Taubenzucht
Eine Sache der Liebe

Füchtorf -

„Eine gute Zuchttaube kann bei der Versteigerung 10 000 Euro einbringen“, erzählt Züchter Gustav Schulze-Wienker von der lukrativen Seite seines Hobbys. Dabei ist ihm anzumerken, dass ihm das nicht so recht passt.

Samstag, 14.04.2018, 08:04 Uhr

Wenn Gustav Schulze-Wienker will, fressen ihm seine Tauben aus der Hand. Gehen Brieftauben auf die Reise, tragen sie nicht nur ihre persönliche Registriernummer, sondern auch die Telefonnummer ihres Besitzers als Ring am Bein (kleines Bild).
Wenn Gustav Schulze-Wienker will, fressen ihm seine Tauben aus der Hand. Gehen Brieftauben auf die Reise, tragen sie nicht nur ihre persönliche Registriernummer, sondern auch die Telefonnummer ihres Besitzers als Ring am Bein (kleines Bild). Foto: Ulrike von Brevern

Fast sein ganzes Leben züchtet der Füchtorfer Brieftauben, aber ums Geld geht es ihm dabei nicht. Der sportliche Erfolg, vor allem aber die Tiere stehen für ihn im Mittelpunkt und ein bisschen auch die Geselligkeit.

Namen gibt er seinen Tauben nicht. „Ich sag mal ,Du Hübsche‘ oder ‚der Dicke‘, aber ansonsten haben sie ihre Nummern.“ Nicht einmal auseinanderhalten kann er sie alle. Schließlich bevölkern rund hundert Tiere seine Schläge. Trotzdem herrscht bei ihm ein Grundsatz: „Es muss alles mit Liebe gemacht werden!“ Das sei mehr als eine teure Taube auch Garant für sportlichen Erfolg.

Angefangen hat er mit einem Kumpel in den 60-er-Jahren – als Teenager: „Wir haben erst beim Züchter zugesehen und dann auch mal ein bisschen gewettet.“ Schulze-Wienker grinst verschmitzt. „Wir hatten ja sonst nichts zu tun.“ Die Bezeichnung „Rennpferd des kleinen Mannes“ tragen die Brieftauben nicht umsonst.

Wenn ich was vorhabe und die Tauben schnell drin haben will, fliegen sie noch eine Extrarunde.

Gustav Schulze-Wienker

Der erste eigene Taubenschlag auf dem elterlichen Hof ließ nicht lange auf sich warten, ebenso wenig wie der erste Brieftaubenverein fürs Dorf, der 1969 gegründet wurde. In den 80-er-Jahren gewann Schulze-Wienker dann mit seinen Tauben Pokale, flog „schöne Erfolge“ ein. Der Verein „Derby Füchtorf“ schwoll auf mehr als 20 Mitglieder. Man saß sonntags zusammen, wartete gemeinsam auf die Rückkehr der reisenden Tauben und „wertete die Uhr aus“.

Seither ist es ruhiger geworden. Dank Zucht und moderner Transpondertechnik am Taubenbein ist die Reise schneller und effektiver geworden. Das Brieftaubenhobby ist bundesweit überaltert. Die Nachwuchsfrage bewegt Schulze-Wiener. „Frauen haben ein gutes Händchen für Tauben“, sagt er und verweist damit auf einen weiblichen Trend in seinem Hobby. Seine eigene Frau ist zu seinem Bedauern nicht darunter, und auch die Kinder haben anderes im Kopf. „Früher haben sie mit den Küken im Sand gespielt“, erinnert sich der ehemalige Vermessungstechniker. „Die Küken waren noch so klein, dass sie keinen Ring hatten. Dann wusste ich nicht mehr, zu welcher Taube sie eigentlich gehörten.“

Zu den großen Vorteilen seines Hobbys zählt Schulze-Wienker die Ruhe, die er sich im Taubenschlag holt. „Wenn ich unruhig bin, überträgt sich das sofort“, schmunzelt er mit tiefenentspannter Zufriedenheit. „Wenn ich was vorhabe und die Tauben schnell drin haben will, fliegen sie noch eine Extrarunde.“

Für das mangelnde Interesse junger Menschen an der Brieftaubenzucht macht Schulze-Wienker zu viel Ablenkung verantwortlich, besonders auch durch das Smartphone. „Dabei ist das Verschicken einer Nachricht per Taube sicherer als jede SMS“, sagt er scheinbar tot-ernst zu seinem jüngeren Nachbarn, der zu einem Schnack vorbeigekommen ist. Der braucht einen Moment. „Die können nicht abgehört werden“, lacht er dann begreifend.

 

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