dass alles nach Plan abläuft“, so Czarnecki. Angesichts von mehr als 5 000 Katholiken in der Vitus-Gemeinde ist klar, dass nur ein Bruchteil der Gläubigen dabei sein kann. Gerade jetzt in der Pandemie-Zeit. „Wir haben eine ziemlich gute Lösung gefunden. Das war eine diplomatische Herausforderung“, erläutert der Pfarrer.

Die Bodenarbeiten sind fast fertig. Im Vordergrund eine der Stellen, an denen die alten Fliesen durch eine Glasscheibe sichtbar bleiben.

Die Bodenarbeiten sind fast fertig. Im Vordergrund eine der Stellen, an denen die alten Fliesen durch eine Glasscheibe sichtbar bleiben. Foto: Klaus Meyer

Die für das Renovierungsprojekt verantwortliche Architektin Monika Göddeker zieht nach den nunmehr insgesamt vier Jahren eine „sehr, sehr positive Bilanz“. Am Anfang stand eine grob skizzierte Aufgabe. Für sie galt es, die Menschen kennenzulernen, gemeinsam Pläne und Ideen zu entwickeln. „Das ist eine nicht zu verkennende Hauptaufgabe, die im Vorfeld geleistet werden muss und Grundvoraussetzung, dass ein Werk auch gelingt.“ Schniedermann spricht von „Glück, dass wir die wesentlichen Entscheidungen schon vor Corona getroffen haben.“ Was die Kosten anbelangt, so geht Kirchenvorstand Heinz Kemker „davon aus, dass wir nicht dramatisch abweichen. Wir kommen ziemlich hin.“ Noch sind ja auch noch nicht alle Dinge erledigt. „Wir haben noch ein paar Renovierungsarbeiten zu leisten“, verweist die Architektin auf das Kirchenportal, das Chorgestühl, die im Laufe des Sommers zu überarbeitende Fleiter-Orgel und die Fliesen. Die Ergänzungs-Repro-Fliesen für das große Bodenbild im Altar- und Chorraum werden nach alter Handwerkskunst gefertigt. Damit müsse sich der ausführende Betrieb intensiv mit beschäftigen und auch die für die originalgetreue Reproduktion erforderlichen Werkzeuge erst einmal bauen. „Das ist ein Prozess, der halt dauert“, und in Corona-Zeiten noch etwas mehr. 14 Wochen etwa, schätzt Göddeker. Es sei eben nicht wie bei einem neuen Auto-Modell, wo man mehrere Prototypen vor der Produktion fertige. Hier müsse alles sofort sitzen. „Man hat nur eine Chance.“

Steinmetz und Bildhauer Stefan Lutterbeck mit einem Teil der Blöcke für den neuen Altar, der nächste Woche aufgebaut wird.

Steinmetz und Bildhauer Stefan Lutterbeck mit einem Teil der Blöcke für den neuen Altar, der nächste Woche aufgebaut wird. Foto: Klaus Meyer

Die aktive Phase des Projekts sei eine „anspruchsvolle Zeit“ gewesen, und jede Entscheidung eine Konsensentscheidung. Mit der Arbeit an einem Jahrhunderte alten Gebäude, das auch eine fürs Münsterland prägende Verortung und tiefe Geschichte habe, „hinterlässt man nur einen kleinen Moment“, sagt Göddeker. „Wir bauen hier kein Museum, sondern das ist ein liturgischer Ort.“ Ein „prägender Ort für die Menschen, die hier wohnen“, ergänzt Czarnecki, der der Architektin ein großes Lob für ihre Arbeit ausspricht und die beteiligten Handwerker würdigt. „Ich habe die Freude und den Stolz in ihren Augen gesehen. Die Arbeit war grandios.“

„Das Spannendste an dem Projekt war, wie lebendig alles war. Dem gesprochenen Wort Gestalt zu geben, ist eine Herausforderung.“ Göddeker habe, so fügt Schniedermann an, die Ansprüche an Tradition und Modernität zusammengeführt, „sie hat die Modernität behutsam eingebracht.“ Die Architektin ist schon seit 20 Jahren im Geschäft. Solche Aufträge seien immer spannende, einzigartige Prozesse und jedes Mal Unikate. Die St. Magnus-Kirche war für sie „ein Projekt, das mir sehr am Herzen liegt.“

Pontifikalamt mit Bischof Genn und weitere Gottesdienste

Die aktuelle Corona-Lage bremst die Feierlichkeiten zur Wiedereröffnung der St. Magnus-Kirche. Nur 60 Personen werden beim Pontifikalamt am 11. April dabei sein können; die eine Hälfte davon Vertreter aus Politik, Gesellschaft und Aktive aus der Pfarrei, die andere Hälfte Mitwirkende an der Renovierung, Spender sowie Vertreter von Vereinen und Gremien. Die Teilnehmer der zweiten Hälfte werden per Zufallsprinzip ausgelost und benachrichtigt. Laut Pfarrer Czarnecki sei es „ein Gebot der Stunde, die Feier digital ins Netz zu stellen (Youtube-Kanal: St.Magnus-St.Agatha). Die Kirchengemeinde hat eine Firma mit der Übertragung beauftragt. Zudem sei die Idee entstanden, auf dem Kirchplatz eine Übertragung per Leinwand zu ermöglichen, an der eine bestimmte Zahl an Menschen unter den bekannten Hygiene- und Verhaltensregeln (Maske, Abstand, etc.) teilnehmen kann. Das Konzept sei bereits mit der Gemeindeverwaltung abgesprochen. „In der Vorfreude der Eröffnung“ wird es zudem vorher in der Kirche am Freitag, 9. April, um 20 Uhr einen „Abend der Lichter“ mit meditativer Andacht, am Samstag und Sonntag, 10./11. April jeweils um 18 Uhr eine Vesper sowie an jenem Sonntag um 21 Uhr ein Komplet geben. Anmeldungen dazu ab nächster Woche im Pfarrbüro. Ein Ordnungsdienst wird Zugangsberechtigungen und Einhaltung der Corona-Regeln kontrollieren. „Zu Ostern bleiben wir noch in der Festhalle“, so Pfarrer Czarnecki. -km-

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