Querelen im Kreisgeschichtsverein
Kritik an Leidingers Alleingang

Kreis Warendorf -

Wie geht es weiter mit dem Kreisgeschichtsverein? Das ist offen. Geklärt sind dagegen einige Fragen, die sich bei der letzten Mitgliederversammlung ergeben haben.

Dienstag, 24.05.2016, 08:05 Uhr

Prof.Dr. Paul Leidinger hat nach Auffassung des Kreises in mehreren Punkten seine Kompetenzen als Vorsitzender des Kreisgeschichtsvereins überzogen und ohne notwendige Vorstandsbeschlüsse gehandelt.
Prof.Dr. Paul Leidinger hat nach Auffassung des Kreises in mehreren Punkten seine Kompetenzen als Vorsitzender des Kreisgeschichtsvereins überzogen und ohne notwendige Vorstandsbeschlüsse gehandelt. Foto: Allendorf

Wie berichtet, war es zu einer persönlichen Abrechnung zwischen dem Vorsitzenden Professor Dr. Paul Leidinger und seinem Stellvertreter Stefan Wittenbrink gekommen.

Um das Ergebnis vorwegzunehmen: Das Rechtsamt des Kreises ist der Auffassung, dass Leidinger seine Kompetenzen überschritten hat. Unter anderem weist das Rechtsamt darauf hin, dass Leidinger ohne Abstimmung mit dem Vorstand den Band 3 der Kreisgeschichte in Auftrag gab – und auch die Anweisung für eine Abschlagszahlung an den Historiker Jürgen Gojny, der für Band 3 bereits 9000 Euro erhalten hat.

Der Kreis gab die Kreisgeschichte in Auftrag. Die Bände 2 und 3 sind nur eine Fortsetzung.

Professor Dr. Paul Leidinger

Die Honorarfrage war Auslöser des ganzen Zoffs. In der jüngsten Mitgliederversammlung hatte Leidinger kurzfristig eine Satzungsänderung beantragt. Denn Gojny war im Lauf seiner mehrjährigen Arbeit dem Kreisgeschichtsverein beigetreten. Und „Mitglieder“ – so sieht es die Satzung vor – „erhalten keine Zuwendungen aus den Mitteln des Vereins“. Diesen Satz wollte Leidinger streichen lassen – wovon sich die Versammlung überrumpelt fühlte. Auch das Rechtsamt des Kreises hält eine Satzungsänderung nicht für erforderlich, da für Band 2 und 3 der Kreisgeschichte ein Werkvertrag geschlossen wurde – mündlich: zwischen Leidinger und Gojny. Nur habe Leidinger dies im Alleingang durchgezogen, ohne gültigen Vorstandsbeschluss.

Rückendeckung vom Kreis erhielt dagegen der von Leidinger attackierte Stefan Wittenbrink. Dass er eine Zahlung für die Restaurierung der Äbte-Porträts der Abtei Liesborn angewiesen hatte, entspreche einem Vorstandsbeschluss, den Leidinger nicht umgesetzt habe.

Die Bände 2 und 3 kosten den Verein 55 000 bis 60 000 Euro.

Stefan Wittenbrink

Letzterer wiederum ist der Auffassung, dass sich das Rechtsamt irrt: Schließlich habe der Kreis die Kreisgeschichte in Auftrag gegeben. Die Bände 2 und 3 seien nur eine Fortsetzung. Allerdings eine kostenschwere, betonte Wittenbrink auf Anfrage. „Die Bände 2 und 3 kosten den Verein 55 000 bis 60 000 Euro.“ In der Vergangenheit hatte es mehrfach Kritik an den umfangreichen Bänden gegeben, die am Ende oft „Ladenhüter“ sind.

Wie sich alles weiterentwickeln wird, ist offen. Das Rechtsamt spricht sogar von der Möglichkeit, dass der Verein von seinem Vorsitzenden Schadensersatz fordern könnte. Bis zum 1. Juli soll eine außerordentliche Mitgliederversammlung stattfinden. Bleibt zu hoffen, dass der Verein wieder in ruhigeres Fahrwasser findet.

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