Vergiftetes Baby in Wadersloh - Junge Mutter vor Gericht
Angeklagte tischt neue Versionen auf

Wadersloh/Münster -

„Vielleicht können Sie doch noch ein bisschen zur Aufklärung betragen“ – mit diesem Appell wandte sich der Vorsitzende Richter am Ende des zweiten Verhandlungstages an die Angeklagte. Die 19-jährige Vanessa A. wird verdächtigt, ihren Sohn durch eine Überdosis an Medikamenten getötet zu haben.

Freitag, 10.08.2018, 18:55 Uhr
Veröffentlicht: Freitag, 10.08.2018, 17:02 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Freitag, 10.08.2018, 18:55 Uhr
Vergiftetes Baby in Wadersloh - Junge Mutter vor Gericht: Angeklagte tischt neue Versionen auf
Foto: dpa

„Mein Eindruck ist, dass wir noch nicht alles erfahren haben“, so der Richter.

Zu Beginn der Verhandlung hatte die junge Mutter frühere Aussagen korrigiert und zugegeben, dass sie dem Kind nicht nur Schlafmittel, sondern auch ein Antidepressivum verabreicht habe. Weil sich das Kind nicht beruhigen ließ, habe sie ihm zweimal „Sedaplus“ gegeben.

Antidepressivum im Fläschchen

An genaue Mengen erinnert sich die 19-Jährige nicht. Bei der zweiten Gabe habe sie zusätzlich das Antidepressivum „ins Fläschchen gemacht“. Sie selbst sei zu diesem Zeitpunkt völlig fertig gewesen und übermüdet gewesen. „Ich war kurz vor dem Durchdrehen.“

Vielleicht war das Kind ja einer sich neu anbahnenden Beziehung im Weg

Richter

Einer der beisitzenden Richter konnte sich auch ein anderes Motiv vorstellen. Schließlich hatte sich die Angeklagte – kurz nachdem ihr Kind tot war – auf den Weg zum neuen Freund nach Borken gemacht, der an diesem Tag mit ihr seinen Geburtstag feiern wollte.

„Wollten Sie das Kind schlafend allein zurücklassen, um freie Hand zu haben? Dazu würde passen, dass Sie keinen Babysitter organisiert haben. Vielleicht war das Kind ja einer sich neu anbahnenden Beziehung im Weg?“

Ich war kurz vor dem Durchdrehen.

Angeklagte

19-Jährige war erneut schwanger

Diese Vermutung wies der damalige Freund der Angeklagten zurück und sagte später aus, den Jungen akzeptiert zu haben – sogar noch ein weiteres Kind. Denn vor Gericht stellte sich heraus, dass die 19-Jährige zum Tatzeitpunkt erneut schwanger war und nur knapp zwei Monate nach dem Tod ihres Kindes eine Abtreibung vornehmen ließ.

Ihr damaliger Freund wusste das, schied aber selbst als Vater aus. Denn die Abtreibung erfolgte in der elften Woche – zum Zeitpunkt der Zeugung waren die beiden noch kein Paar. Die Angeklagte machte vor Gericht keine Aussage, wer der Vater dieses Kindes sei – und ihr damaliger Freund sagte aus, diese Frage habe für ihn keine Rolle gespielt.

Bedrohung durch Kindsvater

Die Mutter der Angeklagten gab als Zeugin vor Gericht an, dass sie jederzeit als Babysitter eingesprungen wäre, wenn ihre Tochter sie darum gebeten hätte. Nach Schilderungen der Mutter sei Vanessa zwar anfangs überfordert, „aber dann hat sie sich unglaublich toll in ihre Mutterrolle reingefunden. Sie ist dadurch richtig erwachsen geworden.“

Der Vater des Kindes hat meiner Tochter gedroht, er werde sie umbringen und ihr das Kind aus dem Bauch treten.

Mutter der Angeklagten

Ferner sagte die Zeugin aus, dass der Kindsvater, der im Prozess als Nebenkläger auftritt, ihre Tochter bedroht habe – etwa mit der Ankündigung: „Ich bringe dich um und trete dir das Kind aus dem Bauch.“

Irritation um Beruhigungsmittel

Für weitere Irritationen sorgte die Aussage der Angeklagten, sie habe das Beruhigungsmittel Anfang des Jahres in der Apotheke in Wadersloh-Diestedde gekauft. Die einzige Apotheke am Ort gab aber an, dass Medikament sei am Vortrag des Todesfalles von einer jungen Frau mit Kind gekauft worden. Davor sei der Wirkstoff zuletzt im Jahr 2011 bestellt worden.

Der Prozess wird fortgesetzt.

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