Flüchtling erhält keine Arbeitserlaubnis
Zum Nichtstun verurteilt

Ostbevern -

In Ostbevern ist Ramin Sarwari kein Unbekannter. Oft ist der Flüchtling aus Afghanistan ehrenamtlich als Übersetzer im Einsatz – begleitet seine Landsleute zum Arzt oder zu Behörden. Und eigentlich hätte er ab dem 1. Oktober auch einen festen Job.

Freitag, 16.09.2016, 16:09 Uhr

Ramin Sarwari kommt aus Afghanistan und hat in Deutschland Asyl beantragt. Das Vinzenzwerk in Handorf will ihn einstellen, damit er minderjährige unbegleitete Flüchtlinge aus seinem Heimatland betreut. Aber dafür gibt es keine Genehmigung.
Ramin Sarwari kommt aus Afghanistan und hat in Deutschland Asyl beantragt. Das Vinzenzwerk in Handorf will ihn einstellen, damit er minderjährige unbegleitete Flüchtlinge aus seinem Heimatland betreut. Aber dafür gibt es keine Genehmigung. Foto: Kopmann

Das Vinzenz-Werk in Handorf will den 26-Jährigen als Mitarbeiter im Bundesfreiwilligendienst einstellen. Er soll minderjährige unbegleitete Flüchtlinge aus seinem Heimatland betreuen. Eine Aufgabe, die ihm quasi auf dem Leib geschneidert ist. Aber daraus wird vorerst nichts. Denn die Ausländerbehörde des Kreises Warendorf gibt dem jungen Mann keine Arbeitserlaubnis . Er ist zum Nichtstun verurteilt.

Das macht der junge Mann zwar nicht. „Ich will arbeiten“, unterstreicht Ramin , der sehr gut Deutsch spricht und seit einem Jahr bei Ulla und Heinz-Josef Zumhasch mit im Haus lebt, dort quasi Familienanschluss hat.

Dass Ramin in Deutschland bleiben wird, das steht für die Zumhaschs nach Rücksprache mit Rechtsanwälten außer Frage. Afghanistan gehört zwar zu den Ländern, die keine „gute“, sondern nur eine „mittlere Bleibeperspektive“ haben. Aber bei Ramin Sarwari kommt hinzu, dass er in Afghanistan für einen Zulieferer der Bundeswehr gearbeitet hat: für die Firma Ecolog. „Wegen meiner Arbeit für die Bundeswehr fühle ich mich von den Taliban bedroht“, erzählt der 26-Jährige, dessen Asylantrag seit Juli 2015 läuft.

Wegen meiner Arbeit für die Bundeswehr fühle ich mich von den Taliban bedroht

Ramin Sarwari 

Nach Darstellung des Kreises hält sich die Ausländerbehörde aber nur an Recht und Gesetz. Ordnungsamtsleiter Ralf Holtstiege betont: „Dem Wunsch von Herrn Sarwari, den Bundesfreiwilligendienst anzutreten, steht die aktuelle Gesetzeslage leider im Weg. Diese besagt, dass nur Asylbewerber mit guter Bleibeperspektive eine Möglichkeit haben, daran teilzunehmen.“ Und das sind derzeit Asylbewerber aus Syrien, Irak, Iran, Eritrea und Somalia. Afghanistan zählt laut Vorgabe des Bundesinnenministeriums nicht zu diesen Ländern. „So gern der Kreis auch anders entscheiden möchte, in der Angelegenheit sind uns die Hände gebunden“, sagt Holtstiege.

Vor zweieinhalb Monaten hatte sich Ramin auch noch um einen Ferienjob als Gebäudereiniger beworben. Die Ferien sind längst vorbei. Aber vor drei Tagen erteilte die Zentrale Auslands- und Fachvermittlung in Duisburg jetzt endlich die Arbeitsgenehmigung. Vielleicht kann der junge Afghane demnächst also einen 450-Euro-Job machen. Ob ihm das mehr hilft, sich in Deutschland zu integrieren?

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