Jobcenter hat gute Vermittlungsquoten – trotz hoher Personalfluktuation
400 Langzeitarbeitslose weniger

Kreis Warendorf -

Das Jobcenter betreut seit Januar 2012 die Langzeitarbeitslosen im Kreis Warendorf. Wie diese Aufgabe gemeistert wird, darüber sprach Redakteurin Beate Kopmann mit Petra Schreier, Leiterin des Jobcenters.

Mittwoch, 19.11.2014, 09:11 Uhr

Der Personalrat der Kreisverwaltung kritisiert die schlechte Personalsituation im Jobcenter . Es wird ein Betreuungsschlüssel von 1:100 empfohlen, in Spitzenzeiten habe er aber bei 1:175 Realität gelegen.

Schreier : Dieser Betreuungsschlüssel bezieht sich auf die Bewilligung und Auszahlung von Leistungen. Eine offizielle Vorgabe dafür gibt es nicht, wünschenswert wäre aber ein Schlüssel von 1:110. Die vom Bund bereitgestellten Mittel reichen dafür aber nicht. Dennoch wird dieser Wert in unserer wichtigsten Anlaufstelle, nämlich in Ahlen, erreicht. Kreisweit liegt der Betreuungsschlüssel bei 1:130. Es stimmt, dass die Sachbearbeiter zeitweise für mehr Bedarfsgemeinschaften zuständig waren. Das liegt vor allem an der derzeit hohen Personalfluktuation .

Warum gelingt es dem Jobcenter nicht, Mitarbeiter langfristig zu binden?

Schreier: Alle Jobcenter suchen händeringend geeignete Sachbearbeiter, die auf dem Arbeitsmarkt nicht leicht zu finden sind. Um auf Engpässe kurzfristig zu reagieren, haben wir sechs Springerstellen geschaffen. Die Bezahlung entspricht dem Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes, der auch in allen umliegenden Jobcentern in kommunaler Trägerschaft gilt. Die Arbeit im Jobcenter ist anspruchsvoll. Es liegt in der Natur der Sache, dass sich immer wieder unterschiedliche Positionen zwischen Sachbearbeiter und Leistungsberechtigtem ergeben. Ich muss aber betonen, dass der weit überwiegende Teil meiner Mitarbeiter mit viel Herzblut und großem Engagement im Jobcenter arbeitet.

Der Kreis Warendorf hat das Jobcenter übernommen, weil man der Meinung war, die Langzeitarbeitslosen besser vermitteln zu können als die Arbeitsagentur . Hat sich diese Erwartung bestätigt?

Schreier: Ja, die Option war der richtige Schritt. Sie ist ein Erfolg. Als wir 2012 die Verantwortung für das Jobcenter übernommen haben, waren über 67 Prozent unserer Kunden länger als zwei Jahre im Leistungsbezug. Diese Quote liegt jetzt bei 60,9 Prozent. Und im nächsten Jahr wollen wir sie auf 59 Prozent senken. Auf Landes- und Bundesebene liegt die Quote übrigens immer noch bei über 67 Prozent. Konkret bedeutet unser Erfolg, dass 2013 im Kreis etwa 400 Menschen weniger von Langzeitarbeitslosigkeit betroffen waren als im Jahresdurchschnitt 2011 – dem Jahr, bevor wir das Jobcenter übernommen haben.

Arbeitsministerin Nahles will Langzeitarbeitslosen mit hohen Lohnzuschüssen die Rückkehr in den Job ermöglichen. So soll der Staat bis zu 100 Prozent des Lohns übernehmen. Halten Sie diesen Weg für richtig?

Schreier: Fakt ist, dass die konjunkturelle Entwicklung an den Langzeitarbeitslosen weitgehend vorbei geht. Neue Instrumente wären wünschenswert – doch da ist nichts spruchreif. Wichtig wäre es, der Gruppe der nur schwer oder gar nicht vermittelbaren Langzeitarbeitslosen die Möglichkeit zu öffnen, über sinnvolle Tätigkeiten am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben und einen Beitrag zu leisten.

Wie könnte dieser Beitrag aussehen?

Schreier: Tätigkeiten, die sinnvoll, aber nicht mehr finanzierbar sind, existieren in jedem Betrieb und in jeder Stadt und Gemeinde. Früher gab es den Arbeitnehmer, der zum Beispiel Botendienste erledigt hat. Diese einfachen Tätigkeiten werden heute aus Kostengründen zunehmend vom Fachpersonal mitgemacht.

Der Bund hat die finanzielle Ausstattung der Jobcenter gekürzt. Ist dieser Sparkurs der Grund, warum die Vermittlung von Langzeitarbeitslosen im Moment so schleppend läuft?

Schreier: Neben den finanziellen Mitteln müssen wir die Möglichkeit haben, diese sinnvoll einzusetzen. Die Vermittlung von Langzeitarbeitslosen ist ein sehr komplexer Vorgang, weil oft mehrere Hindernisse, die einer Vermittlung im Wege stehen, beseitigt werden müssen. Dafür benötigen wir entsprechende rechtliche Instrumente. Diese waren bisher zu sehr auf die Arbeitslosen ausgerichtet, die leichter zu vermitteln sind. Dabei müssten eher die präventiven Ansätze, die im Grunde schon im Kindergarten anfangen, ausgebaut werden.

Wie viele Langzeitarbeitslose betreut das Jobcenter Kreis Warendorf?

Schreier: Derzeit sind es rund 7000 Langzeitleistungsbezieher.

Die Übernahme des Jobcenters ist zunächst befristet. Können Sie sich vorstellen, die Betreuung der Langzeitarbeitslosen wieder zurück an die Arbeitsagentur zu geben?

Schreier: Es gibt keine zeitliche Befristung. Wir haben diese Aufgabe dauerhaft übernommen – und machen das nach wie vor gerne.

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