Gastronomie-Betreiber protestieren
Ja zur Hygiene – Nein zur Ampel

Kreis Warendorf -

Heiko Weitenberg nimmt kein Blatt vor den Mund. „Ich bin Koch aus Leidenschaft“, sagt der Inhaber des Landgasthauses Hohen Hagen bei Ennigerloh. Dass er aber immer mehr Zeit mit Dokumentation verbringen muss, stinkt dem Gastronomen. Und vielen seiner Kollegen.

Freitag, 31.03.2017, 07:03 Uhr

Nein zur Hygiene-Ampel sagen (v. l.): Renate Dölling (Dehoga-Geschäftsführerin, Martina Mersch (Ringhotel Mersch in Warendorf), Michael Mersbäumer (Gasthof Mersbäumer in Ostbevern), Thomas Kliewe (Hotel Westfälischer Hof in Beckum) und Heiko Weitenberg (Landgasthaus Hohen Hagen in Ennigerloh).
Nein zur Hygiene-Ampel sagen (v. l.): Renate Dölling (Dehoga-Geschäftsführerin, Martina Mersch (Ringhotel Mersch in Warendorf), Michael Mersbäumer (Gasthof Mersbäumer in Ostbevern), Thomas Kliewe (Hotel Westfälischer Hof in Beckum) und Heiko Weitenberg (Landgasthaus Hohen Hagen in Ennigerloh). Foto: Beate Kopmann

Insbesondere gegen die vom Land vorgeschriebene Hygiene-Ampel macht Weitenberg mobil – zusammen mit Berufskollegen, die alle dem Deutschen Hotel- und Gaststättenverband ( Dehoga ) angehören. Die Ampel soll dem Verbraucher signalisieren, dass der Betrieb hygienisch arbeitet.

„Vor allem ärgert uns, dass die Dokumentation wichtiger ist als die Hygiene selbst“, sagt Weitenberg, der Dehoga-Kreisvorsitzender ist, und nennt ein Beispiel: „Angenommen in einem Betrieb gäbe es Mäuse und Ratten, dann kriegten wir dafür vier Punkte Abzug. Sollte aber die Dokumentation darüber fehlen, dass es gar keinen Schädlingsbefall gibt, dann würden gleich 16 Punkte abgezogen.“

Auch andere bürokratische Auflagen – wie etwa das Arbeitsschutzgesetz – nerven die Gastronomen. „Nach zehn Stunden muss die komplette Mannschaft ausgetauscht werden, weil keiner länger arbeiten darf“, empört sich Thomas Kliewe vom Hotel Westfälischer Hof in Beckum. „Bei einer Hochzeit ist das sogar gegen die Gastfreundschaft.“ Und sehr oft sei dieses Gesetz nicht im Sinne der Beschäftigten. „Viele Frauen zum Beispiel würden am Wochenende lieber viel arbeiten und dafür in der Woche frei haben. Aber das scheitert am Gesetzgebet.“ Noch dazu müssten die Arbeitszeiten peinlich genau dokumentiert werden – jedenfalls bis zur Verdienstgrenze von 2400 Euro im Monat. Alles, was darüber liegt, spielt keine Rolle mehr.

Unsere Speisekarten sehen inzwischen aus wie Beipackzettel.

Martina Mersch

„Früher ging etwa 30 Prozent der Büroarbeit für die Dokumentationspflicht drauf – aber heute sind es locker 70 Prozent“, ergänzt Michael Mersbäumer vom gleichnamigen Gasthof in Ostbevern. „Wir würden aber lieber 70 Prozent dieser Zeit für unsere Gäste investieren und nur 30 Prozent in die Dokumentation.“

Martina Mersch vom Ringhotel Mersch in Warendorfkritisiert die Allergen-Kennzeichnung auf den Speisekarten, die seit zwei Jahren verpflichtend ist. „Unsere Speisekarten sehen inzwischen aus wie Beipackzettel.“ Gedacht seien diese Hinweise, damit die Gäste sich nach den Zusatzstoffen erkundigen können. „Das hat aber noch nie einer gemacht.“

„Wir haben keine Angst vor der Ampel, aber wir haben keine Zeit, nur zu dokumentieren“, fasst Kliewe die Position der heimischen Gastronomen zusammen.

Im Übrigen sei die Branche es leid, ständig unter Generalverdacht zu stehen – etwa bei der Kassenprüfung, bei der sogar ein Cent-Protokoll gefordert werde. „Dabei hat es Lebensmittel-Skandale in der Gastronomie noch nie gegeben“, betont Renate Dölling, Dehoga-Geschäftsführerin. „Viel sinnvoller wäre es, die Produzenten oder auch die Industrie zu kontrollieren.“

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