Karl-Wilhelm Hild kandidiert nicht mehr für den Kreistag
Heißsporn mit Harmoniebedarf

Warendorf -

Sein Motiv, in den Kreistag zu gehen, hatte durchaus etwas mit Protest zu tun.

Samstag, 03.05.2014, 10:05 Uhr

„Verärgerung über die Ignoranz gegenüber den Interessen der Städte und Gemeinden“, sei der Auslöser gewesen, sagt Karl-Wilhelm Hild . 1994 begann der Warendorfer mit der Arbeit im Kreistag – und hatte zunächst zehn Jahre ein Doppelmandat. Denn bis 2004 arbeitete der Kriminalbeamte parallel weiter im Warendorfer Rat mit.

Wenn Hild jetzt nicht erneut für den Kreistag kandidiert, dann freut der 63-Jährige sich, weil der Ärger von damals nun Schnee von gestern ist. „Noch nie war das Verhältnis zwischen Kreis und Kommunen so entspannt wie heute“, meint Hild. Man nehme dem Kreis ab, dass er sich um ausgewogene Finanzen bemühe.

In den zurückliegenden 20 Jahren änderte der CDU-Politiker dabei auch selbst seine Perspektive. Beispielsweise sieht Hild Haus Nottbeck heute als Juwel an. Vor zwei Jahrzehnten wollte er noch vehement verhindern, dass der Kreis für dieses Kulturgut finanziell in die Bresche springt.

Aber auch andere hätten zur Entspannung zwischen Kreis und Kommunen beigetragen – auf vielfältige Weise. Als Fraktionsvorsitzender im Kreistag habe er selbst zweimal jährlich Treffen mit den CDU-Vorsitzenden der 13 Kommunen durchgeführt, bilanziert Hild. Außerdem sei das Klima zwischen den Fraktionen im Kreistag deutlich besser geworden. „Früher hatten wir ein reines Lagerdenken: CDU und FDP auf der einen Seite und SPD mit den Grünen auf der anderen.“

Beim Besuch der Landesgartenschau in Oelde habe er im Jahr 2001 ein gutes Gespräch mit dem damaligen Fraktionssprecher der Grünen, Eckehard Müller, geführt. Dies habe dann den „Wandel durch Annäherung“ eingeleitet. „2003 haben die Grünen dann erstmals den Haushalt durch Enthaltung passieren lassen.“

Aber auch zu anderen Fraktionen habe er gute Kontakte gepflegt, betont Hild – etwa zum SPD-Vorsitzenden Reimund Juli. Beide kannten sich aus dem Warendorfer Rat. „Es gab die Bereitschaft, miteinander zu reden.“ Und aufeinander zuzugehen. In der Sozialpolitik sei die SPD oft sogar „Schrittmacher“ gewesen, damit der Kreis davon wegkomme, „Reparaturbetrieb“ zu sein, räumt Hild ein. Und betont in diesem Zusammenhang: „Ich brauche Harmonie zum Arbeiten.“ Aber natürlich sei man dennoch nicht immer einer Meinung. „Ich bin Gewerkschafter, und mein Herz kann durchaus Argumente für das Sozialticket finden, das die SPD seit Jahren einführen will.“ Doch die enormen Ausgaben, die das zur Folge hätte, könne er einfach nicht akzeptieren.

Ganz aus der Politik verabschieden will der 63-Jährige sich am Ende doch nicht. Im Juni kandidiert er als Kreisvorsitzender der Senioren-Union. Aber dann muss er nicht mehr drei Stunden am Tag für die Politik aufbringen. „Ich werde mit meiner Frau viel reisen“, beschreibt Hild seine Pläne. „Mit dem Wohnmobil.“

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