Kreisbrandmeister Gottmann über die Faszination Feuerwehr
Alles stoppt, wenn der Melder geht

Kreis Warendorf -

Über 2000 Männer und Frauen sorgen in den Freiwilligen Feuerwehren im Kreis rund um die Uhr ehrenamtlich für Sicherheit. Was bewegt sie dazu? Kreisbrandmeister Heinz-Jürgen Gottmann, der gleichzeitig Vorsitzender des Kreisfeuerwehrverbandes ist, umreißt im Gespräch mit Ulrike von Brevern die Faszination Feuerwehr und ihre Herausforderungen.

Donnerstag, 26.07.2018, 07:01 Uhr

Als Kreisbrandmeister hat Heinz-Jürgen Gottmann seinen eigenen Einsatzwagen vor der Tür stehen. Er koordiniert die Feuerwehrangelegenheiten und berät den Landrat – alles im Ehrenamt. Dass er beruflich das Ressort Katastrophenschutz beim Kreis leitet, trifft sich gut.
Als Kreisbrandmeister hat Heinz-Jürgen Gottmann seinen eigenen Einsatzwagen vor der Tür stehen. Er koordiniert die Feuerwehrangelegenheiten und berät den Landrat – alles im Ehrenamt. Dass er beruflich das Ressort Katastrophenschutz beim Kreis leitet, trifft sich gut. Foto: Ulrike von Brevern

Wie häufig retten Sie eigentlich noch Katzen aus Bäumen?

Gottmann : Etwa einmal im Monat kommt die typische Katze durchaus noch vor. Wenn der Bürger uns braucht, kommen wir. Den Schwerpunkt unserer Einsätze bildet heute die technische Hilfeleistung zum Beispiel bei Unfällen. Wir arbeiten mit den Rettungskräften Hand in Hand und dabei läuft die Zusammenarbeit mit den Hilfsorganisationen bei uns im Kreis richtig gut, das gibt es nicht überall.

Feuer sind selten geworden?

Gottmann: Natürlich brennt es noch. Es gab im vergangenen Jahr auch Großschadensereignisse und sogar einen Brandtoten. Aber es wird jetzt schon im Vorfeld viel mehr darauf geachtet, dass Brände gar nicht erst entstehen. Stichwort vorbeugender Brandschutz oder der Rauchmelder-Erlass. Der bringt ein echtes Plus an Sicherheit. Allerdings muss der Besitzer die Geräte auch pflegen. Fehlalarme machen sich bei uns in der Zahl der Fehleinsätze durchaus bemerkbar.

Was macht eigentlich einen Feuerwehrmann aus? Oft erscheint die Feuerwehr von außen ja wie eine Welt für sich.

Gottmann: Das ist sie auch. Andere können oft nicht nachvollziehen, dass der Feuerwehrmann, wenn der Melder geht, alles stehen und liegen lässt um zu helfen. Da wird ein Schalter umgelegt und man ist Feuerwehrmann. Einen Riesendank an die Partner und auch die Arbeitgeber, die das mitmachen! Die Feuerwehrleute arbeiten ehrenamtlich im Sinne von kostenlos. Die Bereitschaft zu dieser unbezahlten Hilfe für andere ist einfach die Grundmotivation.

Und die Bereitschaft zu fast militärischer Disziplin.

Gottmann: Das muss sein! Während des Einsatzes gibt es keine Diskussion bei der Feuerwehr. Wer vorne rechts im Auto sitzt, hat das Sagen. Man muss sich aufeinander verlassen können, denn davon kann das Leben abhängen. Für die Faszination Feuerwehr kommt dann vieles zusammen: Da ist natürlich die Technik, aber auch die Kameradschaft und die eigene Bestätigung, anderen, die in Not sind, zu helfen. Wer einmal das Gen Feuerwehr eingeatmet hat, der bleibt auch dabei.

Wie steht es mit Feuerwehrfrauen? Lange gab es da Vorbehalte.

Gottmann: Inzwischen wächst ihre Zahl und wir sind froh, sie zu haben. Frauen sind wirklich eine Bereicherung für die Feuerwehr. Die Tonlage ist ruhiger und das ganze Umfeld entspannter geworden. Aber auch einsatzmäßig ist es gut. Die Frauen machen die gleiche Ausbildung wie die Männer und die Arbeit ist völlig identisch, da gibt es keine Abstufungen.

Was wünschen sich Feuerwehrleute am meisten?

Gottmann: Dass ihre Arbeit anerkannt und respektiert wird. Da kommen wir auf das Thema „Gewalt gegen Einsatzkräfte“. Der Feuerwehrmann will an der Einsatzstellen nicht beschimpft, nicht verletzt oder angepöbelt werden. Er hilft freiwillig, in seiner Freizeit. Da braucht das keiner.

Aber wenn die Feuerwehr kommt, sind die Menschen doch in einer Notlage. Gibt es da tatsächlich Gewalt, auch hier im Kreis?

Gottman: Doch, das kommt vor. Natürlich nicht jeden Tag und bei jedem Einsatz. Aber es geschieht bei Unfällen genauso wie bei Bränden. Da werden Einsatzkräfte mit Sprüchen empfangen, tätlich angegriffen oder bespuckt. Zu Sylvester werden sogar Raketen auf sie abgeschossen. Das muss sich wirklich kein freiwilliger Feuerwehrmann gefallen lassen! Oft sind es gar nicht die Betroffenen, die pöbeln, sondern Schaulustige. Wir von der Leitung fordern die Einsatzkräfte auf, das zur Anzeige zu bringen, und haben dafür auch die Rückendeckung aller Bürgermeister. Aber die Feuerwehrleute sind dann die Gutmenschen und sagen „Komm, der war im Stress, da machen wir nichts von“.

Und wenn wir die freiwilligen Feuerwehren nicht mehr hätten?

Gottman: Das wäre nicht zu finanzieren. Für die Gemeinden ist Brandschutz eine Pflichtaufgabe. Wir haben 2500 Feuerwehrleute im Kreis. Die alle in Lohn und Brot zu nehmen wäre für die Gemeinden gar nicht zu bezahlen.

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