Handwerk kämpft gegen EU-Bürokratie
Verärgert über Tacho-Kontrollen

Kreis Warendorf -

Im Juni hat der Verkehrsausschuss des Europäischen Parlaments beschlossen, die Pflicht zum Einbau eines digitalen Tachographen auf Fahrzeuge zwischen 2,4 und 3,5 Tonnen auszuweiten. Betroffen sind auch Fahrzeuge vieler Handwerksunternehmen. Darüber ärgern sich Kreishandwerksmeister Heinz-Bernd Lohmann und der Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Frank Tischner.

Dienstag, 10.07.2018, 13:16 Uhr

Kreishandwerksmeister Heinz-Bernd Lohmann und KH-Hauptgeschäftsführer Frank Tischner geraten beim Thema „Digitaler Tachograph“ richtig in Fahrt
Kreishandwerksmeister Heinz-Bernd Lohmann und KH-Hauptgeschäftsführer Frank Tischner geraten beim Thema „Digitaler Tachograph“ richtig in Fahrt

„Die Einhaltung aller Vorschriften der Tachographen-Verordnung bedeutet schon jetzt einen erheblichen bürokratischen Aufwand“, erklärt Tischlermeister Heinz-Bernd Lohmann.  Selbstverständlich ist Lohmann für Kontrollen im Sinne der Sicherheit im Straßenverkehr. „Unfälle durch Müdigkeit oder zu lange Arbeitszeiten können so vermieden werden.“ Dem Schutzgedanken will er nicht widersprechen – „wenn man sich auf das Transportgewerbe beschränken würde.

Was ihn und KH-Hauptgeschäftsführer Frank Tischner verärgert, ist, dass als alleiniges Kriterium für die Tachographenpflicht das Gewicht des Fahrzeugs herangezogen wird und nicht der Zweck, wofür es eingesetzt wird. „Im Handwerk werden Fahrzeuge gebraucht, um zur Baustelle oder zum Kunden zu gelangen. Hier werden keine Berufsfahrer eingesetzt, sondern Handwerker transportieren ihre Arbeitsmaterialien“, begründet Tischner, warum man auf Ausnahmeregelungen für das Handwerk pocht.

„Künftig müssten Dachdecker, Tischler oder Elektriker, die zum Kunden oder zur Baustelle fahren, gegebenenfalls zeitaufwendig nachweisen, dass sie in der Woche weniger als die erlaubten 56 Stunden fahren – wo doch die wöchentliche tarifliche Arbeitszeit deutlich darunterliegt und in der Hauptsache der Erbringung handwerklicher Dienstleistungen dient“, beschreibt Tischner die Folgen.

Die Handwerksvertreter sind sich einig: Die Ausweitung der Fahrtenschreiber-Regelung auf leichtere Fahrzeuge bedeutet für die Betriebe zusätzliche Kosten, die durch Anschaffung und Einbau des Tachographen, Kauf von Kontrollkarten für das Unternehmen, Kauf von Software zur Datenverwaltung sowie regelmäßige Wartungs-, Archivierung- und Auslesungspflichten und die Unterweisung der Beschäftigten entstehen.

Noch soll die Tachographenpflicht im Gewichtsbereich 2,4 – 3.5 Tonnen auf grenzüberschreitende Verkehre beschränkt werden. Dies schmälert nicht die Kritik des Handwerks, denn viele Betriebe der Kreishandwerkerschaft sind in den Niederlanden oder der Schweiz aktiv. „Wenn auch zunächst eingeschränkt, ist die Tachopflicht – so unsere Befürchtung – das Einfallstor für eine spätere weitere Ausweitung auf alle innerstaatlichen Transportvorgänge im unteren Gewichtsbereich“, erklärt Heinz-Bernd Lohmann.

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