Lesung mit Dietmar Bär auf Haus Nottbeck
Literarische Absage an den Krieg

Oelde-Stromberg -

Als Freddy Schenk kennt ihn die halbe Republik. Aber dass Dietmar Bär, den die Fernsehzuschauer unlängst zum beliebtesten „Tatort“-Kommissar wählten. auch ganz anders kann, erlebten annähernd 300 Besucher am Freitagabend im Torhaussaal von Haus Nottbeck.

Montag, 17.02.2014, 14:02 Uhr

Dem Schauspieler, der auch als Hörbuchsprecher gefragt ist und Romanfiguren bekannter Kriminalschriftsteller wie Håkan Nesser , Jacques Berndorf und Stieg Larsson seine Stimme verleiht, oblag es, die am zuvor im Literaturmuseum eröffnete Ausstellung „1914: text und krieg – krieg und text“ auch literarisch hörbar zu machen. Dazu benutzte Dietmar Bär Textvorlagen, die ihm die Ausstellung im Literaturmuseum und im Gartenhaus lieferte, von August Stramm, Gustav Sack und Paul Zech, die sich als zeitgenössische Dichter ausführlich mit dem weit verbreiteten Hurrapatriotismus vor dem Ersten Weltkrieg beschäftigten.

Doch bevor Bär die kritischen literarischen Geister zu Wort kommen ließ, rezitierte er anfangs Gedichte von Schriftstellern, die sich an dem Donnern der Geschütze und dem Kugelhagel in den Schützengräben geradezu berauschten, zu denen auch der als Heide-und Heimatdichter verehrte Hermann Löns gehörte.

Wie wenig die damalige Kriegsbegeisterung der Wirklichkeit auf den Schlachtfeldern bei Verdun und an der Somme standhielt, hat Bühnenbildner Jeremias Vondrlik eindringlich in der düsteren Ausstellung im Literaturmuseum in Szene gesetzt, wo sich der Besucher an die beklemmende Atmosphäre eines Feldlagers und unmittelbar an der Frontlinie versetzt fühlen kann.

„Wir wollten bewusst keine üblichen Vitrinen-Ausstellung machen, wie sie derzeit überall zu sehen sind“, sagte Prof. Walter Gödden, Leiter des Literaturmuseums in seiner Begrüßung, der von Studierenden der Universität Paderborn multimediale Texte und Videoeinspielungen erarbeiten ließ.

Mit ausdrucksstarker Stimme modulierte Bär die expressiven Texte, die im Publikum für atemlose Stille sorgten. Selbst der Dadaist Richard Huelsenbecks fand aufmerksames Gehör, der sich nicht nur kritisch mit dem Kriegsgeschehen, sondern mit der gesamten bürgerlichen Kunst auseinandersetzte. Einprägsamer lässt sich der Erste Weltkrieg kaum vor Augen führen.

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