Ehrenamtliches Engagement
Anne Haigis bis Klaro auf der Tenne

Kreis WARENDORF -

20 Jahre bietet der Förderverein Haus Siekmann ein tolles Programm an. Auch namhafte Künstler schätzen Location, Stimmung wie Organisation und Publikum. Zeit für eine kleine Bilanz. Und mit voller Kraft voraus!

Donnerstag, 31.05.2018, 05:00 Uhr

Auch Anne Haigis spielte auf der Tenne, was Jürgen Krass sehr freute.
Auch Anne Haigis spielte auf der Tenne, was Jürgen Krass sehr freute. Foto: Reinhard Baldauf / Dierk Hartleb

„Ich glaube, ich ziehe nach Sendenhorst.“ Diesen Satz hat nicht irgendwer ins Gästebuch des Fördervereins Haus Siekmann geschrieben, sondern die Mitglieder der bekannten Jazzformation „Klaro“, in Person von Karolina Strassmaier, Drori Mondlak , Thomas Stabenow und Stefan Bauer. Und letzterer, weltweit als Vibrafonist unterwegs mit Wohnsitz in New York, ist der Autor dieser Zeile, wie sich Jürgen Krass glaubt zu erinnern.

Im Gespräch sprudelt aus dem Vorsitzenden des Fördervereins nur so heraus, wer in den vergangenen 20 Jahren seine Visitenkarte auf der Tenne der ehemaligen Hofstelle, deren Ursprünge sich bis in die Anfänge des 14. Jahrhundert zurückverfolgen lassen, abgegeben hat. Die Gästeliste liest sich wie ein Who is Who der der aktuellen Jazz- und Gitarrenszene. „Diese beiden musikalischen Schwerpunkte haben sich neben Kabarett herausgebildet“, erklärt Krass.

Auf dem Lebensplan des heute 77-jährigen Sendenhorsters, der bis 2007 an der Bischöflichen Realschule Sendenhorst 40 Jahre lang Kunstunterricht erteilte und daneben auch noch selbst als freier Künstler tätig ist, stand es nicht, mit Anfang 50 den Vorsitz eines Vereins zu übernehmen, der in Sendenhorst ganz wesentlich das kulturelle Leben prägt. „Das ist keine One-Man-Show“, betont Krass. Und führt weiter aus: „Wir sind ein eingespieltes Vorstandsteam, in dem jeder seine Aufgabe ausfüllt.“

Krass kümmert sich hauptsächlich um die Programmgestaltung, für Finanzen und Technik auf der Tenne sind andere Vorstandsmitglieder zuständig. Bei Veranstaltungen arbeiten alle Hand in Hand. Das ist auch ein Teil des Erfolgsrezepts, meint der Vorsitzende. Künstler und Besucher fühlten sich bei den Ehrenamtlichen von Haus Siekmann gut aufgehoben, weil sie mit Herzblut bei der Sache seien. Überlegungen, einen hauptamtlichen Mitarbeiter einzustellen oder den Verein auf Stiftungsbasis zu stellen, um sich eine andere Finanzierungsbasis zu verschaffen, wurden im Vorstand wieder verworfen.

Dabei ist Geld durchaus immer ein Thema. Mit 8000 Euro fällt der jährliche Zuschuss der Stadt nicht gerade üppig aus. Und einige Veranstaltungsformate wie Theateraufführungen – in früheren Jahren gastierte des Öfteren das Wolfgang-Borchert-Theater aus Münster auf der Tenne – wurden aus Kostengründen gestrichen. Auch andere Veranstaltungen, wie Autorenlesungen oder Vortragsreihen, stellten sich als nicht so attraktiv heraus und wurden eingestellt.

Im Übrigen ist der Förderverein nicht der einzige Nutzer. Auch der Heimatverein, der sich wie der Kreis um Jürgen Krass 1992 gegen den Abriss engagierte, führt in dem der Tenne vorgelagerten Kaminraum seine Heimatabende durch.

Auch die Woche der Brüderlichkeit und die Volkshochschule sind regelmäßig Gast in Haus Siekmann, das die Stadt 1992 erwarb und dann nach langem politischen Kampf - die damalige SPD/FDP-Mehrheit setzte sich mit einer Stimme gegen die CDU durch - schrittweise saniert wurde, bis im September 1998 auch der Veranstaltungssaal auf der ehemaligen Tenne eingeweiht werden konnte. Bei den Sanierungsarbeiten packten die Mitglieder des bereits 1994 gegründeten Fördervereins und viele andere Sendenhorster kräftig mit an.

Kämpfen muss der Förderverein auch um ein Projekt, das schon seit 2003 auf der Agenda steht. „Wir benötigen Stauraum für Stühle, Bühnenelemente, Rednerpult und Ähnliches“, erläutert Krass. Weil sich die zuständige Baubehörde quer stellte, den großen Dachraum dafür zu nutzen, was den Einbau eines Aufzugs erforderlich gemacht hätte, wurde ein Anbau ins Auge gefasst, der mit einer Glastraverse mit dem denkmalgeschützten Haupthaus verbunden werden soll. Das scheiterte vor allem an dem Widerstand einer Wählergruppierung, die die Notwendigkeit bestritt. Dass der Flügel nur aufrecht stehend gelagert werden kann, solche Argumente zählen nicht.

Im zweiten Anlauf könnte es jetzt mit dem separaten Gebäude, in dem 1000 Quadratmeter großen Garten klappen, wenn die Fördermittel bewilligt werden. „Das Haus dient nicht nur als Depot, sondern übernimmt auch noch weitere Funktionen“, stellt Krass fest. So können dort auch die Toiletten und weitere Sozialräume angemessen untergebracht werden.

Der Zuwendungsbescheid und die Baugenehmigung wären für den Förderverein und seinen Vorsitzenden das schönste Geschenk zum 20-jährigen Bestehen des Kulturzentrums Haus Siekmann, das auch von vielen Kulturfreunden in der näheren und weiteren Umgebung sehr geschätzt wird.

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