Erika Wahlbrink
Verfechterin des innovativen Handwerks

Kreis Warendorf -

Sie hat nie großes Aufsehen darum gemacht, dass sie eine von wenigen Frauen an der Spitze einer Handwerksorganisation in Deutschland war.

Freitag, 23.06.2017, 12:06 Uhr

Zehn Jahre hat Erika Wahlbrink als Kreishandwerksmeisterin dem Handwerk in den Kreisen Steinfurt und Warendorf ein Gesicht gegeben.
Zehn Jahre hat Erika Wahlbrink als Kreishandwerksmeisterin dem Handwerk in den Kreisen Steinfurt und Warendorf ein Gesicht gegeben. Foto: Kreishandwerkerschaft

„Natürlich gab es das Thema Männerdomäne. Aber ich wollte immer inhaltlich arbeiten. Mit guter Vorbereitung und am Puls der Zeit – das schafft Vertrauen“, ist Erika Wahlbrink überzeugt. Nach zehn Jahren an der Spitze der Kreishandwerkerschaft Steinfurt-Warendorf tritt die Friseur-Meisterin aus Ibbenbüren zum Monatsende als Kreishandwerksmeisterin ab. Bei der turnusgemäßen Wahl am 29. Juni kandidiert sie nicht mehr. Wahlbrink prägte die Kreishandwerkerschaft nicht zuletzt als Verfechterin von Handwerk mit hohem Qualitätsanspruch.

„Ich hatte immer zwei Anliegen: Ich wollte den Menschen Handwerk zum Anfassen nahebringen und ich habe darum geworben, Handwerk als Dienstleistung zu verstehen“, sagt sie. Ersteres gelang ihr zum Beispiel, indem sie ihre Gesprächspartner aus Politik und Gesellschaft nahe ans Geschehen brachte. „Wann immer es ging, habe ich Rundgänge in Werkstätten oder in der Fertigung gemacht und die Gäste aufgefordert, ihre Sinne zu nutzen: ,Riechen Sie mal, wie das Holz riecht. ,Schauen Sie mal, wie filigran diese Arbeit ist’.“ Dabei habe sie den Gesprächspartnern immer vor Augen geführt, was die Gewerke leisten.

Nach all den Jahren in vielen Handwerksgremien auf Kreis-, Landes- und Bundesebene ist Wahlbrink noch immer fasziniert, wie Handwerk Tradition und Moderne verbindet. „Ich wollte immer ein Handwerk, das modern und innovativ ist“, so die scheidende Kreishandwerksmeisterin. Dabei habe das Handwerk auch in Zeiten der Globalisierung eine besondere Bedeutung. „Die Menschen möchten ein Alleinstellungsmerkmal, und das kann das Handwerk bieten. Ich kann zum Beispiel meine Räume so gestalten, dass sie maßgeschneidert auf mich und meine Bedürfnisse zugeschnitten sind.“

Mit Sorge sieht Erika Wahlbrink, dass die berufliche Bildung heute bei jungen Menschen und Eltern in den Hintergrund trete. „Ich bin froh, dass ich mich vor 50 Jahren gegen meine Eltern durchgesetzt und ein Handwerk gelernt habe“, sagt sie selbstbewusst. Das habe ihr vielfältige Möglichkeiten geboten.

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