Familienzentrum „zwinkel“ seit einem Jahr durch Corona eingeschränkt
Mit Zuversicht ins zweite Halbjahr

Everswinkel -

Die eigentliche Zielsetzung und Funktion steckt schon in der Bezeichnung: Familienzentrum. Ein Treffpunkt für alle Altersklassen. Ein Treffpunkt, an dem Familien Unterstützung erfahren. Das Everswinkeler „zwinkel“ gehört in Nordrhein-Westfalen zu den ersten ersten Einrichtungen, die ab 2007 entwickelt wurden. Seit einem Jahr nun sind Arbeit und Angebote eingeschränkt durch die Corona-Pandemie. Ein Gespräch über die Folgen fürs Familienzentrum in Everswinkel.

Samstag, 17.04.2021, 08:20 Uhr
Im Gespräch schildern Gabi Kirsch (r.) und Sandra Bucak, wie sich die Pandemie auf das Familienzentrum auswirkt.
Im Gespräch schildern Gabi Kirsch (r.) und Sandra Bucak, wie sich die Pandemie auf das Familienzentrum auswirkt. Foto: Klaus Meyer

Die eigentliche Zielsetzung und Funktion steckt schon in der Bezeichnung: Familienzentrum. Ein Treffpunkt für alle Altersklassen. Ein Treffpunkt, an dem Familien Unterstützung erfahren. Als vor 15 Jahren die ersten Familienzentren in NRW geschaffen wurden, war dies ein erfolgreicher Versuch, Eltern den Zugang zu niedrigschwelligen Unterstützungsangeboten zu erleichtern. „Mit der Weiterentwicklung von Kindertageseinrichtungen zu Familienzentren trägt das Land Nordrhein-Westfalen zu einer erweiterten Unterstützungsstruktur für Kinder und Eltern bei, um den wachsenden Herausforderungen an den Familienalltag zu begegnen“, heißt es seitens des Ministeriums für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration NRW. Das Everswinkeler „zwinkel“ in den Räumen der Kita „Weidenkorb“ war von Anfang an dabei. Seit nunmehr einem Jahr ist Sand im Getriebe – durch Corona. WN-Redakteur Klaus Meyer sprach mit Gabi Kirsch und Sandra Bucak über die Auswirkungen aufs Familienzentrum.

 

Ein Jahr Corona nun: Wenn Sie das fürs Familienzentrum bewerten, wie fällt da Ihr Urteil aus?

 

Kirsch: Einerseits war das Jahr 2020 für das Familienzentrum ein sehr positives Jahr. Wir mussten uns zum 4. Mal zertifizieren lassen, um das Gütesiegel des Landes NRW erneut zu erhalten. Anfang März 2020 mussten die Re-Zertifizierungsunterlagen in Berlin eingereicht sein, im Juni fand die Begehung des Zertifizierers statt, Corona-bedingt diesmal telefonisch. Anfang Juli 2020 durften wir uns über die erfolgreiche Re-Zertifizierung freuen. Allerdings hatte die Pandemie zu diesem Zeitpunkt das Kursusprogramm schon beinahe lahm gelegt. Wir mussten viele unserer Angebote absagen.

 

Auf der Homepage des zwinkels fällt das Thema Pandemie gar nicht auf . . .

 

Kirsch: Unter dem Punkt „Aktuelles Programm“ wurde und werden die Pandemie/Covid 19 thematisiert und die Kursusangebote mit Hinweisen versehen, ob und in welcher Form diese stattfinden. Wir bemühen uns mit unseren Angeboten, das Thema aufzugreifen. Kürzlich haben wir den Vortrag „Spielen in Corona Zeiten“ online durchführen können.

 

Was hat Sie denn am meisten geschmerzt im Corona-Jahr 2020?

 

Kirsch: Geschmerzt hat uns besonders, dass wir anlässlich der 4. Zertifizierung des Familienzentrums und des 25-jährigen Bestehens des Weidenkorbs den geplanten Tag der offenen Tür nicht stattfinden lassen konnten, um die Angebote und Kooperationspartner des zwinkels bei einem großen Fest noch einmal der Öffentlichkeit vorzustellen.

 

Bucak: Auch besondere, immer wiederkehrende Veranstaltungen für ein besonderes Klientel wie etwa die angehenden Schulkinder oder Ferienkreativkurse für Kinder und Jugendliche konnten erstmals im gewohnten Rahmen nicht durchgeführt werden.

 

Wann wurde das zwinkel von der Pandemie voll getroffen?

 

Kirsch: Bereits Mitte Februar 2020 wurde der erste Kursus als reine Vorsichtsmaßnahme abgesagt. Ab 16. März gab es dann ein Betretungsverbot, und fast alle Angebote konnten ab sofort nicht mehr stattfinden. Auch die alljährliche Familien- Ski- und Wanderfreizeit, die das zwinkel in der ersten Osterferien-Woche seit vielen Jahren organisiert, musste abgesagt werden. Glücklicherweise konnten alle abgeschlossenen Verträge, wie der Mietvertrag für das Selbstversorgerhaus und der Bus für die An- und Abreise, wieder rückgängig gemacht werden. Die Hoffnung auf eine Durchführung 2021 hat sich leider auch nicht erfüllt.

Wie viele Veranstaltungen und Kurse mussten Sie bislang absagen?

 

Bucak: Neben den festen und wiederkehrenden Angeboten wie zum Beispiel Geburtsvorbereitungskurse, Pekip, Tagespflegekursus, Internationales Eltern Café, etc. wurden zirka 80 Prozent der Vorträge und Kurse abgesagt.

 

Wie lange konnten Sie überhaupt in 2020 öffnen bzw. wie viele Monate sind Ihnen komplett verlorengegangen? Können Sie Ihren Besucher- bzw. Teilnehmerrückgang im Vergleich zum Vorjahr oder zu den Vorjahren in etwa benennen?

 

Bucak: In 2020 ist uns ein Dreiviertel-Jahr verloren gegangen, in dem wir kaum Angebote durchführen konnten. Obwohl die Nachfrage und Anmeldezahlen für die Kurse nach wie vor hoch waren, mussten wir aufgrund der geforderten Vorgaben der sich ständig änderten Corona-Schutzverordnung die Kurse absagen. Durch die Erfahrungen in 2020 haben auch wir mit unseren Kooperationspartnern gemeinsam die Kursusangebote für 2021 – wo immer es möglich ist – auch in digitalen Formaten geplant.

Wie früh und welche Schutz-/Vorsichtsmaßnahmen haben Sie für Ihre Besucher getroffen?

 

Kirsch: Bereits im März 2020 war es uns wichtig, dass unsere niederschwelligen Angebote stattfinden können. So wurde etwa für einen Geburtsvorbereitungskursus gemeinsam mit dem Ordnungsamt der Gemeinde Everswinkel und der Hebamme als Kursusleitung ein komplexes und aufwendiges Hygienekonzept erstellt, das es erlaubte, den Kursus stattfinden zu lassen.

 

Der Sommer schien dann für die Menschen ziemlich entspannt. Wie lief es bei Ihnen? Das war vermutlich die Zeit, in der auch Ihre Programme und Angebote Pause hatten, oder?

 

Bucak: Ja, in den Ferien ist unser Angebot von jeher begrenzt. Unserer laufender Kita-Betrieb mit Notgruppen und Betreuung in strikt getrennten Gruppen musste aufrechterhalten werden, und wir hatten uns nach wie vor an die Corona-Schutzverordnung zu halten.

 

Ein Baustein Ihrer Angebotspalette ist die Beratung für Familien. Wie sah es auf diesem Feld aus? Ist da zwangsläufig ein gewisses Beratungsvakuum entstanden oder können Sie in diesen Zeiten Hilfe leisten?

 

Bucak: Die im zwinkel verorteten Beratungsstellen waren jederzeit für uns und die Familien per Telefon oder per Mail erreichbar. Die Angebote wurden auch genutzt. Das Familienzentrum war hier als Vermittler und Bindeglied zuständig. Auch das Café Kinderwagen konnte als niederschwelliges Angebot an junge Familien mit Babys im ersten Lebensjahr über einen längeren Zeitraum unter besonderen Auflagen angeboten werden. Als dies nicht mehr in Präsenz möglich war, standen für die Eltern immer eine pädagogische Fachkraft und die Hebammen als Ansprechpartner telefonisch zur Verfügung.

 

Kirsch: Das Familienzentrum zwinkel ist Teil eines gut aufgestellten Netzwerks in der Gemeinde Everswinkel und sitzt in etlichen Arbeitskreisen des Netzwerkes. Diese Netzwerkarbeit trägt ebenso dazu bei, den Familien breitgefächerte Angebote und Hilfestellungen bieten zu können.

 

In den Medien wird berichtet, dass Kinder und Jugendliche besonders in dieser Pandemiephase durch mangelnde soziale Kontakte (Isolation), Bildung via Bildschirm und beschränkte Entfaltungsmöglichkeiten leiden. Teilen Sie diese Einschätzung?

 

Bucak: Ja sehr. Es gibt viele Kinder, die in sich gekehrt sind oder sehr impulsiv reagieren. Dies in den nächsten Monaten aufzufangen, wird für alle eine große Herausforderung sein.

Was können Sie Familien empfehlen, die mit vielfältigem Stress durch völlig veränderte Rahmenbedingungen und Tagesabläufe zu kämpfen haben? (Home-Schooling, Home Office, Betreuung der Kinder, kaum Kontakte, keine Ausflüge, keine Urlaubsreisen, . . .)

 

Kirsch: In diesen besonderen und herausfordernden Zeiten müssen Familien gut auf sich achtgeben und sich nicht scheuen, Hilfe einzufordern und auch die Hilfsangebote zu nutzen.

 

Inzwischen sind wir schon im April 2021 angekommen. Welche Erwartungen und Hoffnungen haben Sie für das Jahr? Glauben Sie an eine baldige Rückkehr zum Normalbetrieb? Was ist und was könnte bei Ihnen bald wieder möglich sein?

 

Bucak: Eine baldige Rückkehr zum Normalbetrieb ist leider schwer einschätzbar, weil sich fast täglich die Ereignisse ändern.

 

Kirsch: Wir sind auf alles gut vorbereitet, weiterhin werden die Hygienekonzepte umgesetzt, die Mitarbeiter nehmen zurzeit die Impfangebote wahr, und wir planen voller Zuversicht unser Programm fürs 2. Halbjahr 2021 und hoffen, dass wir dann auch wieder Präsenzveranstaltungen durchführen können.

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