Breitbrandstrategie im Kreis Warendorf
Gute Chance für Glasfaser-Lösung

Kreis Warendorf -

Rund 30 Prozent der privaten Haushalte im Kreis Warendorf haben schon Glasfaser. Das ist viel. Damit die neue Technologie künftig in allen Außenbereichen genutzt werden kann, fließen Fördermittel von Bund und Land. 60 Millionen sind zugesagt. Allerdings noch für die alte Vectoring-Technologie, die mit Kupferkabeln arbeitet und nicht so schnell ist wie Glasfaser. Redakteurin Beate Kopmann sprach mit Landrat Dr. Olaf Gericke über die Breitbrand-Strategie des Kreises.

Donnerstag, 29.03.2018, 16:03 Uhr

Landrat Dr. Olaf Gericke: „Wir haben gute Chancen für 100 Prozent Glasfaser. Bislang hat der Kreis noch nicht ausgeschrieben. Deswegen ist ein Technologiewechsel noch möglich.“
Landrat Dr. Olaf Gericke: „Wir haben gute Chancen für 100 Prozent Glasfaser. Bislang hat der Kreis noch nicht ausgeschrieben. Deswegen ist ein Technologiewechsel noch möglich.“ Foto: Beate Kopmann

Herr Landrat, im Februar haben Sie gesagt, dass der Förderantrag auf schnelles Internet nach der Regierungsbildung ein Upgrade erhalten wird: weg vom Vectoring hin zur Glasfaser. Haben Sie schon neue Informationen aus Berlin?

Gericke : Ja, wir bereiten den Technologie-Wechsel vor und wollen eine reine Glasfaser-Lösung. Ich war gerade in Berlin und habe darüber mit Tim Brauckmüller , dem Geschäftsführer des Breitbandbüros, geredet. Er hat uns ermutigt, zweigleisig auszuschreiben. Bereits seit November letzten Jahres versuche ich – zusammen mit der Gesellschaft für Wirtschaftsförderung – den Wechsel zu 100 Prozent Glasfaser zu schaffen, ohne den bestehenden Förderbescheid zu gefährden. Dazu führen wir Gespräche mit Bund, Land, Bezirksregierung und Landkreistag.

Haben Sie denn schon ausgeschrieben?

Gericke: Nein, zum Glück haben wir das noch nicht getan. Sonst wäre ein Technologie-Wechsel und überhaupt das ganze Vergabeverfahren rechtlich anfechtbar. Das Breitbandbüro hat uns jetzt aber ermuntert, parallel auch Angebote für Gigabandbreiten einzuholen. Ich zähle auf die Unterstützung unserer Bundestagsabgeordneten. Reinhold Sendker hat einen guten Draht zu Verkehrsminister Scheuer und Bernhard Daldrup zu Finanzminister Olaf Scholz. Der Ball liegt jetzt in Berlin. Der Bund muss das Geld zur Verfügung stellen.

Über welche Summe reden wir beim Wechsel zu Glasfaser?

Gericke: Das würde insgesamt 120 Millionen Euro kosten – also doppelt so viel wie uns bislang per Förderbescheid zugesagt ist.

Wie wahrscheinlich ist es, dass diese Gelder dann auch fließen?

Gericke: Da bin ich sehr zuversichtlich. Kanzleramtschef Helge Braun hat bereits gesagt, dass der Bund künftig nur noch Glasfaser und kein Vectoring mehr fördern will. Eine Entscheidung, die Monate zuvor auch NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart getroffen hat. Der Bund will die Fördermittel in dem Verfahren außerdem nicht mehr deckeln. Und das Land hat schon grünes Licht für die Ko-Finanzierung gegeben. Wir haben daher gute Chancen, auf 100 Prozent Glasfaser zu kommen. Sobald die zusätzlichen Fördermittel zur Verfügung stehen, können wir unseren Änderungsantrag aus der Schublade ziehen.

Viele Bürger warten nicht auf Fördermittel und bringen den Glasfaserausbau selbst voran.

Gericke: Das ist ja auch gut. Dadurch haben ja schon fast 30 Prozent der privaten Haushalte Glasfaser. Dass Unternehmen wie die Deutsche Glasfaser und HeLi Net ihre Geschäfte in mehr als 20 Ortsteilen machen, unterstütze ich. Übrigens schon im Vorfeld. Denn zusammen mit der Geschäftsführerin der Gesellschaft für Wirtschaftsförderung habe ich Unternehmen wie die Deutsche Glasfaser in den Kreis Warendorf geholt und ihnen in den Kommunen die Tür geöffnet. Aber überall rechnet es sich für die Privaten eben nicht. Deswegen brauchen wir Fördermittel.

Wie viele Menschen werden profitieren, wenn es einen neuen Zuschlag aus Berlin gibt?

Gericke: Der Förderantrag bezieht sich auf alle Außenbereiche und Gewerbegebiete, die aktuell eine Versorgung von unter 30 Mbit/s haben. Im Fördergebiet liegen etwa 17 000 Haushalte. 19 Gewerbegebiete und 60 Schulen.

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