Hörspiel zur „Straße der Diebe“
„Kunst kann viel bewegen“

Kreis Warendorf -

Inklusion ist derzeit eines der bestimmenden Themen in der Diskussion um zukunftsweisende Museumskonzepte. Ein Modellprojekt des Museums für Westfälische Literatur in Oelde beschreitet nun mit einem außergewöhnlichen Kooperationsprojekt neue Wege in der Museumsarbeit: Hauptakteure einer experimentellen Hörspielproduktion sind Jugendliche einer heilpädagogischen Wohngruppe des Kreises Warendorf.

Donnerstag, 11.06.2015, 10:06 Uhr

Kann man Jugendliche motivieren, über mehrere Tage an einem ambitionierten Hörspielprojekt mitzuwirken? mit einem klaren „Ja!“ beantwortet Projektleiterin Saskia Lippold , die zurzeit ein wissenschaftliches Volontariat auf dem Kulturgut Haus Nottbeck in Oelde innehat, diese Frage.

Die Zielsetzung des Projekts ist durchaus ehrgeizig: den Jugendroman „Die Straße der Diebe“ des westfälischen Autors Ralf Thenior in ein Hörspiel zu verwandeln. Die Grundlage bilden von den Jugendlichen geschriebene Texte, die während eines viertägigen Schreibworkshops auf Haus Nottbeck entstanden sind.

„Nachdem die ersten Hemmschwellen überwunden waren, entwickelte sich das Unternehmen zu einem Selbstläufer. Ich bin vor allem überrascht, welche Kreativität die Jugendlichen während des Workshops entwickelten. Die Rolle als passive Teilnehmer hatten sie bald abgelegt und wollten sich aktiv einbringen“, so Lippold weiter. Die 16-jährige Irina fasste dies in Worte: „Ich finde das Buch war ein auf und ab. Ich konnte mich an manchen Stellen mit den Hauptfiguren identifizieren.“ Irina wohnt gemeinsam mit ihrem Bruder in der heilpädagogischen Wohngruppe .

Vier Tage lang arbeiteten und lebten die acht Jugendlichen aus der Wohngruppe im Gästehaus des Kulturguts. Auf langen Papierstreifen fassten sie zunächst zentrale Stationen des Romans zusammen. Im zweiten Schritt machten sich die Jugendlichen daran, ihre eigene Situation auf der Grundlage des Romans selbst zu beschreiben. Hannes, die Hauptfigur von „Die Straße der Diebe“, ist fünfzehn Jahre alt und aus einem Kinderheim in der Nähe von Lemgo abgehauen. Die Beziehung zu seinen Eltern ist nahezu abgebrochen.

„Kunst kann viel bewegen“, sagt Lippold. Aber es bedarf Impulse wie eines solchen Workshops, bei dem nicht nur Geschichten, sondern auch Gedichte, Briefe und Tagebuchaufzeichnungen entstanden. „Am besten hat mir das Schreiben und Diskutieren gefallen“, erzählte der 19-jährige Kevin. „Man lernt viel, weil man sieht, wie die Personen im Buch ihre Probleme gelöst haben.“

Begleitet wurden die Jugendlichen während des Workshops von der Potsdamer Tonmeisterin Antje Volkmann. Alle Diskussionen und Texte wurden von ihr aufgezeichnet und bilden die Grundlage für die Hörcollage, die die einzigartige Auseinandersetzung mit dem Jugendroman „Die Straße der Diebe“ festhält. Ab Ende August kann man die Ergebnisse auf der Webseite „www.hannes-recorded.de“ anhören. Alle Schreibaufgaben, Diskussionsthemen und Informationen rund um diesen Workshop können auf der Internetseite nachgelesen werden.

Fazit der Veranstalter: Ein Projekt, das Schule machen sollte. Interessierten, vor allem Lehrern, sei es zur Nachahmung empfohlen. Besonders in Zeiten, in denen viel über Inklusion geredet wird.

 

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