Flüchtlinge in Arbeit integrieren
Qualifizierung ist ein Marathon

Kreis Warendorf -

Die zweite Flüchtlingswelle im Herbst vergangenen Jahres hat auch die Arbeitsagentur überrascht.

Dienstag, 29.11.2016, 10:11 Uhr

Führten eine angeregte Diskussion: Umeda Pirmamadova, Arbeitsagenturchef Joachim Fahnemann, Moderator Abdul-Ahmad Rashid, Islamwissenschaftlerin Lamya Kaddor und Burkhard Pieper, Personalleiter bei der Beumer Group Beckum.
Führten eine angeregte Diskussion: Umeda Pirmamadova, Arbeitsagenturchef Joachim Fahnemann, Moderator Abdul-Ahmad Rashid, Islamwissenschaftlerin Lamya Kaddor und Burkhard Pieper, Personalleiter bei der Beumer Group Beckum. Foto: Schniederjürgen

Dieses Eingeständnis machte der Geschäftsführer der Arbeitsagentur Ahlen-Münster, Joachim Fahnemann , bei einer Diskussion zum Thema „Einwanderung – Herausforderung oder Chance?“ im Rahmen eines „Business-Talks“ in der Lohnhalle der Zeche Westfalen Ahlen .

Anders als die Syrer, die im Frühjahr 2015 gekommen und zum Teil hoch qualifiziert gewesen seien, hätten die über die Balkan-Route Geflüchteten deutlich geringere Qualifikationen mitgebracht. Umso bemerkenswerter sei es, wenn die Maschinen- und Anlagenbaufirma Beumer in Beckum mit 4000 Mitarbeitern weltweit ihre Lehrwerkstätten für Flüchtlinge öffne und sie dort ein Praktikum absolvieren lasse. „Wir haben bislang aber niemanden eingestellt“, schränkte Burkhard Pieper , Personalleiter bei der Beumer Group, ein. Allerdings habe man in der Vergangenheit zahlreiche Mitarbeiter mit Migrationshintergrund eingestellt.

Auf die Frage von Moderator Abdul-Ahmad Rashid, Islamwissenschaftler und Mitglied in der ZDF-Redaktion „Kirche und Leben“, ob es zutreffe, dass viele Syrer Ärzte und Ingenieure seien, meinte Lamya Kaddor, dass Medizin und Pharmazie bei jungen Syrern mit Einser-Abitur hoch im Kurs ständen. Für den Bildungsstandard Syriens spreche auch, dass das syrische Abitur in Deutschland anerkannt werde, sagte die Islamwissenschaftlerin mit Ahlener Wurzeln, die mit ihrem vor kurzem veröffentlichten Buch „Die Zerreißprobe“ großes öffentliches Aufsehen erregt hat.

Umeda Pirmamadova aus Tadschkistan ist eine dieser gut ausgebildeten Geflüchteten, die seit zwei Jahren in Deutschland lebt und sich durch die Beratung am Integration Point der Arbeitsagentur gut begleitet fühlt. Sie habe auch bereits einen Praktikum machen können, berichtete die Medizinerin.

60 Prozent der Flüchtlinge sei unter 35 Jahre stellte Fahnemann fest, viele gehörten zur Altersgruppe zwischen 14 und 25 Jahren. Sie stellten eine großes Arbeitskräftepotenzial dar, aber ihre Qualifizierung sei eben kein Kurzstrecken-, sondern ein Marathonlauf.

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