Selbsthilfegruppe für Alleinerziehende
Gemeinsam lebt‘s sich lebendiger

Kreis Warendorf -

Selbsthilfe macht total Spaß. Davon sind selbst die Jüngsten in der „Selbsthilfegruppe für Alleinerziehende im Kreis Warendorf“ schon fest überzeugt: Bis zu zwölf Kinder im Alter von drei bis 17 Jahren kommen da mindestens einmal im Monat zum Spielen, Toben und Reden zusammen.

Dienstag, 03.07.2018, 11:51 Uhr

Selbsthilfe macht Spaß: Nicht nur den Müttern (v. l.) Nadine Köttendorf, Jutta Daut und Sabine Giesecke-Helweg, sondern auch ihren Kindern.
Selbsthilfe macht Spaß: Nicht nur den Müttern (v. l.) Nadine Köttendorf, Jutta Daut und Sabine Giesecke-Helweg, sondern auch ihren Kindern. Foto: Ulrike von Brevern

Dann haben ihre Mütter Ruhe, sich nebenan auszutauschen. Und weil es gemeinsam so schön ist, dehnt sich der Nachmittag oft bis in den Abend aus. „Dann kochen und essen wir noch zusammen“, erzählt Nadine Köttendorf , „als Alleinerziehende haben wir ohnehin meist nichts anderes mehr vor.“

Alleinerziehende Väter sind keine dabei. Einer hatte es mal versucht, „aber da sind die Problemstellungen anders“, sagt Sabine Giesecke-Helweg . „Bei uns spiegelt sich die Realität wieder, dass Kinder unter der Woche bei der Mutter leben und höchstens mal am Wochenende bei dem Vater.“ Das Verhältnis zum ehemaligen Partner ist bei keiner ungetrübt.

Viele Familien verstehen sich so gut, dass sie auch über die monatlichen Treffen hinaus viel gemeinsam unternehmen. Vor allem an „diesen Sonntagen“. Dann, wenn Familien Ausflüge machen: Vater, Mutter und die Kinder, so wie der gängige Familienbegriff eben ist. Sie setzen ihre eigene Normalität, ihre eigenen Sonntagsausflüge dagegen.

Man muss alles in einer Person sein und auch alle Entscheidungen alleine treffen.

Nadine Köttendorf

Dass der Familienbegriff auch offiziell so eng ist, darüber können sich die Alleinerziehenden richtig ärgern. „Uns wird die Anerkennung als Familie versagt“, kritisiert Gieseke-Helweg. Das verletzt nicht nur innerlich. Etwa, wenn es um Steuern geht: „Bei gleichem Brutto muss ich als Alleinerziehende mehr Steuern zahlen“, kritisiert Köttendorf. Dabei sei es ohnehin schwer genug, überhaupt so zu verdienen, dass man den Kindern auch mal „was bieten kann“.

Selbsthilfegruppe für Alleinerziehende

Das unternehmungslustige Grüppchen von rund zehn sehr unterschiedlichen Frauen besteht seit fünf Jahren. Sie treffen sich gemeinsam mit ihren Kindern einmal im Monat samstags von 16 bis 18.30 Uhr in den Räumen von Innosozial in Ahlen, Am Röteringshof 34-36. Meist geht es jedoch länger. Während die Frauen reden, steht für die Kinder die Turnhalle zum Toben offen. Männliche Alleinerziehende verweisen die Frauen inzwischen auf andere Gruppen. So gibt es etwa in Hamm eine Gruppe alleinerziehender Väter. Den Kontakt zur der Gruppe in Ahlen stellt die Selbsthilfekontaktstelle in Warendorf her unter 0 25 81 / 4 67 99 88.

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Weil sie so manches erbost, haben sich die Frauen schon Politikerinnen in die Gruppe geholt, die Rede und Antwort stehen sollten. Steuern oder Versicherungsfragen waren andere Themen. Ein Wohnprojekt für Alleinerziehende haben sie mit Gedankenexperimenten und einem Architekten vorangetrieben. Am Ende wurde allerdings nichts aus der charmanten Idee, weil jede für sich schon eine andere Lösung gefunden hatte.

Den Alltag zu organisieren, die finanzielle Situation zu meistern und den Gefühlen der Kinder Rechnung zu tragen fasst Köttendorf als wichtigste Probleme der Alleinerziehenden zusammen. „Man muss alles in einer Person sein und alle Entscheidungen alleine treffen. Da tut es gut, sich am Samstag mal auszukotzen, und manchmal hilft es auch, dass jemand die richtige Fragen stellt.“

In ihrem Gefühlschaos kann die Selbsthilfegruppe tatsächlich auch den Kinder helfen, sind nicht nur die Mütter überzeugt: bei der Trauer über den Verlust der Eltern im Doppelpack oder dabei, die Beziehung zum Vater zu gestalten. Plötzlich sind noch andere in derselben Situation.

Den Gedanken „Ich brauch keine Selbsthilfegruppe, ich schaff das doch ganz alleine“ kann Nadine Köttendorf nicht so ganz nachvollziehen. „Die Gruppe macht das Leben lebendiger“, freut sie sich. „Und warum auch keine Selbsthilfegruppe?“, scherzt Jutta Daut. „Wir helfen uns doch sowieso immer selbst.“

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